Wie es begann: Die erste grosse Reise; sie infizierte mich, seither leide ich an Fernweh ...

Während der Corona-Krise 2020 habe ich in meinem alten Indien-Foto-Ringbuch Indien-Tripgeblättert. Beim Eintauchen in diese "urzeitlichen", aber Freude machenden Erinnerungen, habe ich mich entschlossen, meine erste grosse Reise auch in meine Webseite zu integrieren. Die Fotos habe ich eingescannt und den mit Schreibmaschine geschriebenen Text abgetippt, aber auch ein paar Mal das Original eingescannt. Nachträgliche Ergänzungen sind kursiv geschrieben. 

In den 60er Jahren war die junge Generation auf der Suche nach neuen Wegen für die Gesellschaft und das Zusammenleben. Die von San Francisco ausgehende Hippiebewegung stellte die ihrer Meinung nach sinnfreien Wohlstandsideale der Mittelschicht, auch derer ihrer Eltern, in Frage und propagierte eine von Zwängen und bürgerlichen Tabus befreite Lebensvorstellung. Im Vergleich zur 68er-Bewegung und den Gammlern dominierten dabei stärker gemeinschaftliche Indien-TripSelbstverwirklichung als gesellschaftspolitische Konzepte, teilweise überschnitten sich die Ideale der Bewegungen. „Denn anders als die Gammler wollten sie nicht nur dem Leistungsdruck der Gesellschaft entfliehen, sondern zugleich neue, menschlichere Lebensweisen und Umgangsformen finden.“ Die Idee von einem humaneren und friedlicheren Leben wurde mit dem, oft synonym zur Hippiebewegung Indien-Tripverwendeten, Schlagwort «Flower-Power» (Blumenmacht) belegt. Diese Ideale wurden versuchsweise in neuartigen, oft ländlichen Kommunen umgesetzt.

Der Ausdruck «Summer of Love» (Sommer der Liebe) bezeichnet den Sommer des Jahres 1967, als die Hippiebewegung in den USA auf ihrem Höhepunkt angelangt war. Der Ausdruck versuchte, das Lebensgefühl zu beschreiben, das im Sommer 1967 im kalifornischen San Francisco herrschte. Als Beispiel dafür gilt der Song “San Francisco”, gesungen von Scott McKenzie: „If you’re going to San Francisco, be sure to wear some flowers in your hair. If you come to San Francisco, Summertime will be a love-in there.“Indien-Trip

Die verschiedenen Bewegungen und Ideen der damaligen Zeit haben mich als Teenager stark beeinflusst, auch während meiner KV-Lehre in Thun, von 1969 bis 1972. Ich hatte sicherlich von all diesen Entwicklungen einen Teil in mir, inklusive Elemente eines Bünzlis oder Füdlibürgers, ich war wohl ein Sammelsurium, eine Zusammenballung von Emotionen für Aufbruch, Umbruch, Protest. Durch die gutbürgerliche Erziehung und den limitierten finanziellen Möglichkeiten, blieben meine Ausschweifungen, mein Ausprobieren, mein Ausbrechen, meine Träume in überschaubaren Grenzen.

Indien-TripDie Hippies, die gegen Krieg (Vietnamkrieg), Konsum und Rassenfeindlichkeit waren, liessen sich auch stark von der Musik beeinflussen. Künstler wie Janis Joplin, The Doors, Jimi Hendrix oder The Who verliehen der Hippiebewegung mächtigen Auftrieb. Viele Künstler experimentierten mit Drogen, exotischen Musikinstrumenten, fremden Glaubensrichtungen und liessen indische Klänge in ihre Musik einfliessen. Indien, eine Reise in dieses Land, wurde zum Hippietraum, auch für mich.

Als ich nach der Lehre mit 18 ½ Jahren flügge wurde, damals wurde man erst mit 20 volljährig, das Elternhaus verliess und ins Welschland zog, habe ich diese neugewonnene Freiheit nicht ausgenutzt um nun in die eine oder andere Richtung aus der Gesellschaft auszusteigen. Im Gegenteil, habe ich doch früh erste Führungsverantwortung in einer Debitorenbuchhaltung übernommen. Auch habe ich 1973 schön brav - nun ja, immer brav doch nicht - wenn auch ohne Begeisterung fürs Militär, die Rekrutenschule absolviert. Als Bürogummi wollte ich in der Armee etwas ganz anderes machen, deshalb besuchte ich im Sommer 1972 als Vorbereitung die Fallschirmspringer-Schule Para-Centro. Nach der 14-tägigen Ausbildung, mit 17 Absprüngen und bestandener Prüfung, erhielt ich den Ausweis für automatische Absprünge. Mit der Wunscheinteilung zu den Fallschirmgrenadieren hat es aber nicht geklappt, so wurde ich ein Motf, Motorfahrer, Militärlastwagenfahrer.

Aber der Indien-Traum blieb …

Indien-Trip

Die Überlandreise nach Indien war damals ein Abenteuer mit vielen Unbekannten. Internet und Google war noch nicht erfunden, Handy unbekannt. Indien-TripEine Reise auf eigene Faust, zum Beispiel mit einem VW Bulli, für Indien-Reisende der damaligen Zeit das Reise-Vehikel schlechthin, traute ich mir nicht zu. Irgendwann stiess ich auf ein Inserat von "Junior Travel". Diese Firma bot Gruppenreisen per Bus nach Indien an. Das passte mir! Damals arbeitete ich bei Levis Strauss (Suisse) S.A. in Ecublens, zusammen mit Bruna. Unsere Idee stiess auch bei zwei Kolleginnen, Fleurianne (Fleure) und Eliane, auf Interesse. So meldeten wir uns zu viert für die Reise mit Beginn 15. Juni 1974 an.

Indien-TripGefilmt habe ich mit meiner Canon Super 8 Kamera und fotografiert mit einer Kamera mit Filmrollen zu 20 und 36 Fotos. Das Fotografieren war also limitiert, man überlegte es sich dreimal, ein Foto zu machen. Ob das Foto gelungen war oder nicht konnte erst viel später zu Hause, nach dem Entwickeln des Films, festgestellt werden. Unseren Eltern schrieben wir Postkarten und Briefe. Briefmarken mussten wir zum Teil mit Leim anbringen: damit diese nicht nochmals verkauft werden konnten, liessen wir sie vor unseren Augen beim Postschalter abstempeln. Post aus der Heimat erhielten wir „poste restante“, postlagernd, oder via Schweizer Botschaft. Mit im Gepäck war auch Robert Treichler's legendärer Reiseführer "Der billigste Trip nach Indien".

 

Indien-Trip

15. Juni - 16. September 1974

Indien

 

Schweiz Schweiz Schweiz

Schweiz

Route: Zürich - Buchs

Schweiz Indien

Schweiz Indien

Meine Eltern begleiten mich von Spiez nach Zürich zum Abfahrtstreffpunkt während Bruna mit ihren Eltern von Münchenstein anreist.

Mit 18 Kg Gepäck starten wir am Samstag, 15. Juni 1974, um 12.10 Uhr, in Zürich unsere grosse Reise.

Schweiz Indien

Schweiz Indien

 

Liechtenstein Liechteinstein Liechtenstein

Liechtenstein

Route: Über Schaan zur österreichischen Grenze

 

Oesterreich Österreich Oesterreich

Oesterreich Österreich Indien

Route: Bludenz - Arlbergpass - Innsbruck - Salzburg - Graz

Den Arlberg-Strassentunnel gab es 1974 noch nicht. Die Arbeiten begannen am 1. Juni 1974, am 5. Juli 1974 fand der Tunnelanschlag in St. Anton und Langen statt. Der Durchstich erfolgte am 9. Oktober 1977, am 1. Dezember 1978 konnte der Verkehr freigegeben werden.

Indien Trip Bei der Reisebeschreibung von Junior Travel Switzerland stand, dass die genaue Route nicht bekannt sei, da die Chauffeure ihre Erfahrungen und Kenntnisse individuell einsetzen würden. So könne es vorkommen, dass wir bei lokalen Freunden einen Besuch abstatten oder vielleicht sogar zu einem Familienfest eingeladen würden. Das tönte interessant und hob den Abenteuercharakter der Reise noch mehr hervor …

Indien TripAls wir den Arlbergpass hinauffahren gehe ich nach vorne und setze mich neben Freddy, unseren Chauffeur, um zu filmen. Dabei erkundige ich mich bei ihm, wie oft er bereits nach Indien gereist sei. Das sei das erste Mal, bekomme ich zu hören. Erstaunt frage ich, wie er denn den richtigen Weg finde. Er habe von allen Ländern Strassenkarten dabei, erklärt er mir ...

Österreich Indien

Österreich Indien

16. Juni 1974: In Graz versuchen wir zum ersten Mal die aufblasbaren Zelte aufzustellen und ... sie stehen!

Indien Trip Gemäss den Konditionen von Junior Travel Switzerland sind im Preis die Reise mit dem Car von Zürich bis Delhi, das Übernachten in Zelten und das Frühstück enthalten …

Indien TripBeim ersten Frühstück in Graz schlägt Freddy vor, Geld in eine Gemeinschaftskasse einzuzahlen, so könnten wir die künftigen, gemeinsamen Frühstücke bezahlen. Als wir ihm sagen, dass das Frühstück doch inbegriffen sei, meinte er, Brot für heute habe er dabei und Butter und Konfitüre reichen nur für ein paar Tage mehr ...

 

Bul JugoslawienJugoslavien

Jugoslavien Jugoslavien Indien

In der Zeit von 1945 bis 1992 hatte Jugoslawien eine Fläche von 255'804 km². Es bestand aus den sechs Teilrepubliken Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Mazedonien und den beiden Autonomen Provinzen Vojvodina und Kosovo innerhalb Serbiens. Jugoslawien grenzte an Italien, Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Griechenland und Albanien und hatte eine lange Küste am Adriatischen Meer mit zahlreichen Inseln.

Route: Maribor (im heutigen Slowenien) - Zagreb (im heutigen Kroatien) - Belgrad (im heutigen Serbien) - Niši (im heutigen Serbien)

Jugoslavien Indien

17. Juni 1974: Am jugoslawischen Zoll sehen wir auf der Gegenfahrbahn viele Ferienheimkehrer. Wir jedoch fahren weiter und verpflegen uns zum letzten Mal bei einem Wienerschnitzel.

Jugoslavien Indien

Jugoslavien Indien

V.l.n.r.: Fleure, Lucy, Roland, Elisabeth.

Links oder rechts? Geradeaus oder zurück?

Jugoslavien Indien

18. Juni 1974: Wir schalten einen Ruhetag ein und stellen unsere Zelte irgendwo zwischen Nova Gradiska und Slavonski Brod auf.

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V.l.n.r.: Roland, Fleure, Eliane, Bruna und ich.

Jugoslavien Indien

Jugoslavien Indien

Jugoslavien Indien

Indien Trip In den von Junior Travel Switzerland erhaltenen Unterlagen, die wir aber nicht mitgenommen haben, stand, dass die Reise bis nach Delhi vier Wochen dauert ...

Bei Gesprächen mit Mitreisenden stellt sich aber heraus, dass nicht alle die gleiche Indien TripInformation haben. Einige erwähnen, dass die Reise bereits nach drei Wochen in Delhi ende. Wir reden mit Freddy. Seine erhaltene Instruktion sei, in drei Wochen in Delhi anzukommen. Wir bitten ihn, mit dem Büro in Zürich Kontakt aufzunehmen, was er aber ablehnt. Er werde gemäss seinem Fahrplan weiterfahren. Da uns das bisherige Reise-Tempo nicht stört, insistieren wir (vorerst) nicht.

In der Nacht regnet es stark, so dass wir unseren Bus am nächsten Morgen von einem Traktor aus dem Feldweg ziehen lassen müssen.

Jugoslavien Indien

Jugoslavien Indien

Jugoslavien Indien

 

 

Bulgarien Bulgarien Bulgarien

Bulgarien Bulgarien Indien

Route: Sofia - Plovdiv

Bulgarien Indien

24. Juni 1974: Wir betreten das vierte Land unserer Reise: Bulgarien.

Bulgarien Indien

Und noch 345 Kilometer bis Istanbul.

Ein improvisiertes Frühstück am Strassenrand.

Bulgarien Indien

Bulgarien Indien

Bulgarien Indien

 

Türkei Türkei Türkei

Türkei Türkei Indien

Route: Edirne - Istanbul - Bosporusbrücke (Europa/Asien) - Ankara - Samsun (Schwarzes Meer) - Trabzon - Diyadin

Wir haben dem kommunistischen Bulgarien den Rücken zugewandt und betreten zum ersten Mal türkischen Boden. Wir fahren heute noch bis nach Edirne (Adrianopel), wo wir auf dem Campingplatz unsere Zelte aufblasen. Nachdem dies geschehen ist, besichtigen wir die Stadt.

Türkei Indien

Türkei Indien

Ich beuge mich vor Allah! Die Kette über dem Eingang hat den Zweck, dass man sich beim Eintreten in den Vorhof der Selimye Moschee vor Allah beugen muss.

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Reklamehügel vor Istanbul.

22. Juni 1974: Am achten Tag unserer Reise erreichen wir, nach 2‘431 Km, Istanbul (Byzanz, Konstantinopel). Wir schlagen unser Biwak auf dem Campingplatz „London-Camp“ auf und bleiben zwei Tage hier. Dier Stadt hat viel Interessantes zu bieten: die unzähligen Moscheen, das alte Unterwasserreservoir der Stadt, das Lichtspiel bei der Blauen Moschee, den Bazar, das Goldene Horn, das Restaurant „Puddingshop“ etc. Wir benützen auch die Gelegenheit um uns im 300 Jahren alten türkischen Bad (Cagaloglu Hamami) verwöhnen zu lassen.

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bu kaça? - wieviel kostet’s?

Türkei Istanbul

Die einzigartige Sultanahmet-Moschee (Blaue Moschee) mit ihren sechs Minaretten.

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Auf einem Bummel durch Istanbul.

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Das Goldene Horn vom Aussichtspunkt Pierre Loti (Piyer Loti) aus gesehen.

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Türkei Indien Türkei IndienTürkei Indien

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Bevor man die Moschee betreten darf, muss man sich noch die Füsse waschen, erst dann kann man sich auf den dicken Teppichen zum Gebet niederlassen. Die Schuhe bleiben vor dem Eingang zurück.

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Das Innere der Selimiye Moschee ist ganz mit Teppichen belegt.

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25. Juni 1974: Nachdem wir am Morgen Istanbul verlassen haben, erreichen wir am Nachmittag die Hauptstadt der Türkei: Ankara. Auf der persischen Botschaft bestellen wir die Visa und müssen erfahren, dass wir diese erst übermorgen erhalten werden.

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Aussicht von der Zitadelle (Altstadt).

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Auf dem Weg runter von der Altstadt. - Ich rauche eine Nargile (Shisha, Wasserpfeife).

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Im Gençlik Parkı (Vergnügungspark).

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Auf der Weiterfahrt entdecken wir die verschiedenen Bodenbeschaffenheiten der Türkei: Grüne Hügel ...

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Karge Ebenen ... Dürre Steppen.

27. Juni 1974: Wir erreichen bei Samsun das Schwarze Meer und fahren noch bis Ünye weiter, wo wir unser Lager auf einem Campingplatz, direkt am Meer gelegen, aufschlagen. Wir beschliessen, erst übermorgen weiterzufahren.

Türkei Indien

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Türkei Indien

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Weiter geht die Fahrt nach Trabzon. Von dort über den Ziganapass (2025 MüM) und über den Kopdagipass (2390 MüM) nach Erzurum. Noch über den Eleskirtpass (2475 MüM) und schon geht wieder ein Tag seinem Ende entgegen. Diese Strecke bestand ausschliesslich aus Naturstrassen.

Da der Tag eine warme Nacht verspricht, verzichten wir auf das Aufstellen der Zelte und schlafen unter freiem Himmel.

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1. Juli 1974: Kurz vor der Grenze sehen wir den 5165 Meter hohen Ararat, auf dem angeblich die Arche Noah gelandet sein soll. - Auf jeden Fall ein beliebtes Sujet zum Fotografieren.

Türkei Indien

Türkei Indien

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Iran Iran (Persien) Iran

Iran Iran Indien

Route: Täbriz - Teheran - Babol Sar (Kaspisches Meer) - Mashad

Iran Persien Indien

Auf asphaltierten Strassen geht’s von der Grenze aus durch heisse Steppenwüste nach Täbriz und weiter nach Teheran. Zum guten Glück verfügt der Campingplatz „Sahara“ über einen Swimming-Pool, so dass wir die Hitze ein bisschen besser ertragen. Abends um neun Uhr weist das Thermometer noch 35 Grad aus. Um der grössten Hitze entgehen zu können, fahren wir um 23.00 Uhr wieder weiter und gelangen am Vormittag bei Bābolsar an das Kaspische Meer, wo wir uns bis am Abend aufhalten. Und weiter geht’s.

Unser Bus wird of bestaunt und gibt manchmal Anlass zu einer Dorfzusammenkunft.

Iran Persien Indien

Nach einem heftigen Gedränge und einigen „Boro, boro!“ (Geh weg, geh weg!) haben wir es geschafft und sitzen wieder auf unseren Plätzen im Bus.

Iran Persien Indien

Iran Persien Indien

Den richtigen Weg zu finden ist einfach, stehen doch überall Wegweiser!?!?!

Iran Persien Indien 

Iran Indien

Iran Indien

Frische einheimische Brotfladen mit türkischer Konfitüre und Kaffee aus der Schweiz – so international frühstücken wir.

Iran Indien

Iran Indien

Vor der Hitze flüchtend, suchen wir Zuflucht unter einer Brücke und machen uns dort unser Essen.

Iran Indien

Noch 5 Km auf persischem Boden. Nachdem wir dieses Foto gemacht haben, werden wir kurze Zeit später von iranischen Grenzsoldaten, die uns mit Ferngläsern beobachtet haben, aufgehalten und gefragt, was wir vorhin gemacht hätten. Eine Souveniraufnahme, erklären wir ihnen, und so lassen sie uns weiterfahren. – Die persischen Grenzformalitäten, welche wir kurz darauf erledigen müssen, dauern eine Stunde. Wir wechseln unsere letzten Rial gegen Afghani und verlassen Persien. Auf unserer 6-tägigen Durchreise haben wir den Schah, oder mit offiziellem Titel «His Imperial Majesty Mohammad Reza Pahlavi Aryamehr Shahanshah of Iran», nur auf Bildern gesehen, welche in jedem Restaurant aufgehängt sind.

Mohammad Reza Pahlavi, * 26. Oktober 1919 in Teheran; † 27. Juli 1980 in Kairo, entstammte der Herrscherdynastie Pahlavi und war der letzte iranische Schah. Nach der Abdankung seines Vaters Reza Schah Pahlavi im Zuge der anglo-sowjetischen Invasion des Iran bestieg er am 17. September 1941 den Thron. Mit Unterstützung der Vereinigten Staaten errichtete Pahlavi in der Folge ein autoritäres Regime und liess die Opposition durch den Geheimdienst SAVAK unterdrücken. Am 26. Oktober 1967 krönte er sich zum Schahanschah („König der Könige“). Die Ereignisse der Islamischen Revolution unter Ruhollah Chomeini führten 1979 zum Sturz der Monarchie und Pahlavi verliess am 16. Januar 1979 den Iran.

 

Afganistan Afghanistan Afganisatan

Afganisatan

Route: Herat - Kandahar - Kabul - Bamiyan - Kabul - Jalalabad

Nachdem wir die persische Grenze hinter uns gelassen haben, kommen wir zum afghanischen Grenzposten Islam Qala. Da die Einreiseformulare 3-fach ausgefüllt werden müssen, Durchschlagpapier aber nicht vorhanden ist, und dazu die Grenzbeamten nach dem Motto „Geht’s nicht heute, geht’s dann morgen“ arbeiten, brauchen wir 3 ½ Stunden bis wir weiterfahren können. Wir treffen hier auf 2 Schweizerpaare, welche auf der Heimreise mit ihrem VW-Bus sind. Ihnen wird das ganze Auto ausgeräumt und zum Teil sogar auseinandergenommen. Fazit: Geduld muss man haben!

Wir haben nun schon 3 ½ Stunden Vorsprung auf die Zeit in der Schweiz. Wir fahren heute noch bis Herat weiter, wo wir in einem Hotel übernachten. Am nächsten Morgen stehen wir schon um halb sechs Uhr auf und machen mit einem Gaudi (Pferdekutsche) eine Stadtrundfahrt. Trotz der frühen Stunde ist das Städtchen (etwas über 100‘000 Einwohner) schon erwacht und überall herrscht reges Treiben. Anschliessend gehen wir noch zu Fuss durch die fast Autofreien Strassen und lassen uns in den unzähligen kleinen Shops Postinchas (afghanische Schaffell-Mäntel), Lederwaren aller Art, Teppiche und Antiquitäten (?) zeigen.

Afghanistan Indien

Afghanistan Indien

Um 10 Uhr müssen wir leider schon wieder weiter, denn unser Chauffeur will unbedingt noch heute bis Kandahar (580 Km) fahren.

Indien Trip Herat hat uns sehr gefallen. Es wirkte auf uns so friedlich. Gerne wären wir noch länger geblieben. Wir sind deshalb sehr enttäuscht, schon wieder weiterfahren zu müssen ...

Indien TripWir, d.h. diejenigen die 4-Wochen Reisezeit im Kopf haben, reden nochmals mit Freddy. Nach einigem Hin und Her und unserer Drohung, nicht mehr weiterfahren zu wollen, verspricht uns Freddy, in Kabul mit der Firma in der Schweiz Kontakt aufzunehmen um abzuklären, wer Recht hat; ob wir für die Reise drei oder vier Wochen Zeit haben ...

Unterwegs halten wir bei einem Beduinenzelt an, wo uns sofort Tee angeboten wird. Dabei werden unsere Fotoapparate bestaunt, doch auch der Sippenvater kann damit nichts anfangen.

Afghanistan Indien

Afghanistan Indien

Afghanistan Indien

Und weiter geht’s über die von den Russen gebauten Strasse, unter heisser Sonne (Durststrecke), Kandahar entgegen, welches wir am Abend erreichen.

8. Juli 1974: Kandahar - Kabul, 486 Km, diese Strecke wurde von den Amerikanern gebaut. In Kabul, der Hauptstadt Afghanistans mit ca. 500‘000 Einwohnern, wohnen wir im gemütlichen Tramper Hotel „Shahrokh“.

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Indien Trip Freddy kommt vom Post Office zurück, wo er mit Zürich telefoniert hat. Gespannt sind wir auf seinen Bericht: Das Büro habe ihm bestätigt, dass wir vier Wochen Zeit für die Reise Zürich – Delhi haben ...

Indien TripAlso doch! Während die Mehrheit Freude an diesem Bescheid hat, wirft es für andere den Zeitplan über den Haufen. Ein paar werden nach Ankunft in Delhi wieder mit dem Bus in die Schweiz zurückkehren; so steht ihnen weniger Zeit für den Aufenthalt in Indien zur Verfügung. Da wir nun dem Fahrplan voraus sind, entscheiden wir, die gewonnene Zeit in einen Ausflug zu investieren ...

Afghanistan Indien

10. Juli 1974: Wir verlassen Kabul, um einen Abstecher ins Buddha-Tal von Bamiyan zu machen. 240 Km staubige Strasse.

Afghanistan Indien

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Unterwegs machen wir Halte in den kleinen und netten Dörfern.

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Es geht auch ohne Stühle und Tische: ein afghanisches Teehaus. Um das Klima besser ertragen zu können, kleiden wir uns wie die Einheimischen.

Afghanistan Indien

Afghanistan Indien

Es ist drei Uhr nachmittags als es passiert. Zwischen Gardandewal und dem Hajigak-Pass müssen wir anhalten, da wir Öl verlieren. Zuerst glauben wir, dass es sich um eine kleine Panne handelt, doch dann müssen wir feststellen, dass wir sie (Ölleitung undicht) nicht beheben können. So machen sich Freddy, unser Chauffeur, und Roland zu Fuss auf den Weg, um im noch ca. 40 Km entfernten Bamiyan das Flugzeug zu besteigen und in Kabul ein Ersatzteil zu besorgen.

Wir andern bleiben beim Bus zurück und stellen, da es ziemlich kalt und windig ist, die Zelte auf. Leider haben wir nicht mehr viel zu Essen bei uns und auch das Trinkwasser wird knapp. So kommt dann zum ersten Mal die „Wasserreinigungspumpe“ zum Einsatz. Becher um Becher wird abgefüllt und in den Kanister getan, wo wir noch einige Reinigungstabletten dazu tun. Einige Einheimische, die hinter dem nächsten Hügel wohnen, verkaufen uns Brennholz mit welchem wir ein Lagerfeuer machen und uns bei Gesang und Spielen die Zeit vertreiben.

Am nächsten Morgen siehts nicht mehr so gut aus, sind doch einige von uns über Nacht krank geworden. Wir beschliessen, mit dem nächsten Fahrzeug die Kranken nach Bamiyan zu transportieren. Gegen neun Uhr kommt ein Bus vorbei den wir aufhalten. Der Chauffeur verlangt aber einen viel zu hohen Preis, so dass wir auf die Weiterfahrt verzichten. Zu allem Unglück erweisen sich die Einheimischen nicht als so friedlich wie wir zuerst glaubten: Lassen sie uns auf ihren Eseln reiten, werfen sie im nächsten Moment Steine von einem Hügel auf uns herunter.

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Russel, unser Guide, und vier andere erklären sich bereit, beim Bus zurückzubleiben und auf unseren Chauffeur zu warten während die übrigen es nochmals versuchen sollen, bei nächster Gelegenheit mitzufahren.

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Am Nachmittag kommen drei Busse vorbei, die wir aufhalten und fragen, ob sie uns mitnehmen. Nachdem wir uns über den Fahrpreis geeinigt haben, steigen wir ein. Eine Gruppe von 5 Personen bleibt bei unserem Bus zurück. Die Fahrt führt uns durch wilde Schluchten und über „bricht-sie-wirklich-nicht-zusammen?“-Brücken.

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Gegen Abend erreichen wir Bamiyan. Das Dorf besteht nur aus einer Strasse, links und rechts von Häuser begrenzt.

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Die grösste Buddha-Statue der Welt: 53 m hoch, aus rötlich-braunem Sandstein herausgehauen. Wie klein fühlt man sich, wenn man solchen Kunstwerken gegenübersteht.

Afghanistan IndienDie Buddha-Statuen von Bamiyan waren einst die grössten stehenden Buddha-Statuen der Welt. Sie befanden sich bis zur Zerstörung durch die Taliban im März 2001 im 2500 Meter hoch gelegenen, mehrheitlich von Hazara bewohnten Tal von Bamiyan, das sich im Zentrum Afghanistans befindet und von der UNESCO als Weltkulturerbe gelistet ist. Die beiden grössten und bekanntesten dieser Statuen waren 53 bzw. 35 m hoch. Daneben wurde eine ganze Reihe von weiteren, kleineren Buddha-Statuen in die dortige Felsklippe eingearbeitet. Sie sind historische Zeugnisse einer dort etwa vom 3. bis zum 10. Jahrhundert praktizierten, in ihrer Art einzigartigen buddhistischen Kunst. Mittlerweile wurden die Nischen der Statuen abgesichert und ihre Trümmer geborgen. Es gibt Bestrebungen, die Statuen wieder aufzubauen. Hierzu wurden auch Hilfsgelder zugesichert, ohne dass jedoch ein konkreter Beschluss gefasst wurde.

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Immer wieder finden wir neue Höhlen und Gänge.

Afghanisatan Indien

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Blick gegen die kleine Buddha-Statue von 35 Meter Höhe.

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Nach der anstrengenden Kraxlerei erholen wir uns bei einem Pot of Tea.

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Die Lastwagen sind märchenhaft bemalt.

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13. Juli 1974: Da unser Bus nicht nach Bamiyan gekommen ist, und einige von uns immer noch krank sind, nehmen wir das Flugzeug, um nach Kabul zurückzukehren.

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Bakhtar Afghan Airlines war eine Fluggesellschaft aus Afghanistan, die zunächst Inlandflüge anbot. Aufgrund einer ICAO-Studie wurde sie im Jahr 1967 als Bakhtar Alwatana von der afghanischen Regierung gegründet. Das Ziel war dabei, den bis dahin wenig entwickelten Inlandflugverkehr massiv auszubauen, vor allem zu den zerklüfteten und schwer zugänglichen Bergregionen des Landes. Bakhtar war also ein „Entwicklungshilfe-Carrier“, bei dessen Finanzierung die ICAO ebenso mithalf, wie beim Bau geeigneter Flughäfen. Seit 1. Januar 1971 war Bakhtar die einzige Inlandgesellschaft, alle Inlandziele wurden von der Ariana an Bakhtar abgegeben. 1988 wurde die Gesellschaft mit der Ariana Afghan Airlines verschmolzen.

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Unser Vogel.

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Bahn frei, wir starten!

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So weit das Auge reicht: wellige Sandsteinhügel.

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Anflug auf Kabul.

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Wieder sicheren Boden unter den Füssen.

14. Juli 1974: Von Kabul aus fahren wir weiter über Pässe, durch Schluchten, über Ebenen, vorbei an kleinen Seen ...

Afghanistan Indien

Afghanistan Indien

und schon verlassen wir wieder ein Land.

Afghanische Grenzsoldaten.

Afghanistan Indien

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"Baman Khoda" (Auf Wiedersehn).

Das mit dem Wiedersehen sollte nicht sein: der langjähriger Krieg und die vielen Konflikte verhinderten, dass Afghanistan ein Reiseland blieb/wurde. Der Krieg in Afghanistan umfasst eine Reihe von zusammenhängenden bewaffneten Konflikten, die seit 1978 in Afghanistan andauern. Der Konflikt begann im April 1978 mit einem Staatsstreich durch die kommunistische Volkspartei, der einen Aufstand weiter Teile der Bevölkerung nach sich zog. Im Dezember 1979 intervenierte die Sowjetunion militärisch in dem Konflikt und setzte eine neue kommunistische Führung ein. Mit der sowjetischen Invasion begann ein zehn Jahre andauernder Konflikt zwischen sowjetisch gestützter Zentralregierung und amerikanisch gestützter Widerstandsgruppen der Mudschahedin, der weite Teile des Landes verwüstete. Nach dem sowjetischen Abzug im Frühjahr 1989 folgte dem Zusammenbruch des Regimes 1992 ein innerafghanischer Bürgerkrieg, in dem die amerikanisch gestützte Talibanbewegung bis 1996 die Kontrolle über den größten Teil des Landes übernahm. Im Herbst 2001 wurde die Talibanregierung durch eine US-geführte Intervention zugunsten der verbliebenen bewaffneten Opposition gestürzt. Die Führungsebene der Taliban konnte sich durch Rückzug nach Pakistan halten und führt seit dem Jahr 2003 mit zunehmender Intensität einen Aufstand gegen die neue afghanische Regierung an.

 

Pakistan Pakistan Pakistan

Pakistan Pakistan Indien

Route: Torkham - Kyberpass - Peshawar - Rawalpindi - Lahore

Pakistan Indien

Da wir heute Abend nicht mehr über den Kyberpass fahren dürfen (zu gefährlich), übernachten wir im Grenzort Torkham. Trotz der grossen Hitze während des Tages können wir gut schlafen, denn wir ziehen die Feldbetten auf der Dachterrasse unter freiem Himmel einem Zimmer vor.

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Am nächsten Morgen müssen wir die Fahrspur wechseln, denn ab Pakistan herrscht Linksverkehr.

 

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Hinter dem Kyberpass.

Im heissen, dreckigen und stinkenden Peshawar.

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So sieht es vor dem Eingang zu unserem Hotel „Rainbow Guest House“ aus. Das Hotel selbst ist aber sauber.

Pakistan Indien Pakistan IndienPakistan Indien

16. Juli 1974: Wir überqueren den 3190 Km langen Indus und erreichen am Nachmittag Rawalpindi, die ehemalige Hauptstadt. Die jetzige Hauptstadt Pakistans heisst Islamabad und bildet den neuen Stadtteil von Rawalpindi.

Pakistan Indien

Pakistan Indien

In Rawalpindi wird uns von einem Angestellten einer Fluggesellschaft ein ganzes Haus gratis zur Verfügung gestellt, welches aber keine Möbel, ausser einem Bett, hat. Für uns ist das kein Problem, da wir uns doch schon ganz andere Schlafplätze gewöhnt sind.

Wegen 15 $, welche wir Freddy, unserem Chauffeur, nicht zurückzahlen wollen, kommt es zum Streit zwischen ihm und uns. Er will erst weiterfahren, wenn er das Geld erhalten hat, wir jedoch wollen ihm den Betrag, den wir von Fahrgästen erhalten haben, die wir unterwegs ein Stück mitgenommen haben, und in unsere Gemeinschaftskasse (fürs Essen) gelegt hatten, nicht zurückzahlen. Da wir uns nicht einigen können, bleiben wir noch einen Tag in dem Haus.

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Wegzufahren war nicht schwer, zurückzufahren jedoch sehr! (Welches ist der richtige Weg zum Haus?).

18. Juli 1974: Wir verlassen Rawalpindi und fahren heute bis Lahore, wo wir in der YMCA übernachten (alle in einem Raum).

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Als die Letzten passieren wir die pakistanische Grenze, wo man uns mitteilt, dass der indische Grenzposten Wagha um 18 Uhr schliesst. Wir müssen uns also beeilen, wenn wir noch heute unser Ziel erreichen wollen.

 

Indien Indien Indien

Indien

Route 1, im Norden: Amritsar - Jammu - Srinagar - Delhi - Agra - Delhi - Benares (Varanasi) - Raxul

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Wir erreichen Amritsar, wo wir sofort ein Hotel aufsuchen. Diesmal begnügen wir uns mit einem Raum, wo es nur Bänke, Tische und Stühle hat, doch jeder macht es sich so bequem wie nur möglich.

Da unser Chauffeur keinen Ausweis für den Anhänger bei sich hat, müssen wir ihn bei der Zollverwaltung stehen lassen. Wir laden deshalb alles Gepäck vom Anhänger in den Car um. Nachdem dies geschehen ist, machen wir eine Stadtrundfahrt mit einer Kutsche.

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Amritsar ist die Heilige Stadt der Sikhs. Sikhs sind Anhänger einer kastenlosen Religionsgemeinschaft, die von Guru Nanak (1469-1538) gegründet wurde. Die Sikhs erkennt man sofort an ihrem Aussehen: sie tragen langes Bart- und Haupthaar, beides wird kunstvoll zu einem Knoten auf dem Kopf verschlungen und mit einem Turban (meist farbig) bedeckt. Sikhs dürfen ihr Haar nie schneiden, weil es Quelle der Energie ist.

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Der Goldene Tempel (vergoldete Kupferplatten), das Heiligtum der Sikhs, liegt inmitten eines grossen Wasserbassins, den man nur mit gewaschenen, nackten Füssen und mit bedecktem Kopf betreten darf.

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Am nächsten Morgen verlassen wir die Heilige Stadt. Über Jullundur und Kata, vorbei an unzähligen Reisfeldern, wo emsig gearbeitet wird, weiter nach Jammu. Hier kommen wir ins hügelige Kashmir, welches noch andere Namen hat: Das „Glückliche Tal“, die „Schweiz Asiens“. All diese Namen treffen, wie wir selbst feststellen können, auf Kashmir zu.

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Wir übernachten in Udhanpur (diesmal auf einem Tisch!).

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21. Juli 1974: Wir sind in Srinagar.

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Srinagar zählt etwas über 300‘000 Einwohner, liegt 1610 MüM und ist die Hauptstadt von Kashmir. Die Stadt ist vom Jhelum-Fluss, Wasserarmen und Kanälen durchzogen und wird deshalb auch „Venedig des Ostens“ genannt.

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Der Jhelum-Fluss.

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Wir haben schon zu Hause beschlossen, die Gruppe in Srinagar zu verlassen, da wir hier länger bleiben wollen. Deshalb müssen wir nun von „unserem“ Car Abschied nehmen, der während 37 Tagen unsere Heimat war. Wir legten mit ihm 9‘990 Km zurück (Zürich – Srinagar inkl. Abstecher).

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Da man in Srinagar nicht in Hotels wohnt, sondern auf Hausbooten, lassen wir uns von einer Shikara zum Hausboot „Balmoral Castle“ bringen, wo wir mit der ganzen Gruppe noch zwei Nächte verbringen.

23. Juli 1974: Nun ist es soweit, die Gruppe verlässt uns, um noch das letzte Stück bis Delhi zu fahren. Der Abschied fällt uns nicht leicht, haben wir uns doch in den fünf Wochen gut kennengelernt.

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Bye, bye Lilly, bye bye Elisabeth.

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Wir zurückgebliebenen, d.h. Lucy & Roland, Eliane & Fleure, Bruna & ich, suchen uns ein anderes Hausboot: „High Lucky Flower“. Wir bezahlen 25 Rps. pro Tag/Nacht/Person (ca. 10 SFr.), inkl. drei Mahlzeiten, und was für welche, Mmmmhhhh!!!

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Wir werden von Madzig, dem ältesten Sohn der Familie Kachroo „bedient“.

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Noch etwas zu den Hausbooten: diese sind rund um die vielen kleinen Inseln vertäut und nur per Boot erreichbar. Die Familie, die das Boot vermietet, hat in der Nähe ihr eigenes Hausboot (ganz einfach eingerichtet), wo sie das Essen zubereiten um es dann auf dem Hausboot zu servieren. Es gibt 4 Klassen von Hausbooten, von A bis D, die natürlich im Preis verschieden sind und auch die Ausstattung ist in einem A-Boot luxuriös, in einem D-Boot jedoch einfach.

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Unser Hausboot verfügt nebst 3 Doppelzimmer mit Bad und WC, noch über eine Veranda, einen Salon (mit Polstergruppe), ein Esszimmer und eine Dachterrasse. Die Bedienung ist sehr freundlich und familiär.

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Der Dal-See wurde bereits von 1420 bis 1470 von Sultan Zain-ul-Abidin als Erholungsgebiet genutzt, der ebenfalls für den Bau der Insel Sona Lank verantwortlich sein sollte. Die zweite Insel, Rupa Lank, wurde von Sultan Hassan Shah von 1475 bis 1478 erbaut. Von 1771 bis 1774 hat der Gouverneur von Kashmir, Ameer Khan, Sona Lank renoviert. Während der britischen Kolonialherrschaft hatte der Dogra Maharaja von Kashmir den Hausbau in dem Tal untersagt. In der Folge siedelten sich die Briten in Hausbooten am Dal-See an. Nach der Unabhängigkeit Indiens wurden diese Hausboote weiterhin von den Einheimischen betrieben und grossenteils zu Touristenunterkünften ausgebaut. In den späten 1980er-Jahren begann ein Siedlungsboom um den See herum und neue Hotels entstanden (von 1973 bis 1994 verdoppelte sich die Bevölkerungszahl rund um den See).

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Wenn wir etwas kaufen wollen, lassen wir einen der vielen Hawkers (schwimmende Hausierer) aufs Boot kommen, die gerne ihre Ware zeigen. Von Lebensmittel, über Gebrauchsgegenstände bis zu Souvenirs (Stickereien, Schnitzerei, bemaltes Papiermaché, Felle, Lederwaren, Teppiche, Schmuck etc.) ist alles zu haben. Wie wir schnell feststellen, ist der erste Preis, den der Händler bietet, viel zu hoch. So verbringen wir viele heitere Stunden dabei, den Preis herunter zu feilschen.

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Wir mieten eine Shikara und machen eine Rundfahrt auf dem Dal Lake, vorbei der Charchinari (Insel mit vier Ahornbäumen) und besichtigen die herrlichen Mogul-Gärten Nishat und Shalimar. Die früheren indischen Mogul-Kaiser legten diese Gärten an, um Kashmir in ein Paradies zu verwandeln.

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Grosse Seerosenfelder bedecken den See.

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Zu Hause werden wir von Madzi mit einem herrlichen Abendessen erwartet: gefüllte Ente, Kartoffeln, Gemüse und als Dessert Mangokompott.

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25. Juli 1974: Sonnenuntergsang auf dem Nigi Lake.

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Nigeen Lake 1) is a mildly eutrophic lake (= Gewässeranreicherung mit Pflanzennährstoffen, Überdüngung. Dieser Prozess findet meist in langsam fliessenden oder stehenden Gewässern statt und kann durch menschliche Eingriffe stark beschleunigt werden.) located in Srinagar, Jammu and Kashmir, India. It is sometimes considered a part of the Dal lake 2) and is connected to it via a narrow strait. It is also connected to the Khushal Sar lake 3) via a channel known as Nallah Amir Khan.

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Unsere beiden Stamm-Shikara-men.

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Im Tessin? Nein, in Srinagar.

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Eine Algenart bedeckt eine grosse Fläche der vielen Wasserarme.

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Das ist keine Wiese, sondern ein kleiner See.

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2. August 1974: Nachdem wir hier 11 wunderbare, ruhige und erholsame Tage verbrachten, werfen wir noch einen letzten Blick von der Uferstrasse aus gegen die Hausboote. Von Lucy und Roland müssen wir auch Abschied nehmen, denn die beiden fliegen nach Amritsar um von dort mit Bahn und Bus nach Kabul zu fahren. Wir sind jetzt nur noch zu viert, 3 Girls und ich.

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Wir laden auch unser Gepäck aufs Dach und beziehen unsere, schon vier Tage zum Voraus reservierten, Plätze.

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Um 7.00 Uhr verlassen wir Srinagar mit dem Bus und gelangen um 18.15 Uhr, nach 293 Km Fahrt, nach Jammu. Wir haben noch genügend Zeit um etwas zu essen. Mit dem Zug fahren wir um 21.20 Uhr weiter. Wir haben Tickets 3. Klasse „sleeper“ gekauft (28.25 Rps, 11.30 SFr.). Die Reservation, welche ich in Srinagar machte, funktionierte, so dass jeder seinen Platz hat. Wir versuchen auf den harten und schmalen brettern zu schlafen, was uns dann auch gelingt. Nach einer 13-stündigen Fahrt erreichen wir am nächsten Morgen New Delhi.

Delhi: Die Hauptstadt Indiens mit ca. 3,63 Millionen Einwohner (drittgrösste Stadt Indiens) gliedert sich ins moderne Regierungs- und Residenzviertel New Delhi (ab 1911 erbaut) und Old Delhi mit dem Roten Fort, der Jama Masjid Moschee und den Bazars. Stadtzentrum ist der Connaught Place in New Delhi.

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Delhi ist eine Metropole im Norden Indiens und als Nationales Hauptstadtterritorium Delhi (National Capital Territory of Delhi, kurz NCT). Delhi schliesst mit Neu-Delhi die indische Hauptstadt ein. Das Unionsterritorium untersteht direkt der indischen Zentralregierung, wobei ihm seit 1992 durch einen Sonderstatus ein gewisses Mass an Selbstverwaltung zusteht. So hat Delhi ein eigenes Parlament (Delhi Legislative Assembly) und eine eigene Regierung, der ein vom Parlament gewählter Chief Minister vorsteht. Das Hauptstadtterritorium Delhi ist seit 2012 in elf Distrikte unterteilt. Auf kommunaler Ebene untersteht Delhi keiner einheitlichen Stadtverwaltung, sondern ist in die fünf Statutarstädte (statutory towns) North Delhi, South Delhi, East Delhi, Neu-Delhi und Delhi Cantonment unterteilt, die jeweils eine eigene Stadtverwaltung besitzen. North Delhi, South Delhi und East Delhi entstanden 2012 durch Dreiteilung der aufgelösten Delhi Municipal Corporation. Delhi ist mit ca. 11 Millionen Einwohnern (Volkszählung 2011) im urbanen Teil der 2012 aufgelösten Municipal Corporation of Delhi und 16,8 Millionen im Hauptstadtterritorium (Volkszählung 2011) jeweils nach Mumbai die zweitgrößte Stadt und die zweitgrößte Agglomeration Indiens und gehört weltweit zu den Megastädten.

Nachdem wir den Zug verlassen haben, erleben wir zum ersten Mal die grosse Armut auf den Bahnhöfen: unzählige Kinder, die uns mit ihren grossen dunklen Augen anflehen und den „Bettlerkindersong“ vortragen: „Massad, oh Massad! My father is dead, my mother is ill, I’m hungry, please give me some paisa!”. Wie wir später in einem Kino in einem Vorfilm sehen, ist dieses Lied allgemein bekannt, denn das Betteln wird wie ein Beruf betrieben.

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Zwischen den Gleisen wühlen Kinder und Erwachsene in den Abfällen herum, Männer und Knaben, die durch einen Unfall ihre Beine verloren haben, bewegen sich mit den Händen und auf dem Hintern fort und überall herumliegende Menschen, die vor sich hindösen und warten. Warten auf was? Auf das nächste Essen, auf die nächste Gelegenheitsarbeit und auf den Tod, der ständig mit ihnen und unter ihnen ist.

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Vor dem Bahnhof steht eine Menge Taxis. Es gibt fünf Arten von Taxis: Fahrrad-Rikschas (für 2 Personen), Motorrad-Taxis (sehen aus wie Easy Riders mit 4 Plätzen), Motor-Scooters (für 2 Personen), Auto-Taxis (für so viele Personen wie Platz haben!) und schliesslich noch die Tongas (Pferdekutschen), welche 4 Personen aufnehmen können.

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Wir entschliessen uns für zwei Scooters, deren Preis uns günstig erscheint, und lassen uns zur Royal Nepalese Embassy in der Barakhamba Road bringen, wo wir das Visum für Nepal bestellen (25 Rps plus drei Fotos). Hier erfahren wir von zwei Trampers die Adresse eines billigen Hotel: Hotel Sapna, Main Bazar, Pahar Ganj, New Delhi. Wir besteigen wieder zwei Taxis und geben ihnen unser Ziel bekannt. Auch diese Fahrt wird wieder zu einem nervenkitzelnden Erlebnis: rechts und links vorfahren gehört zur Tagesordnung! Wenn sich eine Lücke auftut, wird sofort hineingefahren auch wenn der Hintermann deswegen abbremsen muss, was mit einer heftigen Huperei begleitet wird. Zwei Dinge sind an jedem Fahrzeug immer in Ordnung: die Hupe und die Bremsen, das andere ist nebensächlich. Da jeder Fahrer genau seine Umgebung beobachtet und auch den hinausgestreckten Finger seines Vordermannes nicht übersieht, kommt es selten zu Unfällen, trotz dem hektischen Betrieb auf den Strassen. Wir erreichen unser Hotel, wo wir zuerst die üblichen Formulare ausfüllen müssen und dann die Zimmer beziehen können (Double mit Bad: 25 Rps).

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4. August 1974: Wir schlafen bis um 11 Uhr, nehmen anschliessend ein kombiniertes Frühstück/Mittagessen zu uns und fahren dann mit dem Taxi in den Zoo, wo es u.a. noch den rar gewordenen Weissen Tiger geben soll. Aber bevor wir den Weissen Tiger gefunden haben, beginnt es zu regnen und zwar so stark, dass wir uns zur Umkehr entschliessen.

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Vor dem Zoo besteigen wir ein Motorrad-Taxi. Unterwegs setzt plötzlich der Motor aus. Nachdem der Driver an verschiedenen Kabeln gerüttelt hat, putzt er noch die Zündkerzen und siehe da, der Motor springt wieder an. Es regnet immer noch so heftig, so dass das Wasser nicht mehr ablaufen kann und die Räder nur noch zur Hälfte aus dem Wasser ragen. Plötzlich hält das Taxi an, der Chauffeur zeigt nach vorne und erklärt uns, dass dies der Main Bazar sei und er nicht mehr weiterfahren könne. Zuerst schauen wir uns verdutzt an, doch dann beginnen wir zu lachen und machen uns in dem kniehohen Wasser auf den Weg zum Hotel.

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Nun verstehen wir auch, warum die Eingänge der Häuser alle ca. 1 Meter über der Strasse sind so dass das Wasser nicht eindringen kann. Im Hotel angekommen nehmen wir eine Dusche und waschen uns den Dreck ab.
Nachdem der Regen aufgehört hat, ist kurze Zeit später auch das Wasser wieder abgelaufen und das Leben in den Strassen geht wieder seinen gewohnten Gang.

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Eine Stadt zwei Welten: Delhi

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Diese beiden Bilder zeigen deutlich, wie verschieden Delhi ist. In Old Delhi enge, schmutzige Gassen, alte Häuser, kleine Geschäfte, während in New Delhi neue, moderne Hochhäuser, Parkanlagen und grosse Geschäfte hervorstechen. Die Armut findet man aber in beiden Stadtteilen.

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Jantar Mantar: Ein Freilicht-Observatorium aus Stein. Dieses Werk wurde 1724 erbaut und ist heute noch brauchbar.

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Wir gehen ins Kino und schauen uns einen indisch gesprochenen Film an. Die Eintrittskarten mussten wir uns zwei Tage vorher kaufen, da sonst alles ausverkauft ist.

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Der Sikhs-Tempel in der Nähe des Connaught Place wo wir uns zwei Sikhs-Armreifen (Kara) kaufen.

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"LA ILLAHA ILL ALLAH, MOHAMMED KCHASSUL ALLAH" (mohammedanisches Glaubensbekenntnis). Es gibt keinen Gott ausser Allah; Mohammed ist der Gesandte Allahs.

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Jama Masjid: Die grösste Moschee Indiens mit Platz für 20'000 Menschen. Von einem mohammedanischen Priester wird uns, mit geheimnisvollen Gesten, ein Fussabdruck von Mohammed gezeigt.

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Auf dem grossen Platz sind Zeltplachen aufgespannt, um die Gläubigen vor der Hitze zu schützen.

5. August 1974: Ich schreibe in mein Tagebuch: Weck time 05.30 Uhr, mit Taxi zum Bahnhof (06.00 Uhr), Morgenessen, Abfahrt New Delhi 07.15 Uhr, III. Klasse, 20.20 Rps - Ankunft Agra 10.15 Uhr - Sightseeing-Tour mit Bus 10.05 Rps. - Fatehpur Sikri - Mittagessen in einem Chinesen-Restaurant - Agra Fort - Taj Mahal – Abfahrt Agra 19.00 Uhr – Taj Express – Ankunft New Delhi 22.20 Uhr.

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Fatehpur Sikri: Fatehpur Sikri ist ein Palastkomplex aus rotem Sandstein, liegt 37 Km westlich von Agra und war im 16. Jahrhundert Hauptstadt des Mogulreiches, wo Kaiser Akbar mit seinen vier Frauen (eine Hindu, eine Muslim, eine Buddhistin und eine Christin) wohnte und mit seinen vier Ratgebern (ein Hindu, ein Muslim, ein Buddhist und ein Christ) regierte. Akbar gab den Regierungssitz nach 16 Jahren wegen Wassermangels auf.

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Nach dieser Besichtigung fahren wir in die Stadt zurück und essen in einem chinesischen Restaurant zu Mittag. Nach zweimaligem Zurückgeben und einem Gespräch mit dem Koch, erhalte ich mein Essen „without onions“.

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Agra Fort: Das Agra Fort ist eine mächtige Befestigungsanlage aus rotem Sandstein und weissen Marmorpavillons und stammt ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert.

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Blick vom Agra Fort gegen die Sehenswürdigkeit Indiens: der Taj Mahal.

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Taj Mahal: Der Taj Mahal ist ein Denkmal der Liebe. Der Taj ist eine Grabmoschee aus weissem Marmor und mit Edelsteinen verziert. Der Mogul-Kaiser Shah Jahan liess ihn zwischen 1636 und 1658 für seine verstorbene Lieblingsfrau Mumtaz Mahal erbauen. Sie und er liegen im Taj Seite an Seite begraben.

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Die vier Türme, die den Taj Mahal umschliessen, wurden alle leicht nach aussen geneigt gebaut, so dass sie bei einem eventuellen Einsturz nicht auf die Liebesmoschee fallen.

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Die wunderbar bearbeiteten Wände.

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Als wir auf der Schweizer Botschaft in Delhi Post abholten, sahen wir in einiger Entfernung ein Gebäude mit einer blauen Kuppel …

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Heute wollen wir nun diese „Blaue Moschee“ aufsuchen. Wir nehmen uns ein Taxi und erklären dem Driver unser Ziel. Dieser versteht jedoch nur Bahnhof. So beginnen wir ihm zu erklären, wo diese Moschee liegt. Nachdem wir schon 50 Minuten erfolglos herumgefahren sind, und der Driver die Nerven zu verlieren scheint, finden wir die gesuchte „Blaue Moschee“. Zu unserem Erstaunen entpuppt sie sich jedoch als pakistanische Botschaft, welche mit der Hilfe der CH-Botschaft geführt wird (darum die Schweizerfahne). Ich mache schnell ein Foto und dann lassen wir uns, diesmal von einem an unserem Verstand zweifelnden Taxichauffeur, wieder in die Stadt zurückbringen. Für den Spass bezahlen wir nur 15 Rps (ca. 6 Sfr).

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6. August 1974: Um 18.10 Uhr verlassen wir Delhi mit dem Zug Richtung Benares, nachdem wir 2 ¾ Stunden auf den Zug gewartet haben. Da wir für diese Fahrt keine Sleepers mehr bekommen konnten, verbringen wir die 14 Stunden Fahrt sitzend, die Gelenke verdrehend und um ein bisschen Schlaf kämpfend. (Delhi – Benares, III. Klasse = 28.10 Rps).

Benares: Die Hauptstadt des Hinduismus liegt am heiligen Ganges und zählt ca. 500‘000 Einwohner. Benares (indisch: Varanasi) ist eine der ältesten Städte der Welt (3000 Jahre). Hierher kommen tausende von Gläubigen um auf den Ghats (Ufertreppen) zu baden, zu beten und sich von den Brahmanen (unter den Sonnenschirmen) segnen zu lassen. Viele kommen auch nach Benares um hier zu sterben. Sie werden am Burning Ghat (Manikarnika Ghat) verbrannt und ihre Asche wird in den Ganges gestreut.

Varanasi, auch Benares genannt, ist eine Stadt im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Sie liegt am Ganges und hat rund 1,2 Millionen Einwohner (Volkszählung 2011). Varanasi ist eine der ältesten Städte Indiens und gilt als heiligste Stadt des Hinduismus. Varanasi ist seit 1994 eine Municipal Corporation (Nagar Nigam), eine selbstverwaltete Kommune der höchsten Kategorie.

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Wir mieten ein Boot und lassen uns auf dem Ganges herumrudern.

Der Ganges ist mit einer mittleren Wasserführung von über 12'000 m³/s der zweitgrösste Fluss Indiens und Bangladeschs (Südasien). Der über 2600 Kilometer lange Fluss entwässert die grosse Ebene südlich des Himalaya, eines der am dichtesten bevölkerten Gebiete der Erde. Der Ganges ist der heiligste Fluss der Hindus; er ist sehr stark durch Abwässer und Schadstoffe belastet.

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Auf dem heiligen Ganges.

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Unser Bootsführer erzählt uns, dass Kleinkinder und Erwachsene, die an einer Krankheit gestorben sind, nicht verbrannt werden, sondern in Tücher eingehüllt in den Ganges geworfen werden. Auf dem Foto wird eine Frau rausgefahren und kurz darauf dem Gangres übergeben, sie sei an Gelbfieber gestorben.

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Blick gegen den Verbrennungsplatz Manikarnika Ghat.

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Wegen Zeitgründen und zu vieler Arbeit wird die Asche nicht mehr in Blumenkränze gelegt, sondern einfach in Körbe geschaufelt und danach in den Ganges geleert.

Für das nachstehende Foto musste ich 10 Rps bezahlen.

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Für uns ist dieser Anblick neu, aber für die Inder gehört er zum Alltag. Wie uns erzählt wird, trauern die Inder einem Verstorbenen nicht lange nach, denn da die Hindu an die Wiedergeburt glauben, ist für sie mit dem Tod nur ein weiterer Abschnitt zu Ende und der Geist des Verstorbenen wird mit neuem Leben wieder geboren.

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Vom Ganges aus sehen wir die Markierungen, welche an die Überschwemmungsjahre 1948 und 1967 erinnern.

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Und überall laufen die heiligen Kühe ungestört durch die Strassen.

Eine Heilige Kuh ist ein aus religiösen oder anderen kulturellen Gründen verehrtes und als unantastbar erklärtes Hausrind. Heutige Hindus begründen die besondere Stellung des Tieres mit der Aussage, dass die Kuh eine Mutter sei, die Menschen alles zum Leben gebe. Sie gilt ihnen als Symbol der Fürsorge und Lebenserhaltung. Der Atharvaveda schreibt: „Die Kuh ist Vishnu, der Herr des Lebens“.

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Auf einem Bummel durch Benares entdecken wir den Vishwanath Temple (Golden Temple) zu dem Nichtgläubige keinen Zutritt haben. Der Türrahmen und die Türschwelle sind aus Silber, das Dach aus Gold. Letzteres wurde aber einmal gestohlen, so dass das jetzige Dach nur noch aus Imitation-Gold besteht. Dieser Tempel wurde für den Hindu-Gott Shiva errichtet. Um den Tempel fotografieren zu können, steige ich auf das Dach eines benachbarten Hauses.

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Um den Nepalese Temple zu finden, brauchen wir einen Führer, der uns durch schmale Gässchen zum Tempel führt. Dort erklärt uns ein uralter Tempelwächter die Geschichte des Tempels und die vielen erotischen Schnitzerei, die den Tempel schmücken.

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Der Durga oder Monkey Temple, das ist ein Hindu-Tempel im Süden der Stadt, mit freilebenden heiligen Affen. Als wir uns Bananen kaufen, haben wir einen ganzen Affenstamm auf dem Hals.

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Mit den Studentenausweisen, die wir in Delhi auf dem Schwarzmarkt für 40 Rps gekauft haben, besorgen wir uns Bahntickets nach Raxul (Grenze und Endstation der Eisenbahn). Mit klopfenden Herzen sitzen wir dem Beamten gegenüber, der uns eine Bescheinigung ausstellt, mit der wir am Bahnhof die Tickets billiger erhalten.
Benares – Raxaul, III. Klasse Sleeper, 14.25 Rps.

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9. August 1974: Mit der obligatorischen Verspätung (diesmal eine halbe Stunde) verlassen wir um 21.05 Uhr die Heilige Stadt Benares.

10. August 1974: Nach 12 Stunden Fahrt erreichen wir Muzzafarpur wo wir umsteigen müssen. Von hier aus haben wir keine reservierten Plätze mehr, so quetschen wir uns in ein Abteil wo, laut Anschrift, 16 Sitzplätze vorhanden sind. Ich zähle aber über 40 Personen in diesem Abteil, inkl. Gepäck. Diejenigen die keinen Platz mehr finden, hängen sich einfach beim Eingang hin oder klettern aufs Dach.

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In Sagauli müssen wir noch einmal umsteigen und so erreichen wir Raxaul um 15.30 Uhr, nach 364 Km Fahrt.

In Raxul mieten wir eine Tonga (Pferdekutsche) und bringen so innert 30 Minuten die indische Passkontrolle, den indischen Zoll, die nepalesische Passkontrolle und den nepalesischen Zoll hinter uns. Meine Filmkamera wird dabei in den Pass eingetragen.

 

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Route: Birganj - Kathmandu - Patan - Kathmandu

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Nepal ist eine parteienlose, konstitutionelle Hindu-Monarchie (König Birendra seit 1972). 11,3 Mio. Einwohner, zum Teil Buddhisten, Vielvölkernation mit Sherpas und Gurkhas als bekanntesten Gruppen. Die Hauptstadt ist Kathmandu, eine aus Holz gebaute Stadt, zählt 330‘000 Einwohner, liegt 1350 MüM. Zentrum des von Hügel umkränzten Kathmandu-Tales (565 Km2).

Nepal ist ein Binnenstaat in Südasien. Er grenzt im Norden an die Volksrepublik China und im Osten, Süden und Westen an Indien. Hauptstadt ist Kathmandu. In dem ehemaligen Königreich wurde am 28. Mai 2008 die Republik ausgerufen. Ram Baran Yadav wurde am 23. Juli 2008 als erster Präsident der Republik vereidigt. Ihm folgte im Oktober 2015 Bidhya Devi Bhandari als erste Präsidentin Nepals. Einwohnerzahl 28,09 Mio. (2018).

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Nach dem stummen Willkommensgruss steigen wir in Birganj im Hotel „De Luxe“ ab.

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Auszug aus dem Tagebuch: Birganj, um 19 Uhr die erste Mahlzeit des Tages, Hotel De Luxe, Double 12 NRs, ohne Fenster, viele Moskitos (!), nachts 2 x Stromausfall (Ventilation), Bier 10.50 NRs (ca. 2.85 Sfr). Tipp: „Achte auf intakte Moskitonetze, die Gegend ist voller Moskitos. Schlaf nur in einem Bett mit Moskito-Netz oder kaufe im Bazar einen Mosquito Coil (eine Art Räucherstäbchen-Spirale), den du die ganze Nacht brennen lässt.“

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11. August 1974: Wir stehen nach kurzem Schlaf und mit vielen Moskito-Stichen um 05.15 Uhr auf, duschen und essen etwas. Unser Bus, schon wieder „De Luxe“, soll um 06.30 Uhr abfahren. Nachdem endlich alle Passagiere da sind, starten wir um 07.20 Uhr. Die Fahrt führt uns durch wildes Gelände, über x-Pässe und wird bei jedem Hühnerstall unterbrochen, damit sich der Chauffeur stärken kann.

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Jede freie Stelle wird für den Reisanbau benützt.

Endlich haben wir den letzten Pass überquert und sehen das Kathmandu-Tal vor uns. Für die 200-Km-Fahrt brauchten wir 11 Stunden und 20 Minuten. Wir wurden bei zwei Check-posts gefilzt; mussten dafür jeweils aufs Dach des Busses steigen und unser Gepäck öffnen. Um 18.40 Uhr erreichen wir unser Ziel: Kathmandu.

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Nachdem uns Hotel-„Manager“ Kurnar einen guten Preis offeriert hat und zudem das Taxi zum Hotel bezahlen will, einigen wir uns auf das Hotel „Mt. View“. Die Taxis entpuppen sich als neue Datsun-Modelle aus Japan. Nach einer kurzen Fahrt erreichen wir das Hotel, welches mitten in der märchenhaften Altstadt liegt.

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Die unzähligen Tempel in der Altstadt mit ihrer, für uns fremden Bauart, faszinieren uns. Abends ertönen aus diesen Tempeln religiöse Musik und Lieder.

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Die Polizei bei ihrer Arbeit.

Die aufgemalten Augen auf den buddhistischen Stupas symbolisieren die Augen Buddhas, die die Stadt überwachen.

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Wir entdecken ein gemütliches Lokal, das "Yin Yang“, wo wir allabendlich zusammensitzen und bei guter Musik «plauschige» Stunden verbringen. Hier treffen wir auch zwei Berner, die von Japan herkommen und auf dem Heimweg in die Schweiz sind.

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Im Uhrzeigersinn: Max, Fleure, Yvonne, Bruna und ich.

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Eine "Baumvase".

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Auf dem Weg zum Swayambunath-Stupa.

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Am Fuss des ca. 75 m hohen bewaldeten Hügels, von wo eine Treppe zur Spitze führt. Auf dem Treppengeländer rutschen Affen hinunter.

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Swayambunath (oder Monkey Temple), ist ein 2500 Jahre alter Stupa, wo buddhistische Mönche und Hunderte von Affen leben. Wie bei jedem Stupa hat es auch hier keinen Eingang, nur Buddha hat Zugang und der braucht keine Türen.

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Vor dem Tempel sitzen Einheimische die musizieren und religiöse Lieder singen; Feiertag ist der Samstag.

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Buddhistische Mönche bei der "Arbeit".

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Der Pashupatinath-Tempel.

Der heiligste Hindu-Tempel Nepals liegt 5 Km nordöstlich von Kathmandu am Bagmati River. Er steht dort, wo Shivas (Hindu-Gott) Penis zur Erde gefallen sein soll. Da der Tempel nur für Hindu zugänglich ist, schauen wir ihn uns von einem gegenüberliegenden Hügel an, nachdem wir trotzdem versucht haben, hineinzugelangen. Doch der Tempelwächter (nachstehendes Foto) liess uns nicht hinein, auch dann nicht, als wir ihm erklärten, dass wir seit 4 Wochen Hindu seien.

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Die Verbrennungsplätze am Bagmati Fluss. Hier hat niemand etwas dagegen, dass ich filme und fotografiere.

Gemäss YouTube passte das im Original-Filmausschnitt gezeigte nicht zu den YouTube Community-Richtlinien, weshalb ich ihn "zensurieren" musste.

Mit einem Weichzeichner habe ich auch das nachstehende Foto "entschärft", obwohl es, wie das Video auch, den Alltag um den Tod im Hinduismus zeigt.

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Wir fahren mit dem Bus in die älteste Stadt Nepals: Patan (3. Jahrhundert), mit ca. 150‘000 Einwohnern.

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Als wir uns die unzähligen alten Tempel anschauen, werden wir plötzlich von einem heftigen Regen überrascht. Wir flüchten ins Restaurant „Sun & Sun“, wo wir es uns gemütlich machen.

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18. August 1974: Wir mieten Velos und fahren damit zum Balaju-Swimming-Pool, welcher in einem grossen Garten liegt und die stolzen Masse von 50 x 25 m aufweist. Der Eintritt beträgt NRs 3.75. Es hat sogar ein 1- und 3-Meter-Sprungbrett. Wir geniessen diese Abwechslung in vollen Zügen.


Da Max und Martin morgen nach Delhi fliegen, veranstalten wir eine Abschiedsparty. Der junge Besitzer von unserem Stammlokal, dem Yin Yang, führt uns in einen Privatclub, wo wir einen ausgelassenen Abend verbringen.
Am nächsten Morgen kaufen auch Bruna und ich unsere Flugtickets nach Delhi. Bruna bezahlt NRs 721 (Sfr 148), ich erhalte mit dem Studentenausweis das Ticket für NRs 541 (Sfr 110). Und auch heute heissts schon wieder Abschied nehmen. Die beiden Berner Hans und Thomas wollen noch ein paar Tage bleiben, Yvonne muss wohl oder übel auch noch bleiben, denn da ihr der Pass gestohlen worden ist und sie noch keinen Neuen erhalten hat, kann sie nicht ausreisen. Auch unsere ständigen Begleiterinnen, Fleure und Eliane, fliegen einen Tag früher als wir. So sind nur noch Bruna und ich von der 22-Personen-Gruppe übriggeblieben.

Wir benützen die Zeit um noch einige Souvenirs einzukaufen: Eine Tibetanische Gebetstrommel für NRs 150 (30 Sfr) und eine Buddha-Figur für NRs 100 (21 Sfr). Da uns der Platz ausgeht, kaufen wir noch eine grosse Reisetasche um all die Sachen verstauen zu können.
Wir geniessen den letzten Spaziergang durch die einzigartige Altstadt Kathmandus, vorbei an den vielen Tempeln mit ihren obligatorischen Tempelbettlern.

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20. August 1974: Unser letzter Tag im Königreich Nepal hat begonnen. Werden wir dieses interessante Land wieder einmal sehen? – Die Rucksäcke sind gepackt und das Zimmer bezahlt (die neun Nächte mit Frühstück für 242 NRs = 50 Sfr). Wir helfen noch einem jungen Franzosen sich "französisch" aus dem Hotel zu verziehen, da er fast kein Geld mehr hat.


Bruna und ich fahren mit einem Taxi zum Flughafen, wo wir mit den restlichen nepalesischen Rupees zu Mittag essen. Da es erst halb eins ist, vertreiben wir uns die Zeit mit Karten spielen und Tee trinken. Für den letzten Pot reicht das Geld aber nicht mehr ganz, doch der freundliche Kellner gibt ihn uns auch so. Um 15.30 Uhr gehen wir zur Passkontrolle. Beim Zoll werden wir gefilzt, sogar die Schlafsäcke werden ausgerollt! Nachdem wir das überstanden haben, heissts wieder warten. Endlich ist es soweit. Wir müssen uns noch einer Leibesvisitation unterziehen, wobei ich mein Messer abgeben muss. Der Bus bringt uns zur wartenden Boeing 727 der „Royal Nepal Airlines“ wo uns bezaubernde Hostessen unsere Plätze zeigen. Nach dem obligatorischen „No smoking“ und „Fasten your seat belt“ heben wir um 17.30 Uhr vom Boden ab.

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Da wir während unseres 8-tägigen Aufenthaltes in Kathmandu nur einmal kurz ein Stück Schneeberg sahen, hoffen wir, während dem Flug das Himalaya Massiv bewundern zu können. Doch leider spielt das Wetter nicht mit und schiebt uns verschiedenförmige Wolkengebilde vor die Nase.

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Namasté Nepal

 

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Route 2, im Süden: Delhi - Bombay - Goa (Arabisches Meer) - Bombay

IndienWir landen um 18.14 Uhr auf dem internationalen Flughafen von New Delhi. Nach dem angenehmen Klima in Kathmandu scheint uns die Hitze hier in Delhi fast unerträglich. Pass- und Zollkontrolle bringen wir ohne Probleme hinter uns, da sich der Zöllner nur für Brunas verwaschene Jeans interessiert und wissen will, wie man das machen kann. Nach unseren Erklärungen lässt er uns ohne Kontrolle unseres Gepäckes passieren. Vor dem Flughafen reissen sich Taxifahrer um unsere Gunst. Da wir uns nicht entschliessen können, nehmen wir einen Bus und fahren bis zum Connaught Place. Dort empfehlen uns zwei Inder das Hotel Continental, welches sich in einem schmutzigen Hinterhof befindet. Nachdem wir das Zimmer besichtigt haben und uns der Preis nicht zu hoch erscheint, nisten wir uns ein (Double mit Air Condition, Bad und WC für 40 Rps).

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In der YMCA treffen wir auf die Gruppe, die wieder mit dem Bus in die Schweiz zurückfahren will. Es gibt ein grosses Wiedersehen und Erzählen. Wir gehen alle zusammen in eine moderne Disco (mit Pop-Gruppe und Pop-Filmen), wo wir das Nachtessen einnehmen und alle die gewonnenen Eindrücke vom riesigen Indien erzählen. Nun heissts endgültig Abschied nehmen, denn morgen fährt der Bus ab.

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Russel, der amerikansiche Guide, hat sich eine Zitar gekauft.

Bruna und ich kommen uns im ersten Moment verlassen vor, als der Bus mit den winkenden Freunden abfährt. „Have a good trip!“. Doch bald lässt uns das bunte Leben der Grossstadt die Wehmut vergessen.
Da wir in den nächsten Tagen nach Bombay fahren wollen, organisieren wir unsere Bahn Billette. Dabei erweist es sich, dass man dazu viel Geduld und noch mehr Zeit benötigt:
Da wir mit unseren gekauften Studentenausweisen einen Rabatt erhalten, müssen wir zuerst eine Bestätigung holen. Diese erhält man beim „Northern Railway Divisional Superintendant Office“, welches sich bei der State Entry Road, am Nordrand des Connaught Place, befindet. Nach etwas mehr als einer Stunde haben wir die Konzession in der Tasche. Wir nehmen ein Taxi und fahren zum Bahnhof New Delhi. Nachdem ich bei drei verschiedenen Schalter Schlage gestanden bin, erklärt man mir beim Vierten, dass die Züge nach Bombay in Old Delhi abfahren und ich also dort die Billette zu kaufen habe. Also raus aus dem Bahnhof, rein in ein Taxi und ab zum Bahnhof von Old Delhi. Dort angekommen schliessen wir uns der obligatorischen Warteschlange an. Endlich sind wir an der Reihe: Zwei mal Bombay, 1. Klasse, sleepers, bestelle ich. - Es gibt in Indien vier Klassen: die III. Klasse ist die Billigste, bei der zweiten Klasse merkt man noch keinen Unterschied betreffende Komfort, nur dass sie das Doppelte kostet. Die I. Klasse ist vier Mal teurer als die III., hat aber Polstersitze. Die teuerste Klasse ist die Air Condition. - Der Beamte erklärt mir, dass es für die I. Klasse ein separates Büro gibt, das „Northern Railway Booking & Reservation Office“. Und wo befindet sich das? Am Connaught Place! Eine Strasse weiter als wir mit unserer Irrfahrt begonnen haben (siehe Plan). Dort erhalten wir unsere I. Klasse-Tickets mit sleepers in einem 2er-Abtei. Wir müssen dafür 135 Rps bezahlen (48 Sfr), für 1388 Km.

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Der Connaught Place, das Zentrum von New Delhi, welches wir schon von unserem ersten Besuch her kennen.

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Da der Portier uns schon einmal nicht geweckt hat, nachdem wir dies verlangten, erkläre ich ihm, dass ich die zwei letzten Nächte nicht bezahlen werde, wenn er uns nicht morgen um fünf Uhr wecke. Und siehe da, die Drohung wirkte.

24. August 1974: Wir werden um 5.00 Uhr geweckt, duschen und packen unsere Rucksäcke fertig. Mit einem teuren Autotaxi, ein Motorscooter ist keines aufzutreiben, fahren wir zum Bahnhof Old Delhi. Im „Bahnhof-Buffet“ essen wir eine Kleinigkeit, bevor wir den Zug besteigen. Wir haben ein geräumiges 2er-Abteil, das wir sogar abschliessen können. Um 8.25 Uhr fährt der „Frontier Mail“ ab.

The Frontier Mail was operated by the Bombay, Baroda and Central India Railway (BB&CIR). It was flagged off in 1928 for carrying passengers and mail from Bombay to Delhi via Ratlam and Mathura, and in collaboration with the North Western Railways (NWR), beyond to Peshawar, via Lahore and Rawalpindi (which was then the detraining point for Kashmir) ... After the Partition of India, the Frontier Mail ran between Bombay and Amritsar, which is the last city in India on route to Pakistan. In 1996, for political reasons it was renamed as the Golden Temple Mail after the Sikh Golden Temple in Amritsar.

Eine 14 stündige Fahrt steht uns bevor. Wir vertreiben uns die Zeit mit Spielen, Schreiben, dazwischen erfrischen wir uns mit einer Dusche, denn jeder 1. Klasse-Wagen verfügt über 2 Duschen. Das Mittagessen wird im Abteil serviert. Und weiter geht die endlose Fahrt. Nach dem Nachtessen klappen wir die Betten herunter, die hier gepolstert sind und so verbringen wir eine gute Nacht.

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Mumbai, bis 1996 offiziell Bombay, ist die Hauptstadt des Bundesstaates Maharashtra in Indien und die wichtigste Hafenstadt des Subkontinents. Sie ist die sechstgrösste Metropolregion der Welt und liegt auf der Insel Salsette vor der Westküste Maharashtras. Das Stadtzentrum befindet sich auf einem schmalen Landstreifen, der von der sumpfigen Küste in das Arabische Meer hineinragt. Die Stadt ist das wirtschaftliche Zentrum Indiens. Sie ist Verkehrsknoten und Kulturzentrum mit Universitäten, Theatern, Museen und Galerien. Mumbai ist mit 12,5 Millionen Einwohnern in der eigentlichen Stadt (das heisst ohne Vorortgürtel) die grösste Stadt in Indien und eine der bevölkerungsreichsten Städte der Welt. Mit 28,4 Millionen Einwohnern in der Mumbai Metropolitan Region, die auch die nördlichen Gebiete mit der Stadt Thane einschliesst, gehört Mumbai auch zu den grössten Metropolregionen der Welt (Zahlen jeweils Volkszählung 2011). Zahlreiche Gebäude im Zentrum Mumbais sind in einer regionalen Variation des Historismus erbaut worden, die teilweise britisch inspiriert und teilweise eine britische Interpretation des Mogul-Baustils ist. Mehrere Baudenkmäler der Stadt, darunter der Chhatrapati Shivaji Terminus, die Höhle von Elephanta und die viktorianisch-gotischen und Art-déco-Gebäudeensembles im Stadtzentrum stehen auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.

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Ein Bummel durch das Colaba-Quartier am Sassoon Dock, wo Bombay noch ein Fischerdorf geblieben ist.

Das lebhafte Colaba ist Teil des alten Mumbais und besitzt eine Uferpromenade, die am Gateway of India beginnt – einem großen, in den 1920er-Jahren aus Basalt errichteten Triumphbogen. Sie führt an exklusiven Modeboutiquen und dem berühmten Hotel Taj Mahal Palace vorbei, das für seine im Kolonialstil gehaltene Lounge mit Meerblick bekannt ist. Am nahen Colaba Causeway gibt es Cafés mit jahrzehntelanger Tradition, angesagte moderne Restaurants und Verkaufsstände unter freiem Himmel, an denen handgefertigte Souvenirs verkauft werden.

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Kleine Fische werden am Boden zum Trocknen ausgelegt, um dann Fisch-Kleister daraus zu machen.

Heute machen wir eine Bootsfahrt zur 11 Km entfernten Insel Elephanta Caves. Da sehr grosser Wellengang herrscht, wird es manchem Passagier schlecht. Wir überstehen die Fahrt gut.

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Blick gegen Bombay: Im Vordergrund der Gateway of India, dahinter das neue und das alte Taj Mahal Hotel.

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Bevor wir die Insel erreichen, müssen wir auf ein kleineres Boot umsteigen, das uns zum Landesteg, der zum Teil unter Wasser liegt, bringt. Trotz schussbereiter Kamera fällt beim Umsteigen niemand ins Wasser.

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Während wir die Insel erklimmen, wartet unser Boot (rechts) und das Landeboot (links am Steg).

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Auf der exotischen Insel befinden sich einige aus dem Felsen gehauene Höhlen aus dem 7. Jahrhundert, die früher als Tempel dienten. In den Höhlen sehen wir die dreiköpfige Büste von Gott Shiva: das Gesicht von Brahma, dem Schöpfergott, das Profil Shivas als Zerstörer, sowie das Profil Vishnus als Erhalter. Ein Meisterwerk der Hindukunst.

Die Elephanta-Höhlen auf der Insel Elephanta an der Westküste Indiens dienen der Verehrung Shivas. Die aus dem Fels herausgehauenen Shiva-Skulpturen im Inneren der Höhlen gehören zu den bedeutendsten Werken hinduistischer Bildhauerei überhaupt. Die Höhlen sind seit 1987 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.

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Wir bummeln noch ein wenig auf der Insel umher, stärken uns mit einem Mango-Jus und kehren zu den Booten zurück. Auf der Rückfahrt beginnt es zu regnen und „Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee, und noch 10 Minuten bis …“ Bombay.

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Zwei Sadhus, "heilige Männer".

Sadhu, deutsch ‚Guter oder auch: Heiliger Mann‘) ist im Hinduismus ein Oberbegriff für jene, die sich einem religiösen, teilweise streng asketischen Leben verschrieben haben, besonders bezeichnet es die Mönche der verschiedenen hinduistischen Orden.

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Das Verwaltungsgebäude der Air India und das Hotel Sheraton.

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Diese Postkarte zeigt links das Gebäude der Municipal Corporation und rechts die Victoria Terminus Station (rechts).

Der Chhatrapati Shivaji Maharaj Terminus, auch Mumbai CST, bis 1996 Victoria Terminus, ist ein Bahnhof der Indian Railways in Mumbai, der im Süden der Stadt liegt. Er zählt zu den grössten und geschäftigsten Bahnhöfen der Welt und gehört seit 2004 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Täglich passieren mehr als 1000 Züge und etwa drei Millionen Menschen den Bahnhof; damit ist er neben Tokyo Shinjuku nach Fahrgästen einer der verkehrsreichsten der Welt. Der britische Architekt Frederick William Stevens (1847–1900) erhielt im Jahr 1878 den Auftrag, ein Bahnhofsgebäude als westliche Endstation für den Fernverkehr von und nach der Hafenstadt Bombay zu entwerfen. Bei seinen Vorstudien in England liess er sich vom Bahnhofsgebäude der Londoner St.-Pancras-Station inspirieren. Als das Gebäude 1888 fertiggestellt war, galt es als das grösste und wichtigste Gebäude Britisch-Indiens. Der Bahnhof wurde seinerzeit zur Erinnerung an das Goldene Regierungsjubiläum der Königin Victoria benannt. Gegen Ende der 1920er-Jahre wurde es erweitert und dient seitdem auch dem Vorortverkehr. Seit 1996 trägt er den Namen des hinduistischen Marathenführers (Chhatrapati, etwa „Schutzherr“) Shivaji; im Jahr 2016 ergänzte die Regierung des Bundesstaates Maharashtra den Namen um das Wort „Maharaj“ (kurze Form des indischen Herrschertitels Maharadscha), sodass der derzeitige offizielle Name „Chhatrapati Shivaji Maharaj Terminus“ lautet.

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Auf einer unserer Spaziergänge lernen wir „Babu“ kennen. Er stammt aus Afghanistan und verdient sich seinen sehr einfachen und bescheidenen Lebensunterhalt als Dealer und Money-Changer. Er überrascht uns mit seiner Einstellung zum Leben. Babu verfügt auch über gute Kenntnisse des christlichen Glaubens und lebt zum Teil nach ihm. Was er nicht kann, ist Vergeben. So erzählt er uns, dass ihm einmal in einem Alkohol-Rausch das Bett gestohlen wurde. Tags darauf geht er bei einem Händler vorbei, um sich ein „neues“ Occasionsbett zu kaufen. Und was kriegt er angeboten? Sein eigenes Bett. Von dem Händler erfährt er, dass heute Morgen einer vorbeikam und das Bett verkaufte. Er erfährt auch, wer das war. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als sein eigenes Bett zurück zu kaufen. Als der Dieb eines Tages bei ihm auftaucht und ihm beichtet, dass er damals sein Bett gestohlen habe, er solle ihm doch vergeben und ihm helfen, da er Hunger habe und kein Geld besitze. Darauf sagte Babu zu ihm, dass er von ihm enttäuscht worden sei und nichts mehr von ihm wissen wolle.
Bei Mint Tea und anderem erzählt Babu uns noch manch andere Geschichte. Wir verbringen einige unvergessliche Stunden mit ihm. Als wir ihn einmal zu einem Morgenessen einladen, nimmt er nur einen Tee. Er erklärt uns, dass er sich nicht verwöhnen wolle, denn vielleicht habe er morgen überhaupt nichts zu essen, so dass dann die Umstellung zu gross sei.

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„Thank’s for the nice time, Babu!”

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30. August 1974: Wir bringen unser Gepäck und unsere Souvenirs auf das CH-Konsulat und behalten nur einen Rucksack mit dem Nötigsten. So fahren wir mit der Bahn vom Churgate-Bahnhof (Foto) nach Vile Parle, und von dort mit dem Taxi zum Flughafen Santa Cruz.

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Unsere Indian Airlines-Maschine hebt um 14.00 Uhr ab, und wir landen um 14.45 Uhr in Dabolim.

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Ein Zubringerbus bringt uns nach Panaji.

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Von Panaji aus fahren wir mit einem öffentlichen Bus zu unserem Ziel: Calangute Beach, ein 7 Km langer palmengesäumter Strand. Da im einzigen Hotel kein Zimmer mehr frei ist, mieten wir uns bei einer einheimischen Familie ein. Für 40 Rps in der Woche gehört uns das halbe Haus: 1 grosses Zimmer mit separatem Eingang, 1 Bambus-Himmelbett, 1 Tisch, 3 Stühle, elektrisches Licht, kein fliessendes Wasser.

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Im Internet findet man heutzutage folgendes über Goa und Calangute Beach der damaligen Zeit:

Eines der beliebtesten Ziele war das Dorf und die Beach Calangute: Love and Peace bei Sonnenuntergang, lauschige Hüttchen und einfache Bars, Meditation und Yoga im indischen Space, Hasch und Partys in Hülle und Fülle – und das alles sozusagen zum Nulltarif. Kein Wunder, war es in einschlägigen Kreisen während Jahrzehnten en vogue, im Winter ein paar Monate in diesem Paradies abzuhängen oder sich gleich für immer hier einzurichten. Bis heute kommen die unterdessen ergrauten Indien-Fans ins Schwärmen über die vergangenen Zeiten in Goa. Vorneweg: Goa mag noch immer seine Qualitäten haben. Aber das mit dem Hippie-Paradies ist vorbei; und zwar definitiv.

Mit dem Rucksack und möglichst billig - so reisten die Hippies in den 60er und 70er Jahren vor allem per Anhalter und mit Bussen von Europa nach Asien. Auf dem so genannten Hippie Trail ging es um Selbstfindung und Kontakt mit anderen Kulturen. Ideen von Gott und Erlebnisse wurden ausgetauscht, über viele Jahre trafen sich die Blumenkinder immer in denselben Hotels entlang der Strecke. Wie im Pudding Shop in Istanbul oder dem Amir Kabir in Teheran. Die Ziele: Goa oder Kathmandu. In Nepal gibt es noch immer die Freak Street, die an tausende Hippies erinnert, die damals hier durchreisten. Die Hippies fuhren vor 40 Jahren einfach los, verbrachten Monate im Ausland. Viele von ihnen blieben einfach: in Griechenland, Goa, auf Ibiza oder in Marrakesch. Der kleine indische Bundesstaat Goa ist mit seinen kilometerlangen Stränden längst zu einem der attraktivsten Reiseziele geworden. Doch die ersten, die hierher kamen, waren Haschisch rauchende Blumenkinder. Denn Goa war in den 60er und 70er Jahren eine Hochburg der Hippies. Wo seit den 80er Jahren Pauschalurlauber in der Sonne liegen, hingen Jahre zuvor noch Marihuanawolken über dem Strand.

If you talk about the 70’s and 80’s, Goa was said to be the most popular destination for the hippies. EDM or Trance music which is like ‘Our Thing Now’ was born in this land. Now, wait, just hold on Guys, Its Goa Aaah !! Yes, you heard it right. No matter where you are from, no matter what is the plan, Goa is definitely the name at the tip of your tongue. For the hippies, this place was like a paradise on earth. With the suntanned skin and the fun-filled day, the night has completely different stories to speak. Moonlight parties, late night concerts and most of a lot of drugs was there during those time. As there was very no limitation the 70’s were like the best of the times for the hippies in Goa.

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Unser Badezimmer.

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Die Familie erklärt uns, dass diese Hütte das WC sei. Dass dieses Häuschen aber noch eine zweite Bedeutung hat, erlebe ich, als ich einmal in der Nacht diesen Ort aufsuche: Kaum habe ich die Türe geöffnet und will eintreten, stürzen sich drei Schweine grunzend und quietschend an meinen Beinen vorbei ins Freie. Ich bin wohl ebenso erschrocken wie die Schweine, denn wieso habe ich mein Geschäft dann im Freien erledigt?

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My home is my castle.

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Wir geniessen die Tage in dem, zu den letzten gehörenden, noch erhaltenem Paradies auf Erden. Doch es wird nicht mehr lange dauern, bis auch hier der Massentourismus die Idylle zerstört haben wird.

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Da der Sandstrand ziemlich steil abfällt, hat das Wasser beim Zurückfliessen enorme Kraft, so dass wir Mühe haben, stehen zu bleiben. Durch die grossen Wellen ist es fast unmöglich zu schwimmen, denn es wirft uns immer wieder auf den Strand zurück. Am Abend können wir unsere Freude am „im-Wasser-tummeln“ an unseren Abschürfungen am Rücken und an den Beinen ablesen. – Spass hat es trotzdem gemacht.

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Da ich krank werde beschliessen wir, ins Hotel zu ziehen. Die vielen WC-Besuche im Häuschen und das anschliessende Wasserhochholen mit dem Krug aus dem Ziehbrunnen, sind sehr mühsam. Wir haben Glück: Morgen wird ein Doppelzimmer mit Meersicht frei. Wir verabschieden uns von der Familie, bei der wir eine Woche gelebt haben.

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Besuch des Marktes von Calangute. Wir kaufen von den leckeren Kokos Brötli. Für 50 Muscheln bezahlen wir 50 Paisa (16 Rappen); wir lassen sie uns in einem Restaurant zubereiten (2 Rps).

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Ausblick von unserem Hotelzimmerbalkon.

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Wir möchten gerne mit dem Schiff nach Bombay zurückfahren, doch da die Monsunzeit noch nicht ganz vorbei ist, fahren die Schiffe noch nicht. Es kann aber jeden Tag soweit sein, dass der Schiffsverkehr mit Bombay aufgenommen wird, versichert man uns. So wollen wir morgen nach Panaij fahren um uns zu erkundigen und gleichzeitig eine Sightseeing-Tour unternehmen.

9. September 1974, unser schwarzer Tag, Auszüge aus dem Tagebuch: ∙Am Morgen den Bus nach Panaij verpasst ◦ In Panaij Tour Nr. 1 verpasst ◦ Es fahren noch keine Schiffe ◦ Wir erhalten für Bombay keine Bustickets mehr (morgen müssen wir aber abfahren!) ◦ Bus nach Calangute verpasst ◦ Im Hotel ist der Tresor schon geschlossen

Nachdem wir den ersten Bus verpasst haben, fahren wir um 7.40 Uhr nach Panaij. Wir machen uns sofort auf die Suche des Schifffahrtsbüro, das wir nach etlichem Fragen endlich finden.- Wir erhalten den Bescheid, dass die Schiffe noch nicht fahren. Nun gehen wir zum Reisebüro. Durch die Sucherei haben wir die Tour, die wir uns ausgesucht haben, verpasst. Da wir aber etwas unternehmen wollen, buchen wir Tour Nr. 3 .

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Der Strand von Colva. Er ist das Gegenteil von unserem (Calangute Beach), denn hier kann man weit ins Meer hinauslaufen.

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Teilansicht des Marmago Harbour. Das Fotografieren war strengstens verboten. Trotz Wachposten ist mir ein „Knips“ gelungen.

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Die Brücke über den Zuari-Fluss ist noch nicht fertig, so bleibt nur die Fähre.

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10. September 1974: Da gestern Abend der Tresor schon geschlossen war, pumpt uns ein Kellner 100 Rps. Wir fahren um 7.00 Uhr nach Mapusa, wo wir uns die Bustickets nach Bombay für heute Abend kaufen (53.40 Rps p. P.). Nachdem wir uns das Städtchen angeschaut haben, fahren wir wieder zurück, holen das Geld aus dem Tresor, zahlen unsere Schulden zurück und gehen Morgenessen. Am Nachmittag sehen wir Haie im Meer, und zwar ziemlich nahe, da das Wasser bis zum Ufer tief ist. Unsere Sachen sind schnell gepackt, so dass uns noch Zeit für ein gutes Mittagessen bleibt. Mit dem Bus fahren wir nach Calangute. Dort besteigen wir ein Gemeinschaftstaxi, 8 Erwachsene und 1 Kind, und das in einem normalen 5-Plätze-PW. Dafür kostet die Fahrt nach Mapusa nur 1 Ruppee. Um 17.30 Uhr fährt unser Bus ab. In einer kleinen Ortschaft hält der Bus zum Nachtessen an. Da niemand Englisch spricht, bestellen wir einfach dasselbe, wie es unser Nachbar hat (Reis mit irgendetwas). Und weiter geht’s. Um 22 Uhr Halt wegen einer Motorpanne. Und weiter geht’s. Wir versuchen zu schlafen, doch die Sitze sind sehr unbequem. Und weiter geht’s. Zur Abwechslung gibt’s um 5.30 Uhr eine Rad Panne. Grosses Staunen und Diskutieren, als der Chauffeur einen Nagel aus dem Pneu zieht. Endlich ist der Schlauch geflickt. Und weiter geht’s. Und endlich, nach 19 ½ Stunden (Flug 45 Minuten, Schiff 21 Stunden) und 450 zurückgelegten Kilometern, erreichen wir Bombay. Wir fahren mit einem Taxi ins Hotel Stiffels. Am Abend gehen wir ins Restaurant Kuality dick essen: Hors d'oeuvre Platte mit Käse, russischem Salat, Crevetten Salat, Braten, Eiern, amerikanischem Salat. Danach Fisch, Bratkartoffeln, Spinat und Tartar Sauce. Dazu trinken wir 3 Limonaden. Zum Schluss Vanilleglace mit Chocoladen Sauce. Die Rechnung beträgt 27.15 Rps (10 Franken).

 

Heimreise

Teil 1: Flug Bombay - Delhi - Beirut - Frankfurt

15. September 1974, unser letzter Tag in Indien: Weck time 10 Uhr. Da wir erst am Abend abfliegen, die Check-out time aber 12 Uhr ist, bezahlen wir noch einen halben Tag und können so das Zimmer bis zum Abflug benützen.

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Die Air India ist schon seit einiger Zeit im Streik. Da wir aber das „ok“ in unseren Flugtickets haben, müssen sie uns transportieren. Der Charterflug wäre gestern erfolgt. So sind wir nun auf einen Linienflug umgebucht worden.

Wir essen mit Babu eine Kleinigkeit und plaudern mit einer befreundeten Familie von ihm in einem Hinterhof. Die Zeit geht viel zu schnell vorbei. Wir gehen ins Hotel unsere Sachen holen, sagen Babu und seinen Freunden bye bye und fahren mit einem Taxi zum Bahnhof. Dort besteigen wir den Zug. Hier auf dieser Strecke gibt’s noch separate Wagen für Frauen und Männer, doch gilt diese Abgrenzung wohl nur in der Nacht, oder vielleicht sind das noch alte Wagen, auf jeden Fall steigen auch wir beide zusammen in einen «Women»-Wagen ein. Ein weiteres Taxi bringt uns zum Flughafen, wo wir zuerst unser Gepäck aufgeben: 40 Kg, beim Start vor drei Monaten waren es nur 18 Kg. Mit dem restlichen indischen Geld kaufen wir uns noch Sandwiches und Cigarettes. Unser Flug wird ausgerufen: Wir passieren die Passkontrolle, lassen eine Leibesvisitation über uns ergehen und besteigen den Zubringerbus zum Flugzeug, einer Boeing 747. Zu unserem Trost regnet es jetzt heftig, so dass uns der Abschied von Indien leichter wird.

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Das Flugzeug ist nur halb besetzt. Abflug in Bombay um 21.30 Uhr. Wir leisten uns Kopfhörer, so dass wir mit Musik das tipptoppe Nachtessen einnehmen werden können. Doch noch ist es nicht soweit, wir müssen zuerst die Zwischenlandung in Delhi hinter uns bringen.

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Die Menükarte:

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Das Essen hat geschmeckt, Mmmh. Vor der Zwischenlandung in Beirut werden wir geweckt, um uns anzugurten.

Teil 2: Eisenbahn Frankfurt - Basel

16. September 1974: Um 7.05 Uhr landen wir in Frankfurt und betreten das 12. Land unserer Reise, Deutschland. Nachdem wir die Pässe gezeigt und das Gepäck in Empfang genommen haben, geht’s auf einem unendlich langen Weg zur Gepäckkontrolle. Der Zöllner fragt uns nach dem Woher – Wohin – Was – Wieviel – Warum. Nachdem ich ihm klarmache, dass wir Transitpassagiere sind, lässt er uns passieren.

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Wir kaufen uns Bahn Billette nach Basel, aber zuerst leider nur bis Basel Badischer Bahnhof, so dass wir noch einmal nachlösen müssen. Totalpreis pro Person DM 42.60, 2. Klasse. Wir fahren nun nach Frankfurt-HB und essen dort zu Mittag.

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Die ursprünglichen 18 Kg Gepäck haben sich vermehrt. Mit diesem Gepäckwägelchen soll man, laut einem entsprechenden Schild, sogar Rolltreppenfahren können. Es geht tatsächlich. Allerdings müssen wir, unten angekommen, einen Teil unserer Sachen zusammensuchen und frisch aufladen, da sie uns in der Schräglage des Gepäckwagens auf der Treppe runtergerutscht sind.

Abfahrt in Frankfurt-Mai um 11.56 Uhr, 343 Km Fahrt über Heidelberg, Karlsruhe und Freiburg nach Basel, Ankunft HB um 15.30 Uhr. Wir besteigen ein Taxi und fahren nach Münchenstein, zu Gianetti’s nach Hause. 15.55 Uhr, Ende der Reise.

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Ein Teil unseres Souvenirs-Parks: Wir haben ca. 130 Sachen und Sächelein gekauft.

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Gib einem Kind einen Fisch und du ernährst es für einen Tag. Lehre das Kind zu fischen und du ernährst es für sein Leben.

Ich wusste damals noch nicht, dass der Indien-Trip mein Reiseverhalten nachthaltig beeinflussen würde, dass ich Indien, dieses kontrastreiche Land, noch mehrmals bereisen würde (Stand 2020: 2002, 2007, 2015 und 2018), dass mein Fernweh geweckt worden ist, dass meine Lust auf exotische Destinationen mit weiteren abenteuerlichen Reisen gestillt werden will …

 

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