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Iran-Cruise, 1. Mai - 24. Mai 2019

Meine zweite Motorradreise mit

Wheel of India Iran Wheel of India GmbH, Hauptstrasse 20, D-29640 Schneverdingen, +49 (5193) 51 91 91, info@wheelofindia.de, www.WheelOfIndia.de

führt mich durch den Iran, welchen ich seit 1974 nicht mehr bereist habe. Ich freue mich sehr auf dieses Abenteuer und bin gespannt auf meine Eindrücke, aus einer 45 Jahre älteren Optik ...

Die 21 tägige Rundreise beginnt in Isfahan, im Zentralen Hochland. Danach gehts in den Süden (Shiraz, Persepolis), zurück ins Hochland (Yazd, Garmeh, Kashan), in den Norden (Qazvin), den Westen (Hamadan, Kermanshah, Khorrambad) und endet wieder in Isfahan.

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Mittwoch, 1. Mai 2019, Es geht los: Cham - Isfahan
"Das Abenteuer kann beginnen. Ihr besteigt den Flieger und landet wenige Stunden später in Isfahan", soweit der erste Tag gemäss Reisebeschreibung "Iran-Cruise" von Wheel of India.

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Wegen verspäteter Ankunft ist die Abflugzeit dann erst um 15.10 Uhr.

Etwa 4 h später dockt der Airbus 321-200 im neuen, grossen Flughafen von Istanbul an. Trotzdem ich eine Stunde verloren haben, bleibt noch genügend Zeit bis zu meinem Weiterflug um 22.10 Uhr. Ich vertreibe mir die Zeit mit herumlaufen, Wifi suchen, finden und nutzen, etwas Kleinem essen, etwas trinken. Als die Info angezeigt wird, suche ich das Gate und gehe danach wieder zurück. Nach einem Chai Latte ist es Zeit fürs Boarding.

Es hat wenig Leute, der Flieger ist nur etwa zu einem Viertel besetzt; einige tragen einen Helm als Handgepäck, andere haben Motorrad-Jacken an. Die Sitze A und B neben mir bleiben leer; die Mittellehnen lassen sich leider in meiner Reihe nicht hochklappen. Es gibt die beiden gleichen Menüs wie auf meinem ersten Flug; nun nehme ich das Fleisch mit Reis.

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Donnerstag, 2. Mai 2019, Isfahan
"Der erst Tag in Persien. Nach ein paar Stunden Schlaf und einem guten Frühstück machen wir uns auf den Weg zu einem Erkundungsgang durch Isfahan. Ziel ist der Imam-Platz, einer der grössten Stadtplätze der Welt. Wir besichtigen einige der umliegenden Moscheen und Paläste und ergeben uns dann in das geschäftige Treiben des Basars. Nachmittags übernehmen wir die Motorräder und machen uns mit ihnen vertraut. Später schlendern wir am meist ausgetrockneten Fluss Zayandeh entlang. Gemeinsames Abendessen in einem der bekanntestesn Restaurants der Stadt."

Kurz nach halb drei Uhr landen wir auf dem internationalen Flughafen von Isfahan. Es ist nicht viel Betrieb im Flughafen. So wie es scheint, ist unser Flug der erste und bis auf weiteres auch der letzte. Ich bin nun gespannt auf die Einreise-Formalitäten und ich habe Durst. Alle Frauen steigen mit Kopftuch aus dem Flieger. Beim Anstehen bei der Passkontrolle geht es zügig voran. Das elektronische Visa ist im Nu abgerufen; nach einem Kontrollblick in den Pass und auf mich, bin ich drin, im Iran! Keine Fragen, keinen Stempel im Pass, easy. Aber Durst habe ich immer noch. Beim Warten aufs Gepäck schaue ich mich verstohlen nach weiteren möglichen Motorradkandidaten um ...

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Beim Ausgang treffe ich auf Günter, den Boss von Wheel of India, sowie Negin, seine Partnerin vor Ort. Nach und nach kommen die restlichen der Gruppe. Spontanes auf einander zugehen, oder auch nicht, sich vorstellen und versuchen, die gehörten Namen zu behalten. Wir sind 14 Teilnehmer mit 12 Motorrädern: Bernd, Bernhard, Christine & Gottfried, Elisabeth* (Beifahrerin) & Gerhard*, Florian, Herbert*, Jörgen, Peter, Reinhard, Stefanie & Holger und ich, sowie das Team mit Günter und den beiden Einheimischen Negin und Masoud (werden wir morgen kennen lernen). Total besteht unsere Reisegruppe aus 17 Personen, 13 Motorräder und 1 Kleinbus; 11 aus Deutschland, 3 aus Österreich*, 2 aus dem Iran und 1 aus der Schweiz. Günter ist mit seinem Camper von Deutschland nach Iran gereist; der Camper wird unser Material- und Schlusswagen sein. Wie es sich herausstellt, ist das Gepäck von Bernd und Reinhard nicht eingetroffen; beide hatten Nürnberg als Startflughafen. Negin begleitet die beide zu einem Schalter, um das Problem zu definieren. Da es recht frisch ist, schlägt Günter vor, im Bus zu warten.

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Um 04.10 Uhr kommen die beiden ohne Gepäck mit Negin auch in den Bus, der Chauffeuer startet den Motor uns es geht hinaus in die dunkle Nacht. Negin verteilt Süssigkeiten, eine lokale Spezialität: „Shokooh Manesh Gaz“, Nugat oder so, jedenfalls mit Rosenwasser, speziell. Nach gut einer halben Stunde erreichen wir unser Hotel Melal, wo wir bei der Rezeption die Pässe abgaben und dafür einen Zimmerschlüssel erhalten.

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Ich lasse zwei Flaschen Mineral anschreiben und beziehe mein Zimmer Nr. 303. Um 5 Uhr lege ich mich hin. Es ist sehr warm im Zimmer, die Klimaanlage heizt nur, macht zudem einen grossen Lärm. Ich schalte sie aus. Zu allem übel ist das Kopfkissen hart wie Beton. Nur supoptimale Bedingungen für einen verdienten Schlaf nach der langen Reise.

Um 8.30 Uhr macht sich die Weckfunktion an meinem Handy bemerkbar; Aufstehen, Duschen.

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Da muss ich meinen Reinigungsprozess überdenken ...

Frühstück gebe es bis um 10 Uhr, wurden wir gestern informiert.

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Im Frühstücksraum angekommen, wartet eine Überraschung auf uns. Nein, nicht die Iranischen Gäste beim Isfahanfrühstücken, sondern der Blick zum Fenster hinaus: der Zayandeh Rud (Zayandeh ‚lebensspendend‘ und Rud ‚Fluss‘) hat Wasser! Nacheinander trudeln die Iran-Cruiser ein. Günter informiert uns, dass wir bei ihm via Negin Geld wechseln können; einfach sagen wie viel und Negin würde die Rials organisieren; ich werde mal 100 Euro wechseln. Ausländische Kredit- und Bankkarten würden an den Automaten nicht funktionieren, informiert uns Günter. Wegen der hohen Inflation im Iran, würden ausländische Devisen auf der Strasse zu einem besseren Kurs als der offizielle gehandelt.

"Isfahan bzw. Esfahan ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Iran mit rund 1,9 Millionen Einwohnern (inklusive Umland 2,2 Mio, Stand: 2016). Seine Glanzzeit erlebte Isfahan unter der Dynastie der Safawiden (1501–1722), die Isfahan 1598 zu ihrer Hauptstadt machten und durch zahlreiche Prachtbauten und Gartenanlagen verschönten. Aus dieser Zeit stammt das persische Wortspiel und Sprichwort „Isfahan ist die Hälfte der Welt“."

Um 11 Uhr ist Treffpunkt in der Lobby. Zu Fuss laufen wir zum Imam Platz.

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Die 33-Bogen-Brücke (Si-o Se Pol).

Isfahan IsfahanErlaubtes und Verbotenes (die Iraner lieben Picknick).

Bei unserem Weg kommen wir am Hasht Behest Palace vorbei.

"Der Hascht-Behescht-Palast ist ein Palast aus safawidischer Zeit in der iranischen Stadt Isfahan. Der Name des Palastes bezieht sich auf den islamischen Paradiesgarten.Er wurde 1669 unter Schāh Soleiman fertiggestellt und liegt inmitten einer persischen Gartenanlage mit der ursprünglichen Bezeichnung „Nachtigallengarten“ (Bāgh-e Bolbol). Der Palast gehörte einst zu den am reichhaltigsten verzierten Gebäuden der Stadt. Mit der Zeit wurden die Innendekorationen jedoch weitestgehend zerstört."

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"Der Naqsch-e-Dschahan-Platz, auch „Platz des Imams“, im historischen Zentrum der iranischen Stadt Isfahan gehört mit fast neun Hektar Fläche zu den grössten Plätzen der Welt. Er stellt ein wichtiges Zeugnis des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens Persiens im safawidischen Zeitalter dar und wurde 1979 als bedeutende historische Stätte in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Abbas I. ließ den Platz zwischen 1590 und 1595 unter dem ursprünglichen Namen Naqsch-e Dschahān („Abbild der Welt“) südwestlich des damaligen Stadtzentrums anlegen. Später wurde er auch „Königsplatz“ (Meidān-e Schāh) genannt und dementsprechend nach der Islamischen Revolution zu Ehren des Ajatollahs Chomeini „Imamplatz“ (Meidān-e Emām). Der Platz bildet ein längliches Rechteck von 560 Metern Länge und 160 Metern Breite und ist nahezu exakt in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet. Zum Zeitpunkt seiner Anlage war er der weltweit größte Platz. Er wurde gleichermaßen als Marktplatz, Gerichtsort, Spielfeld und Festplatz geplant und ist von bedeutenden Bauwerken umgeben: Königspalast, Moscheen und Basar, die ihrerseits durch eine zweistöckige, den Platz umrahmende Arkatur verbunden sind. So fügen sich der Platz und die ihn umgebende Bebauung zu einem geschlossenen Ensemble, das die Verknüpfung von weltlicher Kultur mit Geistlichem sowie mit Handel und Kommerz symbolisieren soll. Das Areal und seine Gebäude bilden den Mittelpunkt der Stadt und sind ein Grund, dass die Schönheit Isfahans im Persischen sprichwörtlich wurde (mit einem phonetischen Wortspiel zu Naqsch-e Dschahān, dem ursprünglichen Namen des Platzes): Esfahān nesf-e Dschahān, „Isfahan [ist] die Hälfte der Welt“.

Die riesige Grösse des Imam-Platz lässt mich staunen.

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Wir treffen auf Negin, mit einer Plastiktüte voller Geld. Nun müssen wir nur noch ein Plätzchen für den Deal finden und das Geld Verteilen kann beginnen ...

Isfahan IsfahanIsfahan

Es wird gezählt, vorgezählt und nachgezählt.

Isfahan Isfahan Isfahan

Ich bekomme soviel Geld, dass ich es später im Hotelzimmer nocheinmal zähle: 15 Millionen Rial habe ich für 100 Euro erhalten (1 Mio = 7.47 CHF). Da es viel mehr sind, als der offizielle Kurs, frage ich Günter, ob er sicher sei mit dem Kurs. Er bejaht; so beginne ich, die Millionen zu verprassen ...

Rail

RailIsfahanDie 100'000 Rials-Note ist rund 75 Rappen wert. Für einen doppelten Espresso reicht es nicht, dieser kostet 150'000 Rials.

Die Gruppe teilt sich nun auf, ich nehme mir "frei" und laufe alleine los. Als erstes schaue ich mir den Ali Qapu Palace an; der Eintritt kostet mich "zwei Khomeini".

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"Ali Qapu (hohe Pforte bzw. hohes Tor) ist ein Bauwerk aus der Zeit der Safawiden im Zentrumvon Isfahan. Es stellt die Eingangspforte zur damaligen Residenzstadt dar. Der Ali QapuPalast krönt die westlich Seite des Imam-Platzes und liegtgegenüber der Scheich Lutfullah Moschee. Ein unterirdischerGang verbindet beide Gebäude. Eindrucksvoll ist die Aussichtsplattform, deren imposantes Dach von 18 Zedernholzsäulen getragen wird. Das heutige Gebäude ist 48 Meter hoch und umfasst insgesamt 7 Stockwerke. Einer der vielen Säle im Ali Qapu Palast weist eine ganzbesondere Art von Verzierungen auf: Vor die Wand und Deckenzone wurde eine Verschalung aus Gips gelegt, in welche die Umrisse von Gefässen verschiedenster Form und Grösse eingeschnitten wurden. Diese Struktur samt der darinuntergebrachten Glas- und Metallflakons sollen zu einer ganz besonders geschätzten Akustik geführt haben, die von Musikanten sehr geschätzt worden sei und dem Raum die Bezeichnung Musikzimmer eingetragen hat."

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Beim Aufstieg zur Terrasse werden die Stufen immer wie höher, aber die Aussicht belohnt.

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Dei Frauen tragen die "Haare-bedeckenden" Kopftücher auf unterschiedlichste Weise.

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Die Imam-Moschee an der Südfront des Platzes: Gemäss Reiseführer 18 Mio. Ziegel und 500'000 farbige Fayencefliesen; habe nicht nachgezählt.

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Zum Schluss wende ich mich dem überdachten Grossen Basar zu.

"Der Basar von Isfahan oder auch Basar-e-Bosorg von Isfahan ‚Der große Basar von Isfahan‘, ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Isfahans. Er verbindet die Schah-Moschee mit der Freitagsmoschee. Der Basar gilt als einer der Grössten im Iran und wurde überwiegend im 16. Jahrhundert errichtet. Einige Teile datieren allerdings bereits aus dem 8. Jahrhundert. Der Basar hat viele Eingangshallen, sein Haupteingang ist die Qeyssarie-Pforte auf der nördlichen Seite des Meidān-e Naghsch-e Dschahan-Platzes. Die Hohe Pforte ist von Reza Abbasi mit Keramikfliesen und Fresken dekoriert, die den Krieg von Abbas I. mit den Usbeken darstellt. Der Basar gleicht einer Ausstellung der Architekturstile zu den unterschiedlichen Zeiten nach der Einführung des Islam im Iran."

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Kaum im kühlen Schatten, werde ich mit einer Fülle von visuellen und wahrgenommenen Riech- oder Duftstoffen übermannt.

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Mein Ziel, die Freitagsmoschee, finde ich im Wirrwarr des weitläufigen Basars nicht, nur die die Daroshefa Moschee, als Baustelle.

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Um 15 Uhr komme ich zurück ins Hotel. Bevor ich mich in die Erholungshorizontale begebe, steige ich kurz in die Garage hinab. Da stehen sie, 12 nigelnagelneue Benelli!

"Die Firma Benelli wurde 1911 in Pesaro bei Rimini als Garage Benelli von sechs Brüdern gegründet. Seit 1. Oktober 2005 gehört das Unternehmen dem chinesischen Zweirad- und Motorenhersteller Qianjiang, dessen Produkte in Europa unter dem Namen Keeway angeboten werden."

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Der Treffpunkt für das Abendessen ist um 19 Uhr in der Lobby. Wir erhalten alle ein T-Shirt, deshalb gehe ich kurz ins Zimmer zurück zum umziehen - et voilà!

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Zu Fuss laufen wir zu einem sehr guten Restaurant. Als Vorspeise gibt es eine Suppe, mit Zitronen zum Auspressen, und danach einen Salat. Als Hauptgang bestelle ich ein Truthahn Kebab; sehr lecker! Zum Trinken wird uns Wasser und Bier (0,0 % Alkohol) auf den Tisch gestellt. Zum Dessert gibt es wieder das spezielle "Rosenwasser-Nougat".

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Als wir uns auf den Weg zurück zum Hotel machen, ist es dunkel geworden.

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Diesmal laufen wir über die 33-Bogen-Brücke, welche am Abend zum Ort der Begegnung für Jung und Alt wird.

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Freitag, 3. Mai 2019, Isfahan - Shiraz, 480 Km angesagt, wegen unfreiwilligem Umweg 578 Km
"Nach dem Frühstück machen wir uns zu unserer ersten Fahrt durch Iran auf. Es ist gleich eine der längsten Etappen, die wir zu bewältigen haben. Aber keine Sorge, die Strassen sind in einem sehr guten Zustand, und so werden die knapp 500 Kilometer keine wirkliche Herausforderung sein."

IsfahanUm viertel nach sieben stehe ich auf, dusche und gehe in frischer Wäsche zum Frühstück. Anschliessend packen, Motorradkleider anziehen und das Gepäck in die Lobby bringen. Hier bekommt jeder einen Schlüssel mit der Aufgabe, in der Garage das entsprechende Motorrad zu finden; gar nicht so einfach ...
Da es ganz neue Motorräder sind, kommt Mr. Benelli, wie wir Masoud von Benelli Iran nennen, mit bis nach Shiraz. Wir erhalten Instruktionen über die Räder und den wichtigsten Hinweis, bei der Tankanzeige nie unter 3 Striche zu fahren.

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Aber nun genug zugehört, auf die Motorräder und den Motor starten und ... schön brav warten bis die Betriebstemperatur 50° erreicht, so wie uns das Masoud empfohlen hat.

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Negin, unsere gute Fee, Organisatorin, Übersetzerin, Auskunftsperson und Masoud, unser Leader, Mechaniker.

Draussen vor der Garage sammeln wir uns und dann geht es endlich los. Zuvorderst die beiden Masoud's auf der Kawa von unserem Töff-Guide; zuhinterst Günter mit seinem Camper, Nagin und unserem Gepäck. Reinhard, ein ehemaliger begeisterter Motorradfahrer, hat sich als Mitfahrer zu dieser Reise angemeldet und sitzt so neben Günter im Bus. Wir fahren zur Stadt hinaus auf die Autobahn Richtung Shiraz.

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Die Benelli ist leicht; aber für mich ungewohnt ist die Sitzposition mit gekrümmten Knie und nach hinten gestreckten Füssen. Es ist eher langweilig auf der Autobahn, auch zu sehen ist nicht viel. Bei einer Tankstelle wird aufgetankt.

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Irgendeinmal verlassen wir die Autobahn. Nun fahren wir durch Dörfer, was mir viel besser gefällt. Wir überqueren einen namenlosen Pass (2755 MüM, es sei im Iran nicht üblich, den Pässen Namen zu geben, erklärt Mr. Benelli.

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Das ist meine Benelli. Da alle gleich aussehen, habe ich nach einer Pause die Wasserflasche in einen falschen Tankrucksack verstauen wollen, was der Fahrer protestierend bemerkt hat. Damit dies nicht mehr passiert und ich meine Benelli von den anderen unterscheiden kann, nehme ich später einen CH-Kleber vom Helm und klebe ihn vorne auf meine Benelli.

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Masud, unser nur iranisch sprechender Guide und Mechaniker, auf seiner gut ausgerüsteten Kawasaki.

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Die Knie beginnen zu schmerzen. Ich versuche verschiedene Varianten aus um die Beine strecken zu können: Auf dem hinteren Sitz sitzend, stehend fahren, die Beine gestreckt vorne auf den Sturzgummis oder nach hinten gestreckt auf den Beifahrer-Fussraster. Es hilft kurzfristig. Der Arsch tut auch weh. Übrigens "jammern" die andern auch über die gleichen Symptome.

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Irgendeinmal halten wir an, bin froh, so können wir wieder mal aufstehen. Die Strasse vor uns im Dorf geht nicht weiter, sie hört auf. Wir haben eine Abzweigung verpasst und uns verfahren. Das bedeute rund 100 Km mehr, wie uns Günter aufklärt ... Wir nehmen die nächste Strasse zur Autobahn und fahren darauf die 235 Km nach Shiraz. Langweilig. Wie mehr wir uns der Stadt nähern, wie mehr nimmt der Verkehr zu. In der Stadt wird es nun schwieriger, die Gruppe beisammen zu halten. Einige fahren aber auch sehr langsam. Gegen 19 Uhr, nach ~ 10 h, kommen wir im Hotel Atlas an, einem anderen Hotel als in der Reisebeschreibung erwähnt.

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Es reicht für eine schnelle Dusche und Haare waschen. Um halb acht (ich benötige ein paar Minuten mehr) treffen wir uns in der Lobby und gehen ins Restaurant im Untergeschoss. Salat vom Buffet und Hauptgang nach Wahl. Ich entscheide mich für ein Kebab mit Lamm und Huhn, dazu Reis. Lecker.

Mr. Benelli fordert uns auf, festgestellte Mängel zu melden, da die Motorräder morgen überprüft werden können. Bei mir leuchtet eine Kontrolllampe auf, eine der hinteren Fussraster kann nicht aufgeklappt werden und die Spiegel können nicht so eingestellt werden wie ich es gerne möchte. Masoud notiert sich das und bekommt meinen Schlüssel ausgehändigt.

Da ich sehr müde bin, verabschiede ich mich kurz nach dem Essen, gehe nach draussen und vertrete mir noch ein bisschen die Beine. Für morgen kaufe ich Wasser und Chips ein. Im Zimmer funktioniert das WiFi nicht. Ich lege mich kurz nach 22 Uhr auf dem grossen Bett, mit den diesmal weichen Kissen, schlafen.

 

Samstag, 4. Mai 2019, Persepolis, Shiraz
"Heute steht Kultur auf dem Programm. Wir werden einen Bus organisieren und uns bequem nach Persepolis chauffieren lassen. Ein, falls verfügbar, deutschsprachiger, ansonsten englischsprachiger Guide wird uns durch die Ruinenstadt führen, viel zu erklären wissen und auf eure Fragen antworten. Am frühen Nachmittag sind wir zurück in Shiraz und können uns nun der Stadt widmen. Der Besuch von Persepolis ist nicht im Reisepreis enthalten und nicht verpflichtend. Gemeinsames Abendessen in einem traditionellen iranischen Restaurant."

Um halb sieben bin ich schon wach. Ich fühle mich gut, stehe auf um in der Lobby das WiFi zu benutzen, da es in meinem Zimmer immer noch nicht geht. Beim Frühstück bin ich einer der ersten.

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Gestern habe ich gelernt, dass ohne angehängtes Schild das Zimmer nicht gemacht wird ...

Um 9 Uhr fahren wir mit einem Bus los. Beita, unsere Guide, begrüsst uns in Deutsch. Wir fahren ca. eine Stunde bis wir bei den Ruinden von Persepolis ankommen.

Persepolis

"Die altpersische Residenzstadt Persepolis war eine der Hauptstädte des antiken Perserreichs unter den Achämeniden und wurde 520 v. Chr. von Dareios I. im Süden Irans in der Region Persis gegründet. Der Name „Persepolis“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Stadt der Perser“; der persische Name bezieht sich Persepolisauf Dschamschid, einen persischen König aus mythologischer Vorzeit, von dessen fliegendem Thron abgestürzte Überreste den Ort gebildet haben sollen. Als man die frühere Residenz Pasargadae um 50 km hierher verlegte, wurde am Fusse des Berges Kuh-e Mehr eine 15 ha grosse Terrasse angelegt. Über 14 Gebäude sind auf der Plattform unter Darius I und seinen Nachfolgern errichtet worden. Weitere Paläste wurden unmittelbar am Fuss der Terrasse ausgegraben. Die Palaststadt wurde 330 v. Chr. durch Alexander den Grossen zerstört, aber ihre (teils wiederaufgebauten) Reste können auch heute noch besichtigt werden. Da bei der Zerstörung die Bewässerungsanlagen ebenfalls vernichtet worden waren, wurden die Gebäude weitgehend vom Wüstensand bedeckt und dadurch konserviert. Sie zählen zum UNESCO-Welterbe und sind rund 60 km nordöstlich der Grossstadt Schiras auf der Hochebene von Marvdascht in der Provinz Fars (900 km südlich von Teheran) zu besichtigen."

Wir betreten die weitläufige Anlage durch die Resten des noch immer imposanten Einganges.

Persepolis

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Von links nach rechts: Günter, Negin, Norbert, Bernd, Holger und Bernhard.

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Von links nach rechts: Florian, Christine, Ueli, Reinhard und Gottfried

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"1971 schmiss Mohammad Reza Pahlavi, Schah von Persien, selbst ernannter "König der Könige", die wohl protzigste Party aller Zeiten. Zum Anlass nahm er das 2500-jährige Bestehen der persischen Monarchie. PersepolisEingeladen waren Staatsoberhäupter und Königshäuser aus aller Welt. Die 2500-Jahr-Feier der Iranischen Monarchie vom 12. bis zum 16. Oktober 1971 bestand aus einer Reihe von Feierlichkeiten, um an das Todesjahr des Gründers des Altpersischen Reichs Kyros II. vor 2500 Jahren zu erinnern. Ziel der Propagandaveranstaltung war es, durch Rückbeziehung auf den ersten „Schah“ und die Geschichte des Iran sowie eine Leistungsschau der „Erfolge“ des amtierenden Schahs Mohammad Reza Pahlavi und seines Vaters Reza Schah Pahlavi das internationale Ansehen und Legitimation als persische Herrscher zu stärken. Die Veranstaltung geriet später in die Kritik, wegen der angeblich enormen Kosten, aber auch wegen des autoritären persischen Regimes."

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Nach gut 2 1/2 Stunden Führung gehen wir zurück zum Ausgang. In einem Cofffee Shop machen wir eine Pause und werden dabei von "Perserkatzen" neugierig beäugt.

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Danach fahren wir zur nah gelegenen Grabstätte Naqsh-e Rostam.

"Naqsch-e Rostam ist eine archäologische Stätte sechs Kilometer nördlich von Persepolis. Hier befinden sich vier Gräber achämenidischer Grosskönige (das Achämenidenreich war das erste persische Grossreich. Es erstreckte sich vom späten 6. Jahrhundert v. Chr. bis ins späte 4. Jahrhundert v. Chr.) sowie eine Reihe sassanidischer Felsreliefs (das Sassanidenreich war das zweite persische Grossreich des Altertums und erstreckte sich in der Spätantike ungefähr über die Gebiete der heutigen Staaten Iran, Irak, Aserbaidschan, Turkmenistan, Pakistan und Afghanistan sowie einige Randgebiete.) Bevor Forscher des 19. Jahrhunderts den Sinn der Reliefs erkannten und auch die Inschriften entzifferten, war man in Persien generell der Meinung, es handele sich um Darstellungen aus dem Leben ihres Nationalhelden Rostam, worauf der Name des Ortes letztlich zurückzuführen ist."

Persepolis

Persepolis

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Wir fahren zurück nach Shiraz und halten beim botanischen Garten Eram. Beim Aussteigen entdecken wir eine doch recht kreative Neunutzung einer Telefonkabine.

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"Der Bāgh-e Eram oder Eram-Garten zählt wegen seiner Schönheit, der Grösse und seines Alters zu den bekanntesten Gärten der Stadt."

Shiraz

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Da ich nicht so an den spärlich blühenden Blumen und Pflanzen interessiert bin, richte ich das Objektiv meiner Sony RX10 lieber auf Vertreter der Spezies Homo Sapiens.

Shiraz ShirazLinkes Foto: Beita, unsere heutige Reiseleiterin, und Negin.

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Zurück im Hotel, lädt uns Reinhard zu Kaffee und Geburtstagskuchen ein. Als Überraschung zu seinem 72. Geburtstag erhält er sein "verlorenes" Gepäck zurück (Bernd hat seines bereits in Isfahan, rechtzeitig vor der Abreise erhalten).

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Um halb sieben treffen wir uns wieder und fahren mit vier Taxis in ein Restaurant. Suppe, diverse Salate vom Buffet und freie Wahl des Hauptganges; diesmal versuche ich ein Fish Kebab. Für meinen Geschmack ist der Fisch ein bisschen zu trocken. Ich esse nicht alles auf, der Geburtstagskuchen lässt grüssen.

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Nach einer kleinen Monierung, sind auch die schweizerische und iranische Fahnen auf dem Tisch.

 

Sonntag, 5. Mai 2019, Shiraz - Yazd, 459 Km
"Auch heute haben wir wieder einiges an Kilometern zurückzulegen. Iran ist ein grosses Land, das überwiegend aus Wüstenlandschaft besteht. Und so führt uns die heutige Strecke wieder durch weite Sand- und Gerölllandschaft, nur unterbrochen durch einige oasenähnliche Dörfer und Städte. Wir werden heute auch den höchsten Punkt unserer Reise erreichen. Am späten Nachmittag erreichen wir die Wüstenstadt Yazd."

Der Wecker treibt mich um 6.45 Uhr aus dem Bett und das nicht funktionierende WiFi eine halbe Stunde später aus dem Zimmer. In der Lobby lese ich Mitteilungen und setze meinerseits einige ab, bevor ich zum Frühstück gehe. Wie wir vernehmen, beginnt heute Abend der Ramadan (endet am Abend vom Montag, 3. Juni 2019). Nach dem Frühstück zurück ins Zimmer zum Packen und Motorrad-Bekleidung anziehen. Um halb neun sollen wir das Gepäck zum Bus bringen, damit wir um 9 Uhr abfahren können. Die Abfahrt verzögert sich aber um eine Viertelstunde: Um unsere Töffs herum sind einige Autos parkiert, eines davon blockiert unsere Ausfahrt.

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Nach dem Tanken fahren wir zuerst auf einer Autobahn, danach Überland. Es ist schön, gefällt mir. Sehr oft werden wir aus überholenden Autos heraus gefilmt und angesprochen. Viele Schafherden, Ziegenherden und gemischte Herden versperren uns kurzfristig die Strasse. Was für uns eine Abwechslung ist, ist es auch für einen Schafhirten, filmt doch auch er uns.

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Es ist abgemacht, jeweils nach rund 100 Km einen Halt einzuschalten, abwechslungsweise kurze (irgendwo) und längere bei einer Tankstelle oder bei einem Shop um Wasser und Snacks kaufen zu können. Bei einem Halt tauschen Negin und Mr. Benelli den Platz auf Masouds Kawasaki. Sie fahre sehr gerne auf dem Motorrad, verrät sie mir, und wechselt das Kopftuch mit dem Helm.

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Für's Selfie bitte lächeln, auch du Ueli - du kannst es ja!

Wir fahren ins Gebirge hoch: dabei stösst die Benelli an ihre Grenzen und gibt nicht viel her.

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Sehr oft liegen die 2- oder 3-spurigen Fahrbahnen weit auseinander. Es ist sehr einfach zum Fahren. In den Dörfer oder Städten sind die Kreisel riesig.

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Die Vegetation mit Bewässerungskanäle und Reisfeldern, verändert sich, es wird steinig, sandig, trocken beidseitig der Strasse, und warm, sehr warm.

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Shiraz - Yazd Shiraz - YazdShiraz - Yazd

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Mit dem Motorrad durch eine Wüste zu fahren ist eine neue Erfahrung für mich; auch hier getrennte Fahrbahnen mit zwei Spuren.

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Shiraz - Yazd

Wenn wir wieder mal durch ein Dorf fahren, nutzen wir dies, um verschiedene Bedürfnisse zu stillen: TTT (Tanken, Toilette, Trinken) und Kleinigkeiten, meistens Bisquits, zu essen.

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Shiraz - Yazd

Shiraz - Yazd Shiraz - Yazd

Links wird gepinkelt, rechts gebetet.

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Diese Stopps bieten immer wieder Gelegenheiten zu Kontakten mit den überaus freundlichen und offenen Menschen.

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Dann nähern wir uns der Yazd, einer Oasenstadt zwischen den Wüsten Dascht-e Kawir und Dascht-e Lut.

Yazd YazdMasoud, resp. sein Navi, führt uns, nach anfänglich noch grossen und breiten Strassen, plötzlich durch die Altstadt. Kreuz und quer durch enge Gassen, manchmal so schmal, man könnte gar nicht umfallen. Nach gut 8 Stunden erreichen wir das Silk Road Hotel, welches gegenüber einer Moschee liegt.

Yazd YazdYazd

Ein paar der Einzelzimmer, so auch meines, liegen einige 100 Meter vom Hauptgebäude entfernt. Mein Zimmer hat nur spärlich Tageslicht, aber duschen kann ich auch mit künstlichem Licht.

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Das Abendessen nehmen wir im Restaurant vom Hotel ein, welches im gedeckten Innenhof liegt. Es gibt ein Buffet mit Huhn, Gemüse, Kartoffel und Fleisch. das Essen schmeckt herrlich, ist fein gewürzt.

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Nach dem Essen verabschiedet sich Mr. Benelli, er wird nach Teheran zurückkehren. Ein Teil der Gruppe macht sich auf für einen Abendspaziergang.

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Nanu, wo führt das hin?

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Bernd und ich steigen runter; hat sich nicht gelohnt, es gibt nichts zu sehen.

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Gute Nacht.

 

Montag, 6. Mai 2019, Yazd
"Der Tag steht zu eurer freien Verfügung. Yazd lädt zu einem ausgedehnten Spaziergang durch die gut erhaltene und noch bewohnte Altstadt ein. Sie ist ganz aus Lehm gebaut und versetzt einen in lange vergangene Zeiten. Zum Empfehlen ist der Besuch des Wassermuseums. Hier kann man erfahren, wie das für eine Wüstenstadt grosse Problem der Wasserversorgung schon vor Hunderten von Jahren durch geniale Ingenieursleistung gelöst wurde. Gemeinsames Abendessen in einem traditionellen Restaurant."

Yazd

"Yazd ist eine der ältesten Städte Irans und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Yazd. Yazd hat eine Bevölkerung von rund 656'500 Menschen (2016). Die Stadt liegt 250 km östlich von Isfahan. 2017 wurde die Altstadt von Yazd zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Die Stadt besteht seit dem dritten Jahrtausend vor Christus und ist das Zentrum der zoroastrischen Religion. Bei ihrer Gründung soll die Stadt an einem heute trocken grossen Binnensee gelegen haben. Für die Wasserversorgung werden bis heute, teilweise schon in der Antike angelegte Wasserkanäle und -röhren, eingesetzt. Zur Kühlung und Belüftung der historischen Häuser dienen die berühmten Windtürme."

Viertel vor acht stehe ich auf, rasiere mich und dusche. Dann gehts zum Frühstück. Zehn aus unserer Gruppe Yazdmelden sich für eine zweistündige Free Walking Tour an, die um halb zehn ganz in der Nähe unseres Hotels beginnt. Es sind noch zwei weitere Schweizerinnen und drei Personen aus Deutschland dabei. Der Guide begrüsst uns und stellt sich als Eisa vor, was soviel wie Jesus bedeute. Er sei aber Moslem. In einem gut verständlichen Englisch vernehmen wir viel Interessantes. Gleich zu Beginn klärt er die kursierende Unwahrheit über die beiden unterschiedlichen Türklopfern bei den Haustüren auf, getrennt für Männer und Frauen, was so nicht stimme. Die beiden Türklopfer tönen unterschiedlich. Je nach dem ob die Hausheern im Innenhof oder weiter hinten im Haus seien, müsse der eine oder andere benutzt werden. Ob allerdings diese Erklärung stimmt, kann ich nicht beurteilen.

Yazd

Auf unseren bisherigen Fahrten durch Dörfer und Städte sind mir die vielen Männer-Fotografien an den Strassenlampen aufgefallen. Hier in der Altstadt von Yazd sind Fotos auf einer Blache aufgezogen. Was das bedeute, frage ich Eisa. Das seien Märtyrer aus dem ersten Golfkrieg: Am 22. September 1980 erklärte der irakische Diktator Saddam Hussein dem Iran den Krieg. Damit begann der Erste Golfkrieg, der acht Jahre dauerte und rund einer Million Menschen das Leben kostete.

Yazd

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Yazd ist berühmt für seine Windtürme.

"Die "Badghir", wörtlich „Windfänger“, dienen zur Lüftung der Gebäude, die traditionell nur wenige und kleine Fenster nach aussen haben. Ein Windturm funktioniert wie eine moderne Klimaanlage: während des Tages befördert er die warme Luft, die sich im Innern gebildet hat, nach draussen und, während der Nacht, leitet er die kühle Nachtluft ins Innere des Gebäudes. Das System nutzt zwei verschiedene physikalische Zustände: Die Differenz des Luftdrucks und die Temperaturdifferenz."

Während ein Haus einen oder zwei Windtürme hat, haben Zisterne mehrere, weil das Wasser frisch gehalten werden muss.

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Diese Zisterne ist nicht mehr aktiv, sie werde heute als Trainingslokal von einem Sportclub benutzt.

Den Weg runter zum Wasser, das eh nicht mehr fliesst, erspare ich mir; diesen Fitnessteil habe ich bereits gestern Abend an einem andere Ort gemacht. Die jüngeren Leute haben früher nicht nur Wasser für ihren Bedarf hochgeholt, sondern auch für ältere Menschen und dieses in den steinernen Krug oben an der Treppe gegossen.

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Eisa führt uns kreuz und quer durch die sehr schöne Altstadt.

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Nakhl: Die Bedeutung dieser Holzkontruktion, die an vielen Plätzen zu sehen sind, habe ich bereits bei der Erklärung nicht genau verstanden ...

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Zum Schluss des Rundgangs lädt uns Eisa zu einem Tee ein.

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Es war eine interessante Führung. Wir verabschieden uns mit einem Trinkgeld von Eisa und laufen danach, wir sind noch zu sechst, zum Wassermuseum.

Ohne ausgeklügelte Wasserversorgung hätten Wüstenstädte wie Yazd nie entstehen können. Die Pioniere iranischer Ingenieurkunst buddelten schon vor 2500 Jahren kreuz und quer ein Netz aus Qanaten, unterirdischen Kanälen, durchs Land. Manche sind unfassbare 100 Km lang. Welch technische Meisterleistung dahinter steht und welche Mühe es macht, sie instand zu halten, wird im dreistöckigen Keller eines Patrizierhauses gezeigt."

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Nach dieser Besichtigung splittet sich unsere Gruppe weiter auf; ich ziehe alleine weiter. Amir Chakhmagh.

"Auf den ersten Blick, auch wegen der zwei Minarette, wie eine Moschee aussehend, ist dies nur mittelbar ein Gebäude mit sakralem Hintergrund. Es handelt sich vielmehr um eine Tekīeh, ein Gebäude, welches im Rahmen der für Schiiten so bedeutsamen Ashura-Riten eine wichtige Rolle spielt. Ashura ist der zehnte Tag des Muharram, des ersten Monats im muslimischen Kalender, an welchem die Gläubigen des Todes von Hussein, dem Sohn des Ali gedenken. Hussein – der dritte Imam der Schiiten - wurde im Jahr 741 in der Schlacht von Kerbela getötet und die anlässlich dieses Anlasses stattfindenden Trauerfeierlichkeiten werden traditionell an einer Tekīeh durchgeführt. Der Tekīeh-ye Amir Chakhmak kommt in diesem Spektakel gleichermaßen die Rolle einer Kulisse als auch die einer Zuschauertribüne zu."

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Diese Bettlerin erregt mein Mitleid, so kehre ich um und drücke ihr eine Note in die Hände, welche sie dankbar entgegen nimmt. Ich frage für das Foto.

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Heute bin ich ja nicht mit dem Töff unterwegs, deshalb gilt der Helmhinweis für mich nicht. Nun lasse ich mich treiben, geführt von meinem Bauchgefühl und meiner Neugierde ...

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laufe durch einen Basar (oder Bazar, persisch بازار Bāzār, das persische Wort für Markt) ...

werfe einen Blick auf Backstage ...

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und trinke einen frisch gepressten Karotten-Orangensaft, bevor ich ins Hotel zurück kehre.

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Mitte Nachmittag gehe ich wieder nach draussen und laufe planlos, aber nicht ziellos, durch die wirklich wunderschöne Altstadt. Marco Polo, ich meine nicht den reisefreudigen venezianischen Händler, sondern meinen gedruckter Reiseführer, schreibt dazu: "Sollte nur Zeit für eine einzige der alten Oasenstädte am Wüstenrand bleiben, dann muss es diese sein. Kashan, Kerman & Co. sind sicher alle grossartig. Aber Yazd spielt in einer eigenen Liga. Seine Altstadt gilt als grösste komplett aus Lehm erbaute der Welt. In ihr allein kann man stundenlang entspannt umherstreifen."

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Um den Weg kümmere ich mich vorerst nicht, zurück finden werde ich schon wieder. Immer wieder treffe ich auf Menschen die mich mit einem freundlichen „Welcome in Yazd“ grüssen.

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Eine Buchhandlung bietet gegen ein kleines Entgeld eine Rundsicht vom Dach aus an.

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Ein Türen-Potpourri

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Zeit für einen Kaffee, einem doppelten Espresso für 150‘000 Rials; mit rund 1 € ein für hiesige Verhältnisse teures Vergnügen.

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Zum Abschluss meiner Walking-Tour besichtige ich die Jame-Moschee.

"Die Freitagsmoschee Masjid-e Jame ist ein beeindruckendes Bauwerk. Herausragendstes Merkmal sind die beiden hohen Minarette, die sich direkt hinter dem großen Eingangstor befinden. Sie überragen die Gebäude und sind von vielen Dächern aus gut zu sehen. Mit ihren 48 Metern gehören sie zu den höchsten Minaretten im Land. Auch die umfangreichen Kachel- und Mosaikarbeiten im Inneren lassen den Besucher staunen. Eine Seite der Moschee ist jedoch nicht mehr erhalten. Trotzdem ist sie immer noch ein beeindruckendes Bauwerk. Erbaut wurde die Jame Moschee bereits im 12. Jahrhundert von Ala ad-Daula Garschasp II. Bedeutende Erweiterungen fanden in der Mitte des 14. Jahrhunderts statt. Dank ihres Alters, der Grösse und der Bauweise gehört die Freitagsmoschee in Yazd zu den bedeutendsten Bauwerken aus jener Zeit."

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Im Innenhof treffe ich auf zwei Angehörige der Iranischen Armee, welche sich gerne fotografieren lassen.

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Zum Abendessen fahren wir mit Taxis in ein Hotel; die Auswahl ist gross, der eine Türsteher auch.

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Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen, auch wenn es peinlich ist - Ausgesperrt!
Als ich mein Zimmer Nr. 2 für das Abendessen verlasse, steckt der Schlüssel innen und die Tür schnappt ins Schloss. Ich melde mein Malheur bei der Rezeption. Nach dem Essen sollte der zweite Schlüssel da sein, werde ich vertröstet. Bei meiner Rückkehr stelle ich fest, dass nichts passiert ist. Ein Mitarbeiter kommt mit mir zum Haus und sucht in der Küche nach dem Schlüssel. Trotz einer ansehnlichen Anzahl von Schlüsseln, die er alle durchprobiert, klappt es nicht. Er ruft den Manager an, der wiederum einen Schlüsselspezialisten anruft. Nach rund einer halben Stunde kommt der Mitarbeiter mit dem Profi und es kommt zu einer nächtlichen "Einbruchaktion": mit einem dünnen Blech ist die Türe in ein paar wenigen Minuten geöffnet. Ich bin mehr als froh. Ein paar hunderttausend Rials wechseln den Besitzer.

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Dienstag, 7. Mai 2019, Yazd - Garmeh, 322 Km
"Nun geht es richtig in die Wüste, zur Kavir-e Mesr, die ein Teil der grossen Dasht-e Kavir ist. Doch bevor wir die Oase Garmeh erreichen, besuchen wir die verlassene Lehmstadt Kharanaq. Zu einem grossen Teil sind die Häuser verfallen, und es wird nur wenig zu ihrem Erhalt getan. Doch kann man noch immer durch enge verwinkelte Gassen schlendern sich, mental ein paar Jahrhunderte zurückversetzen und sich das rege Treibe in einer alten orientalischen Stadt vorstellen.»

Es ist 9 Uhr, und bereits 28 Grad warm, als wir Yazd verlassen. Es hat viel Lastwagenverkehr auf der dreispurigen Strasse. YazdEine halbe Stunde später ein Unfall! Nach meinem Überholmanöver von zwei Lastwagen sehe ich Bernd rechts anhalten; er hat im Rückspiegel etwas bemerkt. Wir halten an, sind rund 200 Meter voraus. Die vor uns fahrenden kommen zu uns zurück. Wir wissen nicht, was passiert ist und wer. Später vernehmen wir: Christine rutscht auf einer Ölspur aus. Gottfried, ihr Mann, fährt versetzt hinter ihr und muss zusehen, wie sie stürzt. Stefanie fährt hinter Christine, will auf die Überholspur ausweichen, aber da fährt ein Lastwagen. Holger, ihr Mann, fährt versetzt hinter ihr und muss auch zusehen, wie seine Frau stürzt. Stefanie hat nichts abbekommen, ausser einem zerrissenen Oberteil. Aber bei Christine ist der Ellbogen ein Problem. Holger, er ist Unfallchirurg, kann den ausgekugelten Ellbogen einrenken. Christine klagt aber auch über Knie- und Fussschmerzen. Sie wird mit der Ambulanz ins Spital gebracht. Günter übernimmt mit Masoud's Töff die Führung (wegen der Verständigung mit uns), und Massoud fährt den Camper. Negin fährt mit Christine mit der Ambulanz ins Spiatal (wegen der Verständigung).

Yazd

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Bei der, bis auf einige wenigen Einwohnern, verlassenen Stadt Kharanaq halten wir an und besichtigen sie.

Kharanaq Kharanaq

Kharanaq

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Die Stadt wird wieder wohnbar gemacht. Einige Häuser sind schon fertig renoviert, andere aber weiterhin Ruinen.

Kharanaq

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Gleich in der Nähe ist eine Raststätte. Wir verpflegen uns und tanken die Motorräder auf.

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Danach gehts weiter, zum grossen Teil mit Vollgas, ohne zu schalten und viel geradeaus. Es wird wärmer und wärmer. Wir sehen Teile von einem Salzsee und kreuzen Eisenbahnschienen.

Yazd - Garmeh

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Einsame Zeitzeugen am Strassenrand.

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Ein für mich absolutes neues Verkehrsschild.

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Ab und zu andere Verkehrsteilnehmer.

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Endlich, nach 7 1/2 Stunden kommen wir, staubig und müde, im Oasen-Dorf Garmeh an. Noch um ein paar Ecken herum und wir sind beim Gästehaus Ateshooni, wo wir unsere Motorräder neben anderen Transportmitteln abstellen.

Ateshoni Guesthouse

Christine und Negin, die mit dem Taxi gefahren sind, sind bereits da, unser Bus mit dem Gepäck aber noch nicht. Es hat noch ein holländisches Paar als Gäste und ein deutsches Paar, die in ihren Ferien hier arbeiten. Ateshoni GuesthouseAteshoni GuesthouseDie Zimmer-Verteilung dauert. Wir nutzen dies, um nach dem Passwort für das WiFi zu fragen, das auch in dieser Abgeschiedenheit mehr oder weniger funktioniert. Einige haben ihre Zimmer in einem anderen Haus, ein paar Minuten von hier. Ich dränge mich nicht vor, deshalb bekommen Jürgen und ich die beiden letzten Zimmer ... auf dem Dach. Später meint Peter, der zu uns hochsteigt um die Aussicht zu bewundern, er dachte zuerst es sei ein Taubenschlag, dann habe er aber den Schweizer darin entdeckt- ha, ha, ha. Dusche und Toiletten sind einige viele Stufen tiefer unten.

Ateshoni Guesthouse

Links ist mein Zimmer.

Ateshoni Guesthouse

Ateshoni Guesthouse

Das ist er, mein Schlag.

Nach dem Abendessen wird spontan von Maziar, unserem Gastgeber, und Freunden Musik gemacht.

Ateshoni Guesthouse Ateshoni Guesthouse

Nach dieser Musik-Session spazieren wir zum anderen Haus, wo einige von uns einquartiert sind. Richtig luxuriös sieht es aus, im Vergleich zu meinem Zimmer, alle Zimmer liegen bequem im Parterre. Negin bietet mir ihr Zimmer zum Tausch an, was ich aber dankend ablehne. Die erste von Günter angekündigte Überraschung sind weisse Caps, die wir erhalten. Die zweite sind zwei Boxen mit rotem Rebensaft, die in seinem Camper mitgekommen sind; nicht versteckt, wie er betont, sondern sichtbar auf dem Kühlschrank.

Zurück im Zimmer bereite ich mich auf die Nacht vor. Es ist hart auf der dünnen Matratze und das Kopfkissen Modell Sandsack. Irgendeinmal in der Nacht öffne ich die Türe in der Hoffnung, kühle Luft kommt durch die Fliegengittertüre rein; leider ist dies nicht der Fall. Um es bequemer zu haben, nehme ich auch die Matratze vom oberen Bett und lege das Kopfkissen darunter. Nun ist alles besser.

 

Mittwoch, 8. Mai 2019, Garmeh
"Garmeh ist ein wunderbarer Ort, ein ganz besonderer Ort. Vor Jahren war er fast völlig von seinen Einwohnern verlassen und drohte zu verfallen. Dann hatte Maziar, der zu dieser Zeit als Künstler in Teheran lebte, die Idee, das 400 Jahre alte Haus seiner Eltern in ein Gästehaus zu verwandeln. Er regte auch andere ehemalige Bewohner Garmehs an, es ihm gleich zu tun, und so entstanden über die Jahre gut ein Dutzend sehr schön renovierter Gästehäuser, in denen die Gäste in traditioneller Weise wohnen können. Geschlafen, gegessen und gelebt wird auf dem Boden.
Den Tag können wir mit Spaziergängen durch die Oase, dem Besteigen eines Berges gleich hinter der Oase, oder auch einem Motorradausflug zu einem ca. 80 Km entfernten Salzsee verbringen. Wenn alle einverstanden sind, werden wir den Abend in den Dünen von Mesr verbringen. Maziar und einige seiner Freunde werden uns mit Geländewage zum Ziel bringen, und das gemeinsame Abendessen werden wir unter dem klaren Sternenhimmel und untermalt mit traditioneller iranischer Musik einnehmen.»

Um 6 Uhr werde ich wach, draussen sehe ich Bern, der den Sonnenaufgang fotografieren will. Ich ziehe ein paar Hosen an und gehe auch nach draussen. Das erhoffte Lichtspiel zeigt sich nicht wirklich.

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Nachdem ich die 34 Stufen runter zur Toilette und wieder zurück hinter mir habe, lege ich mich wieder hin.

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Um 8 Uhr stehe ich auf, frühstücke; danach mache ich mich auf, die Gegend zu entdecken. Der mir erklärte Weg führt mich vom Gästehaus an den Rand der Oase ...

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wo ich mein Ziel sehe.

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Nachdem ich die Oase verlassen habe, weicht die Vegetation.

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Ich beginne mit dem Aufstieg.

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Nach einer halben Stunde breche ich mein Vorhaben ab: es gibt keinen Weg, ist steil und recht anstrengend. Zudem denke ich an das spätere Runtersteigen, ohne Stöcke, auf dem rutschigen Untergrund. Ich kehre um und laufe unten am Berg am Rand der Oase weiter. Als ich die Wasserkanäle sehe, entschliesse ich mich, die Quelle zu suchen.

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Ich gelange zu einem kleinen See. Ist das die Quelle? Wohl kaum.

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Beim Eingang zur Quelle, die das Leben in der Oase überhaupt erst möglich macht, treffe ich auf Negin und Florian.

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Die Quelle ist wie man sie sich vorstellt: in einer Grotte beginnend. Die Fische im klaren und erfrischendem Wasser picken einem an den Füssen.

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Beim Weiterlaufen wird die Umgebebung unwirtlich, aber nicht unattraktiv; die Wüste beginnt.

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Ich kraxle auf ein Plateau hoch, wo ich einen schönen Ausblick auf die Oase habe.

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Ich mache mich auf den Weg ins Dorf zurück, habe Durst und mein Wasservorrat geht zu Ende.

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Leider hat dieses Restaurant zu, so suche ich den Laden, bei dem wir gestern Abend eingekauft haben.

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Leider ist auch der Laden geschlossen - wegen dem ausserordentlichen Umsatz von uns Touris gestern? So kehre ich, ohne den in Gedanken bereits gekosteten Schoggi-Drink, ins Guesthouse zurück und stille meinen Durst mit gekühltem Wasser; danach steige ich ins Zimmer hoch. Auf dem Dach hänge ich meine nassen Jeans an eine Leine. Zum meinem Erstaunen entdecke ich, dass ich in meinem Taubenschlag ab und zu Wifi habe, weil dieser direkt über dem Raum liegt, wo der Router installiert ist. Ich hänge meine Kamera an den Strom und schreibe liegend an meinen Tagesnotizen. Danach gehe ich runter zu den anderen. Beim Warten auf die Abfahrt zur Wüstentour gibt es noch etwas zu tun ...

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Um zehn nach drei gehts los, wir verteilen uns auf drei Geländefahrzeuge. Zuerst gehts auf der Strasse zu einer Tankstelle, wo noch eingekauft wird. Danach gehts weiter, plötzlich ist links und rechts nur noch Sand. Die Szene ändert abermals, es hat wieder Vegetation, Felder, Plantragen, bei einer kleinen Ansiedung halten wir an. Hierher sind Günter und Negin mit einem Taxi gefahren, nun steigen sie in ein bereitstehendes 4WD Fahrzeug um. Bei allen Autos wird die Luft in den Pneus reduziert, denn ab hier gibt es keine Strassen mehr, nur noch Sandpisten oder Spuren im Sand.

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Zweimal halten wir an um die unterschiedlichen Gesichter der Wüste zu bestaunen und natürlich mit unseren Kameras festzuhalten.

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Dann kommen wir zum Platz, wo das "Camp" aufgeschlagen wird und wir auf den Sonnenuntergang warten.

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Jeder verbringt die Zeit wie er will, mit fotografieren, herumsitzen, -liegen oder -laufen. Dann ist es soweit, die Sonne verabschiedet sich für heute und geht unter.

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Irgendeinmal wird das Abendessen zubereitet, die beiden deutschen „Gehilfen“ sind auch mitgekommen. Bei einem der Geländefahrzeuge wird das Essen als Selbstbedienungsbuffet aufgebaut: Salat, Bohnen und einen leckeren Kartoffelsalat - und das alles ohne Zwiebeln! Wir essen auf ausgebreiteten Teppichen und trinken Tee, welcher Maziar, der Gastgeben, auf dem offenen Feuer zubereit hat.

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Um 21.40 Uhr brechen wir auf, räumen zusammen und beginnen die Retourfahrt. Bei der Siedlung werden die Pneus wieder aufgepumpt. Zurück im Guesthouse geniesse ich noch eine Dusche und lege mich kurz vor Mitternacht zum Schlafen.

 

Donnerstag, 9. Mai 2019, Garmeh - Kashan, 458 Km
"Heute liegt wieder eine längere Stecke vor uns. Aber keine Sorge, die Strassen sind in einem guten Zustand Garmehund die meiste Zeit gibt es kaum Verkehr, so dass wir zügig vorankommen. Unterwegs legen wir einen kurzen Halt in dem Bergdorf Abyaneh ein, wobei nicht nur der Besuch dieses, im traditionellen Stil erhaltene Dorf, sondern auch die Fahrt durch die Berge dorthin ein echtes Highlight sind. Kashan ist berühmt für seine herrschaftlichen Kaufmannshäuser. Einige sind zu Museen, andere zu Gästehäusern umgebaut worden. In einem dieser Gästehäuser werden wir die nächsten zwei Nächte verbringen.»

Nach dem Aufstehen hole ich als erstes meine Wäsche, für die ich 200'000 Rials bezahlen muss, was rund 1.33 Euro entspricht. Danach packe ich, trage mein Gepäck runter - Tasche, Tankrucksack und Helm, was auf der schmalen und steilen Treppe nicht in einem geht - und frühstücke. Auch wenn es nicht bequem war und umständlich, war es doch ein spezieller Aufenthalt in diesem traditionellen Haus, der einen Eindruck vermittelte, wie die Einheimischen leben.

Wir tragen das Gepäck zu Günters Bus und starten um 9 Uhr unsere Motorräder. Es geht weiter.

Garmeh - Kashan

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Tanken und trinken nicht vergessen!

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V. l. n. r.: Holger, Florian, Peter, Bernd, Jürgen und sitzend Reinhard.

Nanu?

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Weite Strecken geht es einfach geradeaus, mit Vollgas, ohne schalten zu müssen; anspruchslos.

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Bei diesem Halt zeigt sich die Polizei erstmals interessiert an unserer Gruppe. Masoud muss ein paar Fragen beantworten und seine Papiere zeigen; zudem will ein Polizist einen Pass von uns sehen.

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Brot kaufe ich keines, aber etwas zum Trinken; es muss nicht immer nur Wasser sein.

Auf die geplante nächste Pause müssen wir verzichten, geraten wir doch in einen Sandsturm.

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KashanNach 7 1/2 Stunden erreichen wir Kashan. "Kāšān ist eine Stadt der Provinz Isfahan im zentralen Hochland von Iran, rund 200 km südlich von Teheran. Sie liegt am Nordrand des Kuhrud-Gebirges am Rande der zentraliranischen Wüste. Die Kernstadt hat etwa 275.000 Einwohner".

Die nächsten beiden Nächte werden wir im Historischen Hotel Mahinestan Raheb logieren. Das Hotel ist ein Traum. In der Rezeption riecht es - irgendwie zwischen herrlich betörend und aufdringlich verführerisch - nach Rosen: viele Rosenblüten liegen in Rosenwasser.

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In meinem Zimmer steht ein riesiges Bett mit einer guten Matratze und Kissen und ich habe viel Platz.

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Nach der erfrischenden Dusche und dem Kleiderwechsel gehe ich nach draussen und relaxe im Innenhof.

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Zum Abendessen führt uns Negin in ein sehr schönes Restaurant, wie unser Hotel, in einem umgenutzten, herrschaftlichen Kaufmannshaus.

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Alles ist bestens, alle sind zufrieden, auch meine Benelli, steht sie doch direkt neben dem Hoteleingang, ohne Kamele.

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Freitag, 10. Mai 2019, Kashan
"Den Vormittag verbringen wir mit einem gemeinsamen Spaziergang durch Kashan, auf dem wir uns neben einer Koranschule zwei der prächtigsten Kaufmannshäuser anschauen werden. Und wir werden eine Besonderheit kennen lernen, für die Kashan ebenfalls bekannt ist, die Produktion von Rosenwasser. Den Nachmittag kann jeder nach dem eigenen Geschmack gestalten."

Ab 9.30 Uhr sind wir für vier Stunden auf einem Stadtrundgang. Als erste besuchen wir die Agha Bozorg Moschee. Die in Ziegelbauweise errichtete Moschee stammt aus dem 11. Jahrhundert. Im Innenhof befindet sich eine Koranschule (Medrese), die heute noch in Betrieb ist.

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Als nächstes steht der Besuch eines Hamam an: "Das Sultan-Amir-Ahmad-Badehaus ist ein historisches KashanKashanBadehaus (Hamam). Es wurde während der Safawidenzeit im 16. Jahrhundert erbaut und 1778 durch ein Erdbeben zerstört. In der Kadscharenzeit baute man es wieder auf. Das Badehaus bedeckt ein Areal von 1000 m². Der Innenraum des Bades ist mit türkisen und goldfarbenen Fliesenarbeiten geschmückt und außerdem mit Stuck- und Ziegelwerk sowie mit Malereien verziert. Das Dach des Badehauses besteht aus mehrfachen Kuppeln mit Konvexlinsen zur ausreichenden Versorgung des Bades mit Licht und gleichzeitigem Sichtschutz nach außen."

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"Rosenwasser ist ein ätherisches Wasser, das als Destillations-Nebenprodukt bei der Gewinnung von Rosenöl anfällt. Besonders die edle Damaszener Rose steht im Mittelpunkt der Produktion von Rosenwasser. Die ebenso fein wie wunderbar sinnlich und rosig-samtig duftende Essenz findet nicht nur in der Parfumherstellung Verwendung; auch viele Kosmetikprodukte werden, dank seiner sowohl olfaktorischen wie auch hautpflegenden Eigenschaften, mit Rosenwasser versetzt. Und nicht zuletzt auch so manches Lebensmittel: Vor allem in der Küche Persiens, Indiens und des Nahen Ostens spielt Rosenwasser eine nicht zu unterschätzende Rolle; mit Rosenwasser werden besonders Süßspeisen gerne aromatisiert, z.B. verschiedene Marzipansorten, Nougat, Raahat, Baklava, Jallab, Milchreis, Eiscreme, Kekse, Sirup, Limonade, zypriotisches Mahalebi, Milch- und Joghurtdrinks … und, nicht zu vergessen: einige Varianten der türkischen Kult-Süßigkeit Lokum, die ihren typischen Geschmack ebenfalls dem Zusatz von Rosenwasser verdanken."

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Spontan kaufe ich bei einem Strassenhändler für Stefanie und Negin Rosenkränze.

Ich kann zwei verschiedene Rosenwasser kosten; eines schmeckt mir, das andere weniger.

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KashanDanach besuchen wir zwei Häuser, zuerst das Haus der Kaufmanns Familie Tabatabaee, welches auf mich wie ein Palast wirkt.

"Das Chane-ye Tabatabayi ist ein historisches Bürgerhaus, erbaut im Jahr 1834. Bauherr und Besitzer war der reiche Kadscharen-Kaufmann Sayyid Dschaʿfar Tabatabayi. Die Anlage umschliesst vier Wohnhöfe, beinhaltet feine Wandmalereien und wartet mit eleganten Buntglasfenstern und einer Vielzahl klassischer traditioneller Elemente der Wohnhauskultur der Zeit auf."

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Das zweite Haus, das wir besichtigen, ist das Abbasian.

"Das Abbāsi-Bürgerhaus ist ein grosses historisches Bürgerhaus in der Nähe des Tabatabaei-Hauses im historischen Stadtteil von Kaschan und ist heute ein Museum. Das im späten 18. Jahrhundert erbaute Gebäude gilt als ein gutes Beispiel der Kaschaner Bürgerhausarchitektur. Es verfügt über vier Innenhöfe mit Wasserbecken zur Kühlung der Luft. Unterschiedliche Hausbereiche erfüllten ursprünglich verschiedene Funktionen: es gab lediglich Gästen vorbehaltene Hausbereiche und einen eigenen für die Dame des Hauses. Das Bürgerhaus ist kunstvoll dekoriert: Schnitzereien schmücken die Wände, verzierte Kuppeln mit indirektem Lichteinfall verhindern ein zu starkes Erhitzen der Räume."

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Bei der Besichtigung höre ich wieder oft „Welcome to Iran“, „Welcome to my Country“ und ähnliches. Mega freundliche Menschen.

Einige Jungs tuscheln, reden mit Negin und bitten mich um ein Selfie. Ich frage Negin, was das zu bedeuten habe. Sie zeigt mir auf ihrem Handy ein Bild von Winfried Anton Schäfer, bekannt geworden unter seinem Rufnamen Winnie Schäfer. Ein deutscher Fußballtrainer und ehemaliger Fussballspieler. Er trainierte zwölf Jahre lang die erste Fußballmannschaft des Karlsruher SC, der damit eine erfolgreiche Zeit erlebte. Zuletzt war er Cheftrainer des iranischen Erstligisten Esteghlal Teheran, und deshalb im Iran bekannt.

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Zurück im Hotel steht eine Siesta auf dem Programm. Später treffen wir uns im Garten, hängen herum und geniessen das Nichtstun.

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Junge, und sicherlich wohlhabende, hübsche Frauen aus Teheran sind für einen Ausflug nach Kashan gekommen. Gerne sind sie für eine Fotosession bereit.

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Um 19 Uhr treffen wir uns in der Lobby. Negin führt uns wieder in ein spezielles und schönes Restaurant, mit dem gleichen Namen wie sie hat, der Diamant bedeutet.

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Ich entscheide mich, nach der obligaten Suppe und dem Salat, für ein Lamm Kebab; zum ersten Mal schmeckt mir das Essen nicht.

 

Samstag, 11. Mai 2019, Kashan - Qazvin, 390 Km
"Mit Qazvin erreichen wir den nördlichsten Ort unserer Reise. In Qazvin können wir einige beeindruckende Moscheen, ein königlies Badehaus und einen besonders schönen grossen Basar besuchen. Gemeinsames Abendessen. Wer möchte, kann eine Spezialität aus Qazvin probieren, ein Gericht aus Lamm- oder Hühnchen Fleisch mit verschiedenen Nüssen, Safran und Reis.»

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Nach dem Frühstück heisst es wieder packen, auschecken, Wäsche bezahlen (200'000 Rial) und das Gepäck zum Bus bringen. Zu meinem Erstaunen sind die Getränke in der Minibar im Zimmer gratis. Über nach wurde meine Benelli von einem Hotelangestellten gereinigt, er bekommt ein Trinkgeld von mir, auch derjenige, der meine grosses Tasche im Zimmer abholt.

Wir verabschieden uns von Christine und Gottfried, die entschieden haben, nach Hause zu reisen, nachdem bei Christine die Schmerzen nicht weniger geworden sind. Sie haben im Hotel das Zimmer verlängert und bleiben hier bis zum Bescheid vom ADAC für den Rücktransport nach Deutschland. Gottfried‘s Benelli wird abgeholt und nach Teheran gebracht. Nun muss sich Günter schon von der zweiten Benelli verabschieden ...

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Nun sind wir noch 10 Motorräder und 12 Reisende.

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Wir sind noch nicht lange unterwegs, rund 5 Km, als Masoud anhält. Wir sollen warten, gibt er uns zu verstehen. Er hat einen Anruf auf sein Headset erhalten; etwas mit Günter oder mit dem Bus sei nicht in Ordnung. Er fährt zurück. Wir warten. Es ist zehn vor zehn, wir warten immer noch, wissen nicht, was passiert ist. Ein Frau kommt vorbei und verteilt Süssigkeiten.

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Endlich kommt Masoud zurück und um 10 Uhr fahren wir weiter. Rund eine Stunde später überholt uns Schlussmann Herbert und fährt mit Masoud zurück; Elisabeth und Gerhard fehlen. Wieder eine Extrawurst von den beiden oder ist etwas passiert? Stromausfall. Mit einem Anruf bei Mr Benelli löst Masoud das Problem. Wir sind schon so lange unterwegs, haben aber trotzdem noch nicht viele Kilometer zurückgelegt. Mühsam.

Bei einem Tankhalt vernehmen wir, dass Günter beim Verlassen des Hotel mit den sehr engen Gassen Schwierigkeiten mit seinem Bus hatte. Die Solarpanel auf dem Dach mussten abmontiert werden, ein Spiegel verlor seine Halterung und die Stossstange kriegte auch etwas ab. Später schreibt Günter in seinem Blogg: "Ein Tag wie dieser! Da war er wieder, dieser verflixte Tag, auf den man gut verzichten kann, an dem einfach nichts gelingen will, an dem alles, was man anfasst, daneben und kaputt geht. Auf jeder Reise gibt es diesen Tag. Man kann ihm nicht entkommen. Er schlägt gnadenlos zu, und man hat nur eine Chance: warten, bis er vorbei ist, und derweil gute Miene zum bösen Spiel machen. Jetzt ist er vorbei, dieser Tag, und so werde ich ihm kein weiteres Wort widmen. Morgen geht es normal weiter.".

Qazvin

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In der Gegend hat es genügend Wasser, entsprechend ist es grün, mit viel Landwirtschaft.

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Qazvin

Endlich - für die 390 Km benötigten wir 8 1/2 Stunden - können wir im Hotel Alborz in Qazvin unsere Benellis in der Garage in Reih und Glied stellen.

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Zum Abendessen, wie immer mit alkoholfreiem Bier und Mineralwasser, das aber diesmal in einer speziellen Flasche ist, bestellte ich mir ein Chicken with Cheese Sauce; die Sauce war enttäuschend. Während dem Essen besprechen wir die beiden Varianten, die Morgen zur Verfügung stehen und jeder gibt an, was er machen möchte.

 

Sonntag, 12. Mai 2019, Qazvin mit Ausflug zur Alamut-Festung, 235 Km
"Heute müsst ihr euch entscheiden. Es gibt die Option eines Motorradausfluges zur Alamut-Festung oder eines Tagesausflugs mit dem Bus oder Taxi nach Teheran. Die Fahrt nach Teheran ist nicht im Reisepreis enthalten. QazvinDie Organisation erfolgt über das Hotel oder eine Agentur in der Nähe. Der Ausflug nach Alamut führt über die wohl schönste Motorradstrecke der gesamten Reise. Die Landschaft ist überwältigend und die Strasse besteht aus gefühlt 90 % Kurven. Von der Festung selbst ist nicht viel erhalten, aber der mühsame Aufstieg lohnt sich wegen des grandiosen Ausblicks über die umliegenden Berge und Täler.»

Heute ist Muttertag. Ich erwache vor dem Wecker und gehe um halb acht zum Frühstück. Die Teheraner-Gruppe ist immer noch da, statt um 7 Uhr, fahren sie erst um 8 Uhr los, da für früher keine Transport-Möglichkeit gefunden werden konnte. Ich habe jede Menge Zeit, denn bei der Alamut-Gruppe geht es erst um 9 Uhr los. Da es in die Berge geht, packe ich die Daunenjacke in den Tankrucksack, nehme dafür den Regenschutz raus. 4 Personen, Florian, Reinhard, Stefanie & Holger haben sich für den Ausflug in die Hauptstadt entschieden; sie werden von Masoud begleitet. Negin sowie Elisabeth & Gerhard bleiben in Qazvin. Bernd, Bernhard, Herbert, Jürgen, Peter und ich haben uns für die "... schönste Motorradstrecke ..." entschieden. Günter übernimmt den Lead.

Schnell sind wir zur Stadt hinaus. Links und rechts ist es grün. Es ist eine super schöne Fahrt. Günter hat uns freie Fahrt gegeben; bei der Tankstelle unten im Dorf nach dem ersten Pass, sollten wir uns alle wieder zum tanken treffen. Zu Beginn fahren wir wie gewohnt in einer Kolonne. Aber als es den ersten Pass hochgeht, ziehen die "Blocher" los. Aber da alle immer wieder zum Fotografieren anhalten, sieht man sich immer wieder. Auf dem Pass oben hat es noch Schnee.

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In dieser Ortschaft sollte die Tankstelle sein, wo wir uns treffen wollen.

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Es hat geklappt, alle treffen ein. Beim Tankhalt schaut sich Peter das Lamm-Kebab von heute Abend an ...

Das Fahren macht mega Spass. Wie Günter angekündigt hat: viele, viele Kurven, bergauf und bergab.

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Alamut

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Streckenweise fahre ich auch alleine, sehe weder vorne noch hinten einen aus der Gruppe.

Alamut

Bei dieser Abzweigung halten alle an und wir sammeln uns wieder.

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Nach knapp 4 Stunden und 109 Km kommen wir an.

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"Alamut ist eine heute in Ruinen liegende Bergfestung in Dailam. Die Festung wurde laut Hamdallah Mustaufi im Jahre 840 in 2100 Metern Höhe auf einem Felsen errichtet. Der Name Alamut bezieht sich auf die Gründungsgeschichte, nach der ein zahmer und freigelassener Adler auf dem Felsen gelandet war und so den Herrscher zum Bau inspirierte. 2004 wurden Teile der Mauern durch ein Erdbeben zerstört."

Als wir beim "Ziel" ankommen, kommt gerade eine Hongkong-Chinesin runter vom Berg. Ich bitte die Chinesin, mir ihre Fotos zu zeigen. Sie meint, wegen der Ruine lohne sich der Aufstieg - notabene müssten wir den in der Töff-Montur bei mehr als angenehmer Wärme absolvieren - nicht; die Aussicht sei aber schön. Sie erzählt mir, dass sie oben zwei Deutschschweizer getroffen haben. Kurze Zeit später sind diese auch unten, ein Pärchen aus Bern. Auch sie meinen, wegen dem "Castle" nach oben zu steigen, sei es nicht wert. Deshalb nachstehend zwei Fotos aus dem Internet.

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Die Mauern der Festung (aufgenommen 2006, zwei Jahre nach dem Erdbeben) und Rekonstruktionsarbeiten nach dem Erdbeben (2008).

Wir schenken uns den rund einstündigen Aufstieg und fahren wieder zurück.

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Spontan schlägt Günter einen Zusatz-Schwenker zum Ovan-See, einem Alpensee auf 1800 MüM vor.

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QazvinWir geniessen die Rückfahrt nach Qazvin. Schlussendlich waren wir sieben Stunden unterwegs und haben 235 Km abgespuhlt. Der Ausflug hat sich wirklich gelohnt, endlich echtes Motorradfeeling. Zurück im Zimmer sind Duschen und weitere Körperpflege angesagt. Das Qazvin lässt sogar einen Video-Anruf mit Silvia zu. Um 19 Uhr sind wir bereit zum Abendessen; die "Teheraner" sind aber noch nicht zurück. Das Warten verkürze ich mir mit einem Espresso an der Hotelbar.

Gegen halb acht sagt Günter, dass wir ohne sie gehen, sie könnten später nachkommen. Es gibt Suppe und dazu wieder eine Zitrone (!) zum Auspressen, Salat und erstmals bestelle ich ein Lamm-Filet-Kebab. Alles sehr lecker.

Noch etwas zum Geld. Die offizielle Währung ist der Rial. Die Rial-Noten enthalten sehr vielen Nullen, weshalb die Einheimischen eine weglassen und dann in Toman rechnen.

"Der Toman war eine alte persische Goldmünze, die ursprünglich dem Dukaten glich. Als Toman (persisch تومان Tumān oder تومن Tuman) werden heutzutage im Iran je nach Kontext zehn, zehntausend oder gar zehn Millionen iranische Rial bezeichnet. Der Begriff Toman taucht aber nicht auf den Banknoten oder Münzen auf. Im Strassenhandel und auf dem Basar entspricht ein Toman zehn Rial. 2008 wurden Pläne der iranischen Zentralbank bekannt, eine Währungsreform durchzuführen und die neue Währung nach dem Toman zu benennen. Die Umstellung sollte im Verhältnis 1:10'000 stattfinden. Als ersten Schritt zu diesem Währungsschnitt führte die Zentralbank im Sommer 2008 zwei Traveller Cheques ein, die auf 500'000 und eine Million iranische Rial lauten, jedoch die Zahlen „50“ und „100“ aufgeprägt haben. Diese als Reiseschecks titulierten Papiere werden im Alltag wie gewöhnliche Banknoten verwendet." Von Rial sprechen die Leute im Zusammenhang mit den Banken oder im Geschäftsleben, in den Geschäften aber kommunizieren sie in Toman. Wenn du etwas kaufen willst, an der Kasse stehst und 10'000 hörst, ohne das Wort Toman, kostet es 100'000 Rial. Strecken sie aber die Finger hoch, z.B. 3, bedeutet das 3'000 Toman und das kostet dich 30'000 Rial.

 

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