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Planung

Gemäss Zeitplan werde ich ab der zweiten Juli-Hälfte in Bangladesch sein. Da mehr als die Hälfte der Jahresniederschläge in die Monate Juni bis August fallen, werden meine Aktivitäten eingeschränkt sein. Ich werde versuchen, so viel wie möglich von meinen Ideen umzusetzen: Eisenbahnfahrt, Bootsfahrt durch die Sundarbans (die grössten Mangrovenwälder der Erde, Bengal-Tiger), Kaptai-See, Rocket Steamer, “Sterbende Riesen der Weltmeere“ (Abwrack-Werften bei Chittagong) sowie, ganz persönlich, ein Besuch des World Vision Projekts in der Gegend von Mymensingh und Treffen mit meinem Patenkind Musammed ...

Verwirklichung

Reiseberichte 21. Juli bis 6. August 2015

178. Tag; 21. Juli 2015, Dhaka, Hauptstadt, Bangladesch

Bei der Immigration beanstandet der Beamte, dass ich auf dem Formular meine Telefonnummer angeben habe, statt einer lokalen. Ich zeige ihm mein Reiseprogramm und sage, dass ein Guide draussen auf mich warte. Zuerst will er auf stur machen, dann sage ich ihm, ich könne ja nach draussen gehen und den Guide um die Nummer bitten ... oder ich schreibe eine Fantasie Nummer auf, oder diejenige von meinem Hotel. Er hat Einsicht und ich bekomme den Stempel. Beim Zoll null Probleme, keine Kontrolle für mich, anscheinend nur für die Locals mit ihrem vielem Gepäck.

Draussen wartet Azim, mein Guide für die ganze Tour. Er wird immer mit dabei sein, auch bei den Eisenbahnfahrten, wie er mir erklärt. Wir fahren zum Hotel Dhaka Garden. Nicht schlecht. Wifi funktioniert.

 

179. Tag; 22. Juli 2015, Mymensing, Bangladesch

Freundliche Frau im Restaurant beim Frühstück; es hat zwar ein Buffet, aber sie serviert für mich.

Bereits um acht Uhr, mit viel Reserve wegen dem zu erwartenden grossen Verkehr, fahren wir zum Bahnhof. Es hat keinen grossen Verkehr, deshalb sind wir viel zu früh dort, über eine Stunde. Während Azim auf mein Gepäck achtet, laufe ich umher und mache ein paar Aufnahmen. Einige Leute drängen sich richtig gehend auf, damit ich sie fotografiere.

Unser Zug, der Aghnibina Express, kommt. Wir haben Tickets für die erste Klasse. Ich freue mich, wieder mal mit der Eisenbahn zu fahren und bin gespannt, was ich sehen werde. Pünktlich um 9.40 Uhr verlassen wir den Bahnhof Dhaka und fahren nach Mymensingh, im Norden des Landes.

Der Blick durchs Fenster und den Regen zeigt Reis- und Jutefelder, spielende Kinder, die sich am Regen erfreuen, und Erwachsene, die die sich mit der Natur arrangiert haben und deshalb wie selbstverständlich durchs Wasser laufen.

Um 14.20 Uhr kommen wir in Mymensing an. Nach der Ankunft fährt uns Damil, mein Fahrer, der mit dem Auto von Dhaka hierher gefahren ist, zum Hotel Amir International, wo ein Event (Hochzeit?) stattfindet. Viele Leute und viele Geschenke, und viel Lärm vor meiner Zimmertüre.

Kaum bin ich im Zimmer, läutet das Telefon, es ist Simon von World Vision. Ich gehe zur Rezeption und treffe ihn dort. Eine Auto müsse gemietet und bezahlt werden. Ich informiere ihn, dass ich ein Auto mit Fahrer habe. Er ruft seinen Boss an und bekommt das okay. Also nichts mit einem freien Tag für Dalim. Hingegen darf Azim nicht mitkommen. Ich lasse beide zu mir kommen und informiere sie entsprechend. Simon meint, ich solle nicht zu weit alleine vom Hotel weggehen, so gehe ich nur kurz Biskuits kaufen (verspätetes Mittagessen) und eine Tube Colgate. Mit Azim verabrede ich mich um 19 Uhr zum Nachtessen. Simon schlägt vor, dafür eine Fahrrad Rischka zu nehmen. So wie es aussieht, sind sind immer noch gleich streng zu fahren wie bei meiner ersten und zweiten Indien Reise, wo ich auch selber damit gefahren bin.

 

180. Tag; 23. Juli 2015, Mymensing, Bangladesch

In der Nacht habe ich immer noch den "Tutsuiter" - sollte ich beginnen, mir deswegen Gedanken zu machen ...? Das Frühstück kommt pünktlich ins Zimmer, aber nicht wie bestellt. Auch mit Toast und einem zweiten Kaffee klappt es nicht, der Mann versteht mich nicht.

Heute ist ein spezieller Tag, besuche ich doch mein World Vision Patenkind Musammed. Diesen Besuch habe ich zu Hause geplant und organisiert. World Vision wollte dabei viel von und über mich wissen, unter anderem musste ich einen Auszug aus dem Zentralstrafregister einreichen und mehrseitige Formulare ausfüllen und unterschreiben. Unterwegs erhielt ich die Meldung, dass mein Besuch fraglich sein, da in der Gegend Unruhen ausgebrochen seien, die sich aber wieder gelegt haben.

Es regnet stark, die Strasse unten vor meinem Hotel steht unter Wasser, aber dies sei keine Überschwemmung, wie mich später Simon informiert, lediglich Regenwasser das nicht abfliesst. Dalim kommt mit dem Auto und wir steigen trotz dem Wasser trockenen Fusses ein und fahren los.

Zuerst geht es zum Haus von World Vision Bangladesh/ADP (Annual Development Programme). Dort werde ich im Büro vom Manager Eugene Rodrigues sehr freundlich empfangen und erhalte Tee und Guetzli. Danach Treffen mit dem Rest vom Team die da sind; wegen dem gehabten Moslem Feiertag haben viele Urlaub genommen und sind noch nicht zurück. Es folgt eine Vorstellungsrunde, an der auch ich mich beteilige. Anschliessend erhalte ich eine PP-Präsentation über die verschiedenen Projekte sowie das Security Briefing. Da ich das Original nicht mit mir habe, muss ich nochmals das Formular ausfüllen und unterschreiben.

Anschliessend fahren wir mit meinem Auto zur Familie. Manager Eugene, Simon und ein Projektleiter begleiten mich. In einer kleinen Siedlung, wir kommen um eine Ecke herum, sehe ich eine Gruppe wartender Menschen, Vater, Mutter und mein Patenkind, alle herausgeputzt in schönen Kleidern.

Mir wird ein Blumenkranz umgehängt und ich werde mit Blumen und Blättern überschüttet. Rühriger Empfang, bin emotionsgeladen. Auch mit Worten (Dolmetscher) werde ich von der Familie willkommen geheissen.

Dann gehen wir um ein paar Hütten herum zur Hütte der Familie. Beim letzten Sturm vor ein paar Monaten ging diese kaputt, World Vision hat beim Wiederaufbau geholfen. Die Hütte besteht aus nur einem Raum, wo Mutter, Vater, Schwester und Brüder, 5 Personen, darin leben. Musammed hat den World Vision Patenkind-Ausweis umgehängt. Sie ist stolz darauf. Jedes Kind ist im Projekt, aber nicht jedes Kind hat einen Sponsor und somit einen Ausweis.
Dann muss ich armer Kerl Fragen stellen, wenn möglich keine Ja-Nein-Fragen, und das arme Mädchen (am 2. Juli ist sie elf geworden) muss antworten. Wir beide sitzen nebeneinander auf Stühlen, um uns herum rund zwanzig staunende Menschen, dazu die 4 Mitarbeitenden von World Vision, inkl. Projektleiterin Sikta, die bei der Familie wartete. Eine Papaya wird aufgeschnitten und weitere Früchte aufgetischt. Nur Musammed und ich werden aufgefordert zu essen. Ich frage den Vater, ob ich seiner Tochter ein Geschenk übergeben darf, was er bejaht. Die Caran d'Ache Schachtel mit 30 Farbstiften, die ich seit knapp einem halben Jahr bei mir habe, wechselt den Besitzer. Musammed freut sich.

Wir gehen nach draussen, machen ein paar Gruppenfotos und verabschieden uns.

Es folgt ein Besuch in einem Schulungsraum wo mir wieder ein Blumenkranz umgehängt wird und ich mit Blumen und Blättern überschüttet werde, die auch in mein Hemd eindringen. Die Themen der Schulung sind Food, Hygiene und Kinder-Heirat. Spontan werde ich aufgefordert, meine Meinung dazu den Lernenden kundzutun.

Danach besuchen wir eine "Klinik" wo Medikamente abgegeben werden. World Vision organisiert und führt unendlich viele Abläufe ein, auch banales, weil halt nicht vorhanden, wie Öffnungszeiten und welche Service erwartet werden können, auch ein online reporting.

Anschliessend Besuch einer Beratungsstelle für Mütter mit Kindern sowie für Schwangere. Ein untergewichtiger Winzling liegt in den Armen der Mutter, er kam viel zu früh auf die Welt, aber es scheint ihm besser zu gehen. Aus Respekt vor diesem schwachen Leben fotografiere ich nicht.

Wir fahren zurück zum Sitz von World Vision wo ich mit einem Teil des Teams einen Inhouse-lunch einnehme. Zum Schluss besuchen wir eine Kommune-ähnlich organisierte Einrichtung, mit gemeinsamer Herstellung und Verkauf von Produkten. Die Kommune vergibt auch Darlehen zu einem minimalen Zins (Microfinancing). Zurück in den Büros gibt es Tee und ein Abschluss Meeting, wo auch ein Feedback von mir erwartet wird und einen Eintrag im Gästebuch. Nach einem Gruppenfoto verabschieden wir uns voneinander.

Es war ein spezielles Programm an diesem Tag. Rührig. Gut, dass Einheimische solche Projekte leiten und mithelfen (alles Bengalen bei World Vision). Herzlichen Dank an World Vision für die Realisierung meines Besuchwunsches.

Auf dem Rückweg stehen wir bei einer Tankstelle an. Beim Warten entdecke ich einen Polizisten, der einen Mann abführt.

 

181. Tag; 24. Juli 2015, Bogra, Bangladesch

Heute klappt es mit dem Frühstück, dafür fehlt noch meine aufgegebene Wäsche. Aber schlussendlich bekomme ich sie, gewaschen und getrocknet.

Heute ist der erste richtige Tag mit meinem Fahrer, liegen doch rund 200 Km vor uns. Deshalb sage ich zu Dalim "no rally". Er hat eine zusätzliche Geräusch-Kulisse installiert, mit Polizei Sirene und Lastwagen Horn, und versucht damit, die anderen Verkehrsteilnehmer wegzuschocken. Ich glaubte, nach meiner bisherigen langen Reise könnte mich nichts mehr schockieren. Das ist falsch: Der Verkehr, heute Rückkehr von den Leuten vom Feiertag, ist immens, und die Fahrerei schlichtweg kriminell, auch die meines Fahrers. Irgendeinmal wird es mir zu viel und ich rufe aus! Ich drohe ihm, dass ich einen anderen Fahrer verlangen würde, wenn er nicht anständiger fahre, ich wolle auf diesen "fucking roads" nicht mein Leben lassen!

Auf der Fahrt sind wir dauernd von einem Geräuschepegel begleitet. Die Strassen sind überfüllt von den verschiedenen Verkehrsteilnehmern, wobei dies der falsche Ausdruck ist, "Feind" trifft eher auf die rücksichtslose Drängerei zu; keiner gönnt dem anderen Platz, jeder schaut nur für sein Vorwärtskommen.

Aber nicht nur die Strassen sind verstopft, auch die Eisenbahn ist überfüllt.

Bei einem Halt, mit leckerem "Bosnien"-Brot" (?), lasse ich Azim übersetzen, was ich von Dalim beim Fahren akzeptiere und was nicht.

Die Dörfer haben sich spezialisiert, so produzieren und verkaufen sie in einem Dorf Bananen, während im nächsten Dorf Ananas angeboten werden.

Die Sehenswürdigkeiten sind mager, ein besuchtes Museum äusserst schlicht und auf einem sehr einfachen Level. Bei Mahasthangar, eine der ersten Entdeckungen der Kultur Bangladeschs, gibt es nicht viel zu sehen, so spreche ich lieber die Menschen an, die ich dort antreffe.

Unterwegs in einem Dorf näht ein Schneider bei meinem (chinesischen) Hut den Bändel wieder an, er will nichts dafür.

Den Abend lasse ich in meinem Zimmer im Hotel Parjatan mit unterwegs gekauftem belgischen Bier (16,2 % Volumen!) ausklingen.

 

Persönliches Ich spüre langsam, dass ich genug habe von Entwicklungsländern, in denen es laut zugeht, und hoffe, dass es in Myanmar ruhiger ist. Ich freue mich auf das zivilisierte Australien und ich sehne mich nach der Schweiz. Ich verspüre grosses Heimweh und stelle mir vor, wie es sein wird, wieder mit Silvia den Alltag zu leben.

 

182. Tag; 25. Juli 2015, Rajshahi, Bangladesch

Mmhh, vor 6 Monaten bin ich gestartet, bin seit einem halben Jahr auf Reise ...

Godi hat heute Geburtstag, sende ihm eine E-Mail zum 70.

Rund 230 Km Strassenkilometer liegen heute vor uns. Es hat aber nicht mehr so viel Verkehr wie gestern.

Bei einer geschlossener Barriere steige ich aus. Diesmal rechtzeitig, um den Zug filmen zu können. Auch der Zug ist nicht mehr so übervoll wie gestern. Es sei ein Regionalzug, erklärt mir Azim, derjenige gestern war der Zug Dakha - Bogra.

Wir besichtigen Paharpur (UNESCO Weltkulturerbe). Diese Ruinenstätte gibt ein bisschen mehr her als gestern. Aber auch hier ist wenig übriggeblieben. Im Museum sind viele Hindu Götter Statuen zu besichtigen, trotzdem es ursprünglich ein buddhistisches Kloster war. Hindu haben das Kloster zerstört und später Moslem den Hindu Tempel.

Irgendwo essen Azim und Dalim etwas; mir genehmige ich nur Bananen, halt dafür mit meiner Kamera spezielles fest.

Die vielen verschiedenen Gefährte gefallen mir, gerne drücke ich auf den Auslöser.

Ich bin müde, nicke immer wieder ein. Für die geplante Besichtigung einer Seidenfabrikation habe ich keine Lust, auch nicht auf den Blick auf den Ganges, der hier Padma heisst. Der Brahmaputra, den ich seit Tibet schon einige Male gesehen habe, heisst in Bangladesch Jamuna und fliesst in den Padma (Ganges), und dieser in den Bengalischen Golf.

Im Hotel angekommen, genehmige ich mir ein Nickerchen. Danach, nach einer Dusche, nutze ich in der Lobby das Wifi.

 

183. Tag; 26. Juli 2015, Mongla, Bangladesch

Gestern Abend den täglichen Gedanken nachgegeben, das Notebook könnte vielleicht wieder funktionieren. Wieso sollte es? Ich starte und der HP kommt tatsächlich aus seinem Dornröschen Schlaf, mit Fragen wie bei der Erstinstallation. Ich beginne danach, die Sicherungsdatei ab USB Stick zu kopieren, hänge die Sony an und übertrage alle Bilder. Von Dreamweaver habe ich schon die Downloads gemacht und eine Anfrage an den technischen Support eingereicht; die Antwort daure zwei Arbeitstage. Carmen schickt mir einige Passwörter aus dem Ordner zu Hause. Kurzum, ich bereite mich auf eine Fortsetzung vor. Es sieht vielversprechend aus! Als ich aber am Morgen erneute starten will, um das Hostpoint Passwort zu versuchen, gibt es wieder keine Reaktion!

Die ersten sehenswürdigen Sehenswürdigkeiten: Ein Tempel für Shiva an einem Teich gelegen und danach einen Tempel für Krishna. Dazu schönstes Wetter.

Die Fahrt gefällt mir sehr. Beidseitig der Strasse, die meistens auf einem kleinen Damm verläuft, Reisfelder und Jutenfelder und Bananen und und und ...

Mein Team in Bangladesch, mein Fahrer Dalim (li) und mein Guide Azim (re).

Eigentlich hat es heute wenig Verkehr, ausser in den Ortschaften, wo wir oft eingepfercht im lärmigen Verkehr stehen. Heute sehe ich auch mehr Personenwagen als bisher, wo mehrheitlich Rikschas und Tuk Tuk aller Arten, sowie Busse und Lastwagen das Strassenbild prägten.

Habe plötzlich Bauchschmerzen und ein dringendes WC-Bedürfnis, welches ich im allerletzten Moment lösen kann. Die Fahrt dauert unendlich (340 Km). Ich denke dabei auch an Dalim. Es gibt zwar Auftankhalte (Gas und Diesel) und einen Lunch für die beiden, wo sich Dalim ein bisschen hinlegen kann. Die Fahrt zurück nach Dhaka wird noch länger dauern (360 Km); das ist mir zu lange mit nur einem Fahrer. Zudem werden wir vorher noch die Schiffs Abwrackwerfte besichtigen. Ich bitte Azim, Alternativen per Bahn oder Flugzeug abzuklären.

Irgendeinmal passiert es; Dalim überfahrt in einer Ortschaft einen Hund. Es knallt und rumpelt und ich höre das arme Tier schmerzvoll jaulen. Hab gesehen, dass der Hund auf Dalims Hupen falsch reagiert hat und beide zu wenig schnell reagieren. Dalim fährt einfach weiter. Ich frage Azim, ob wir nicht zurück sollten und uns wegen dem Besitzer erkundigen. Er meint, das könne zu Problemen führen ... und uns zudem Zeit kosten.

 

Ich freue mich auf die kommenden zweieinhalb Tage auf dem Boot. Schlechtes Wetter hin oder her.

Nach dem Nachtessen, 750 Rupien (9 Franken), erfolgreicher Notebook Start. Übertrage die Fotos und hoffe, dass ich nach der Rückkehr in Dhaka Antwort haben werde wegen der Dreamweaver Installation, dann könnte ich am letzten Tag in Dhaka aktiv werden. Wenn alles klappen würde, könnte ich ab Myanmar wieder live gehen und den Rest von Indien und Bangladesch nacharbeiten ...

 

184. und 185. Tag; 28. Juli 2015, Sundarbans, Bangladesch

Montag: Hotel Parjatan, Mongla, 05.30 Uhr: Der Wecker weckt früh heute. Bereits um sechs Uhr laufen wir zum Bootssteg am Hafen, welcher sich nur ein paar Minuten vom Hotel entfernt befindet.

Bald sehe ich ein Beiboot auf uns zukommen, welches uns abholt und zum Motorschiff Alorkolm fährt. Das Schiff hat 4 Doppelkabinen, ich habe es jedoch für mich alleine gechartet. Die Besatzung besteht aus 5 Personen, später soll noch ein Security-Mann dazustossen.

Heute beginnt meine Cruise durch die Sundarbans (Sundar = schön, Bans = Wald; schöner Wald), den grössten Mangrovenwälder der Erde. Sie umfassen ein Gebiet von etwa 10.000 km². Davon liegen rund 6.000 km² in Bangladesch und 4.000 km² im indischen Bundesstaat Westbengalen. Hier lebt auch der vom Aussterben bedrohte Bengaltiger.

Kaum fährt das Schiff los, wird mir das Frühstück serviert.

Es ist geplant, dass wir heute bis zum Golf von Bengalen fahren. Zuerst gehts durch den breiten Fluss, wo wir nicht die einzigen sind.

Irgendwo legen wir an, um den angekündigten Security-Mann an Bord zu nehmen.

Mein Mittagessen wird serviert: Reis, Huhn, Fisch und Gemüse und dazu das erste von 10 Heineken, die mir Azim besorgt hat. Zum Dessert gibts Mango.

Nun fahren wir durch kleine Kanäle und Nebenarme, wo wir keine anderen Boote oder Menschen mehr sehen, dafür Vögel, u.a. den Kingfisher, Affen, Rehe und im Wasser entdecke ich ein kleines Krokodil.

Gegen halb fünf erreichen wir den Golf. Wir steigen wieder in das Beiboot um und fahren damit zu einem Steg, wo unser Spaziergang durch den Wald beginnt.

Der Boden ist matschig und sumpfig, deshalb gibt es einen Steg-Weg. Der Security geht mit der Waffe voraus. Viel Rotwild sehen wir, aber leider keinen Tiger.

Der gestiegene Meeresspiegel lässt die Mangroven Bäume absterben: Das Meer spült das Land weg, so dass bei Flut die Wurzeln nicht mehr aus dem Wasser ragen und diese so keinen Sauerstoff mehr bekommen.

Wir fahren zurück aufs grosse Boot, welches für die Nacht in einem Nebenarm an eine Plattform angedockt ist.

Ein Generator wird gestartet und produziert Strom; ich lade meine Geräte auf. Der Ventilator dreht seine Runden, aber es ist sehr warm in der Kajüte.

 

Dienstag: Habe schlecht geschlafen. Das Bett ist eng und es ist lärmig mit den beiden laufenden Ventilatoren und "windig" ohne Leintuch. Habe Varianten ausprobiert, mich mit einem Frotté-Tuch zuzudecken, oder ohne arbeitende Ventilatoren, so ist es zwar sehr ruhig ist, aber halt wärmer. Nach einem Toiletten-Gang mit anschliessendem Blick durchs Fenster sehe ich eine Schlange, die das Gewässer überquert und dass das Resultat meines Geschäfts direkt ins Wasser geht.

Frühstück gibt es um 7 Uhr und eine Stunde später ist Abfahrt mit dem Beiboot.

Wir verlassen den Fluss und dringen in einen schmalen Seitenarm ein. Es ist abenteuerlich, sehr still und wir verhalten uns auch so. Aber ausser Vögel sehen wir keine anderen Tiere.

Irgend einmal kehren wir um und sind nach gut einer Stunde wieder zurück auf dem Boot. Aber nicht für lange, denn eine kleine Wanderung durch die Graslandschaft und den Wald zum Strand steht an. Immer wieder regnet es, aber nicht stark.

Plötzlich kommt Hektik auf, entdeckt doch der Security Man die Spur eines Tigers; sie sei von heute Morgen, gibt er mir zu verstehen.

Gemäss einer Zählung/Schätzung aus dem Jahr 2011 soll es in den Sundarbans noch 400 Tiger geben. Sehe ich einen davon? Die Spannung steigt. Der Security schaut geht nun langsamer weiter und schaut sich noch mehr um als bisher. Wir sehen viel Rotwild und meine Begleiter auch Wildschweine, ich nicht. Einen Tiger sieht keiner.

Wir erreichen das Meer, wo zur Zeit Ebbe ist. Bei Flut stünde das Wasser rund 180 cm höher. Azim zeigt mir, bis wo.

Kaum sind wir auf dem Boot zurück, wir waschen gerade unsere Schuhe, beginnt es stark zu regnen. Das Mittagessen ist bereit. Es gibt wieder Fisch aus dem Fluss, aber wieder eine andere Art, und Huhn, auch anders zubereitet, dazu Gemüse. Lecker. Danach gönne ich mir ein Schläfchen bis mich das Starten des Motors weckt. Ich gehe nach oben, es regnet noch immer. Später können wir aber ein paar Sonnenstrahlen erhaschen.

Die Bilder in meinem Souvenir-Photobuch Helvetia, welches mich schon auf einigen Reisen begleitet hat, stossen auch hier auf Interesse.

 

186. Tag; 29. Juli 2015, Dhaka, Bangladesch

Es "schiffet" in Strömen am Morgen. Bei einem Erwachen in der Nacht stelle ich fest, dass das eine Kopfkissen nass ist. Es hat durchs offene Fenster geregnet, weshalb ich es schliesse. Am Morgen stelle ich fest, dass auch das Handy, die Stirnlampe und die Brille ein bisschen nass sind. Habe besser geschlafen, weil ich in die Kabine schlafen ging mit dem grossen Bett. Ich denke, bei diesem Regen können wir uns den geplanten Landgang durchs Fischerdorf sparen und so auch Zeit gewinnen für die lange Fahrt nach Dhaka. Das Frühstück, das "Esszimmer" ist ja auf dem Oberdeck, müssen wir wegen dem starken Regen ein bisschen verschieben. Danach geht's und später hört der Regen sogar auf. Die zwei Tage kreuz und quer durch den Sundarbans Nationalpark haben mir gefallen, trotz misslichem Wetter, vielem Regen und fehlenden Tigern.

Wir kommen in Mongla an. Mit einem Handschütteln bedanke und verabschiede ich mich von der Besatzung. Dalim wartet mit dem Auto und wir fahren los. 3 Stunden soll die Fahrt bis zur Fähre dauern, bei gutem Verkehr. Es dauert 3 1/2 h bei, wie mir scheint, bei gutem Verkehr. Oft keine oder nur wenige Autos auf den Strassen, dann wieder ein mega Puff in den Dörfern. Eine Ambulanz "bittet" mit Warnlichtern und Sirene um Platz. Keine Chance! Die Arroganz und Respektlosigkeit macht auch vor einer Ambulanz nicht halt. Krass! Wir kommen zur Fähre und Dalim drängelt sich nach vorne. Die Fähre ist voll, wir müssen auf die nächste warten.

Irgendeinmal kommt die nächste Fähre, legt an, leert sich, aber noch dürfen keine Autos drauf. Alle müssen auf ein VIP-Auto warten. Nach dem dieses kommt und auf der Fähre ist, geht die Drängerei los, bei der die Ambulanz auf der Strecke bleibt und auch wir als erste nicht mehr auf die Fähre können. Dafür sind wir auf der Pole Position für die nächste Fähre, denke ich. Aber was entscheiden meine beiden Begleiter? Sie wollen zu einem anderen Anlegeplatz! Wir stehen danach mitten in einer Kolonne von PKWs, Bussen und Lastwagen. Unverständlich für mich dieser Entscheid. Ich steige aus und laufe nach vorne. Keine Chance, dass wir das schaffen werden, hier auf die nächste Fähre zu kommen. Als diese kommt, es sind zwei aneinander festgemachte Schiffe, die ersten paar Busse drauf und die PWs an der Reihe sind, ist auch Dalim dabei! Wie er das geschafft hat ist mir ein Rätsel - ein Bruder arbeite hier, wird mir dann erklärt. Danach dürfen noch ein paar Lastwagen auf die Fähre und los geht's. 1 1/2 bis 2 Stunden auf dem "Ganges" (Zusammenfluss Ganges und Brahmaputra = Padma und Zusammenfluss mit Meghna = Untere Meghna) bis Dhaka.

Die anschliessend Fahrt vom Hafen nach Dhaka dauert nicht lange, aber die Fahrt in der Stadt zu unserem Hotel etwa gleich lang. Um 18.30 Uhr können wir Einchecken, wieder im Dhaka Garden. Nun bin ich zum zweiten Mal in der Hauptstadt Bangladeschs.

Im Zimmer kann ich mein Notebook starten und die Fotos übertragen. Der Support von Dreamweaver hat geantwortet und mir einen weiteren Download freigegeben. Es funktioniert. Ich schreibe Host Point wegen den Kommunikationsdaten an. Zum Nachtessen stille ich meine westlichen Genüsse: einen Käsetoast als Vorspeise und Spaghetti Bolognese als Hauptgang.

 

187. Tag; 30. Juli 2015, Chittagong, Bangladesch

"Sie werden an den Bahnhof gebracht um mit dem Zug nach Chittagong aufzubrechen. Am Nachmittag erreichen Sie Chittagong. Anschliessend erfolgt der Transfer zu Ihrem Hotel Lords." So das Programm für heute - es sollte anders kommen ...

Azim hat ein frühes Frühstück für mich bestellt, welches mir kurz nach sechs Uhr ins Zimmer gebracht wird. Mit einem weiteren Bruder von Dalim als Chauffeur fahren wir um viertel nach sieben zum Bahnhof Biman Bandar.

Der Zug sollte um 8 Uhr abfahren. Kurz vor acht wechselt die Anzeige und informiert - ich kann nichts lesen, ist nur in Bengali - über 2 Stunden Verspätung. Azim meint, wir könnten nichts anders tun als warten. Wir gehen in den Wartesaal 1. Klasse, der aber recht voll ist und alle Sitzgelegenheiten besetzt sind. Später kommen Bahn-Angestellte, wecken schlafende Männer und fragen nach deren Tickets - da gibt es plötzlich Platz. Ich bitte Azim auf mein Gepäck aufzupassen, gehe wieder nach draussen und laufe auf dem Perron bis zum Ende. Einige Obdach- und Besitzlose schlafen einfach auf dem nackten Boden.

Zwischendurch gehe ich zurück in den mit drei Ventilatoren ausgestatteten Warteraum wo ich Platz auf einer Polstergruppe finde und schreibe diese ersten Eindrück in mein Handy - schon ist die erste Stunde vorbei.

Draussen gibt es immer wieder ungewöhnliches zu sehen. Leute die eine Lok besteigen und vom Lokführer immer wieder vergebens weggewiesen werden. Auch Tiere werden auf der Seite der Lokomotive platziert.

Zwischenzeitlich ist es 11 Uhr gewesen und noch immer ist kein Zug eingefahren; angeblich in einer halben Stunde sollte er kommen ... Endlich kommt er und natürlich stehen wir am falschen Ort da Azim keine Ahnung von Zug fahren und Ticket lesen hat. Nach der langen Warterei müssen wir nun beinahe das ganze Perron entlanghetzen. Als wir unsere Sitze gefunden haben, finde ich keinen Platz für mein Gepäck. Um fünf nach zwölf, mit 4 Stunden Verspätung, den Grund konnte Azim nicht herausfinden, fährt der Zug endlich ab.

Zwischenheitlich ist es halb fünf geworden, als es in einem Bahnhof, irgendwo in nirgendwo, nicht mehr weiter geht. Es dauert und dauert. Azim telefoniert mit seiner Frau die ihn informiert, dass im Fernsehen über einen Unfall berichtet wird. Auch das noch. Diese Eisenbahnfahrt macht keinen Spass. Es ist bald sechs Uhr und wir warten immer noch in diesem Bahnhof. Die Fahrt, wenn sie dann mal weitergeht, dauert noch 5 Stunden. Ich mache mir Gedanken über Alternativen und teile diese Azim mit; er nimmt mir die Illusionen: Wenn wir mit dem Auto weiterfahren, hätten wir noch länger. Mit dem Auto zurück nach Dhaka fahren, rund 3 Stunden. Ausserdem wo/wie könnten wir ein Auto/Fahrer bekommen? Zudem würde es, für meine Begriffe, zu dunkel zum Fahren. Der Bus zurück nach Dhaka sei das einfachste. Mit dem Bus? Die Chauffeure fahren ja noch verrückter als die Autofahrer. Dann lieber doch warten und mit dem Zug weiterfahren. Um 19 Uhr fährt der Zug los und um 00.10 Uhr kommen wir in Chittagong an. Heute waren wir 17 Stunden unterwegs - viele Stunden davon mit Warten verbracht - und trotzdem nicht viel Positives gesehen oder erlebt.

 

188. Tag; 31. Juli 2015, Rangamati, Bangladesch

Mehr oder weniger ausgeschlafen, fahren wir um 9 Uhr los. Mein Fahrer heisst Toyub.

Zuerst schauen wir uns von aussen den Gerichtshof an, danach die Chandrapura Moschee sowie das Heiligengrab von Bayazid Bostami, einem persischen islamischen Mystiker.

Anschliessend beginnt unsere Fahrt nach Rangamati. Da wir durch "sensibles" Gebiet fahren werden, müssen wir bei einem Police Check Post anhalten und die notwendige Bewilligung zeigen.

Bereits um 13 Uhr kommen wir in unserem Hotel, es heisst wieder Parjatan, an. Im Moment funktioniere das WiFi nicht, und Strom gebe es auch keinen, so dass auch der Wäsche-Service nicht beansprucht werden kann. Dafür regnet es, so ist der Ausblick von meinem Zimmer auf den Kaptai Stausee nicht berauschend. Wir vereinbaren, uns morgen um 8.30 Uhr für die Bootstour zu treffen.

Nach dem Mittagessen gehe ich ins Zimmer, nehme es gemütlich. Später ziehe ich meine Regensachen an und laufe durchs Dorf, es gibt aber nicht viel zu sehen.

 

189. Tag; 1. August 2015, Rangamati, Bangladesch

Habe gut geschlafen, im Schlafsack, da es nur eine Wolldecke gab. Zu Beginn habe ich mich nur mit meinem Tuch, welches ich in Indien als Geschenk erhielt, zugedeckt, aber mit der Klimaanlage war es ein bisschen unangenehm, auch mit eingestellten 26 Grad.

Zum Frühstück gibt's nur das Indische, trotz Amerikanischem und Continentalem auf der Menü-Karte. Nehme wieder mal Kaffee mit Zucker und warmer Milch, da der Kaffee eh zu schwach ist.

Pünktlich um 8.30 Uhr bin ich wieder unten, aber Azid nicht. Ich warte. Haben wir 9.30 Uhr gesagt? Könnte gut sein. Ich lasse die Rezeptionistin anrufen und Azim bestätigt es. Es beginnt zu regnen. Also zurück ins Zimmer im dritten Stock. Suche den Angestellten, dem ich vorhin den Schlüssel gegeben habe und erhalte ihn nun wieder zurück. Die verlangte Rolle Toilettenpapier ist bereits im Zimmer. Wäre gerne noch länger im Bett geblieben, mein Fehler, dass ich die Zeit nicht richtig im Kopf hatte. So lege ich mich wieder aufs Bett und beginne diesen Text zu schreiben.

Persönliches Während dem Frühstück habe ich, wie seit kurzem immer wieder, an zu Hause gedacht. Wenn ich könnte, ich glaube, ich würde mit dem nächsten Flieger nach Hause fliegen. Es gefällt mir nicht. Bangladesch ist touristisch weit unten und ich bereise dieses Land zudem in der "Off Season". Die Menü Karte im Restaurant sieht zwar vielseitig aus, das Angebot ist aber sehr beschränkt. Gemäss Programm erwartet mich auf der Bootstour "... crystal clear water ...", vom Fenster aus sehe ich aber nur eine braune Sauce. In der Monsun Zeit ändern die Kristalle wohl die Farbe ...

Versuche, mich zu motivieren, denn die vielen schönen Momente meiner Reise konnte ich ja nur erleben, weil ich eben auch unschönes und unangenehmes auf mich nahm. So gehe ich gedanklich zurück und suche die absoluten Highlights. Es hat viele Orte gegeben, wo es mir ausserordentlich gefiel. Muss für mich selber, um die Erinnerung dieser Reise aufrecht zu erhalten, die Website nachtragen. [Nach einem abgebrochenen Versuch Ende 2015 habe ich mich dann rund 2 Jahre später erfolgreich daran gemacht.] Auch zu Hause gibt es Tage, Zeiten, die nicht so gut sind. Rückblickend wird alles anders aussehen, das positive wird hervorstechen. Ich werde froh und glücklich sein, und stolz auf mich, eine solch lange Reise, durch solche Länder, alleine und in meinem Alter, gemacht zu haben! Danke Silvia! Kann mich motivieren. Kopf hoch Ueli, du musst durch dieses Tief durch!!!

Um halb zehn regnet es nicht mehr. Die Polizei, die bei der Boots-Tour hätte mitkommen sollen, kommt aber nicht, das Wetter sei zu wenig gut. So gehen wir halt ohne sie. Wir laufen über die Hängebrücke, besteigen ein Boot und fahren damit auf den Kaptai See hinaus. Der Kaptai-Stausee ist die größte Talsperre mit dem einzigen Wasserkraftwerk in Bangladesch. Durch den Bau des Staudammes wurde der Fluss Karnaphuli zu einem großen Stausee aufgestaut.

Nach der Fahrt auf dem See, wollen wir mit dem Boot in die Nähe des Marktes fahren, der jeweils samstags und mittwochs stattfindet. Das geht aber nicht, wegen dem Wasserpegel. Nächster Versuch bei einem Haus mit angehängtem Boot. Unser Bootsmann legt bei einem dritten Boot an und versucht, die beiden Boote durch das Grünzeug zum Boot beim Haus zu ziehen, damit wir dort umsteigen können, was er aber nicht schafft. So gehen wir halt wieder zurück auf unser Boot und versuchen es bei einem anderen Haus.

Nach dem vorsichtigen aussteigen machen wir uns auf den Weg zum Markt. Unterwegs sehen wir, dass in der Nacht ein Haus wegen dem Regen den Hang hinuntergerutscht ist. Die Leute konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Wir erreichen den Markt der Einheimischen. Die Hühner wechseln lebend den Besitzer und es werden noch alte Waagen benutzt. Azim sagt, dass er auch noch so einkaufen gehe, aber auch im Supermarkt, was einfacher sei.

Zum Schweizerischen Nationalfeiertag entdecke ich zweimal schweizerisches im Sucher ...

Danach zurück zum Boot und weiter auf dem See zu einer Insel wo wir anlegen. Das Dorf besteht aus fünf Hütten. Die Leute in dieser Gegend sind buddhistisch und waren bis in den 1960er, vor der Trennung von Pakistan, traditionell Bauern, bis der Damm gebaut und das Tal überflutet wurde und ihr Ackerland verschwand. Auch die Häuser. Auch das Haus des Königs. Kein Wunder, dass es hier immer wieder zu Unruhen kam. 1996 sei ein Friedensabkommen unterzeichnet worden, seither sei es ruhig. Wieso hat es dann Militärbasen und ich brauchte eine Spezialbewilligung ... ?

Die Bootstour ist interessant und gefällt mir, auch wenn ich oft trauriges sehe. So wie die Hütte, die beinahe im Wasser untergeht, oder wie sich das Wasser immer wieder Land nimmt. Es sieht wieder nach Regen aus, weshalb der Bootsführer das Boot heil zurückbringen will und unsere Tour beendet. Auf dem Rückweg fahren wir an meinem Hotel vorbei.

Azim informiert mich, dass unser morgiges Ziel, Bandarban, abgeschnitten sei. Wegen Erdrutschen und einer zerstörten Brücke könnten wir nicht dorthin fahren. Hierbleiben oder nach Chittagong. Ich entscheide mich für Chittagong, dort habe ich WiFi und wir haben dann mehr Zeit für die Werften. Zudem reichen mir zwei Nächte hier.

Das Notebook will wieder nicht mehr. Ich versuche es nochmals mit ein paar Hilfstool. Wenn das nichts bringt, gebe ich es auf. Dann den PC wegschmeissen oder nutzlos mit mir herumschleppen? Garantie? Meine Daten?

 

190. Tag; 2. August 2015, Chittagong, Bangladesch

Sonntagmorgen, ausschlafen, frühstücken, packen und ein letzter Blick auf den "kristallklaren" Kaptai-See.

Um halb zehn fahren wir ab. Im Dorf, beim abgerutschten Haus, halten wir kurz an.

Kurz ausserhalb des Dorfes besuchen wir den wichtigsten buddhistischen Tempel der Region.

"Ihre Reise führt weiter in den Distrikt Bandarban. Auf dem Weg dorthin besuchen Sie Moorong Dörfer und einen traditionellen Markt. Nach dem Mittagessen unternehmen Sie eine Bootsfahrt auf dem Sangu Fluss und lernen etwas über das Leben der Einheimischen als Fischer und Bauern".

Aber wir fahren nun nach Chittagong zurück, statt nach Bandarban, welches wegen kaputter Strasse und Brücke abgeschnitten ist. Wir hätten Glück gehabt, mein Azim, dass wir nicht schon dort waren, denn das werde Tage dauern. Einen Helikopter mieten wäre die einzige Möglichkeit gewesen, von dort wegzukommen ...

Im Hotel Lord's Inn habe ich ein Zimmer ohne Fenster, dafür WiFi Empfang, so dass meine bereits geschriebenen Emails raus gehen.

Persönliches Via Viber telefoniere ich mit Silvia bis ein Stromunterbruch unsere Verbindung trennt. Später ruft Silvia über WhatsApp zurück. Hat mega gut getan. Bin aufgestellt und glücklich.

Am Abend esse ich vom Buffet, es hat leckere Sachen: Suppe, Crevetten, Chicken Tandoori, welches zwar trocken ist, dafür würzig.

 

 

191. Tag; 3. August 2015, Dhaka, Bangladesch

Besichtigung Ship Breaking Yard: Das was ich heute vorhabe, ist zwar nicht illegal, aber offiziell und buchbar auch nicht. Die Abwrackwerften bei Chittagong befinden sich auf einem etwa sieben Kilometer langen Strandabschnitt bei Fauzdarhat, rund 15 Kilometer nordwestlich von Chittagong. Sie bilden das Zentrum der Abwrackindustrie in Bangladesch. Anfänglich sei es mafiaähnlich organisiert gewesen, später stufte die Regierung diese Industries als eigenständiges Business ein. Es sei sehr rentabel. Die Schiffe werden in Singapore eingekauft, hierhiergefahren und auseinandergenommen. Der Stahl und ähnliches wird an grössere Firmen weiterverkauft, kleinere Dinge an lokale Firmen. Auf der Fahrt zu den Abwrackwerften hat es links und rechts Kleinfirmen die alles Möglich von den Schiffen verkaufen: Schwimmwesten, Rettungsringe, Leitern, Rettungsboote etc.

Massive Kritik finden die Niedriglöhne, die mangelnde Arbeitssicherheit und der geringe Umweltschutz. Berichten zufolge, "werden die Arbeiter mit Asbest, Schwermetallen, Ölrückständen und Mischungen toxischer Substanzen konfrontiert. Persönliche Schutzausrüstung ist in der Regel nicht oder nicht in ausreichender Menge verfügbar. So gibt es selten Feinstaubmasken, keinerlei Atemschutz für den Umgang mit Asbest, keine Schutzbrillen und Sicherheitsschuhe. Die meisten arbeiten barfuß im schlammigen Bereich, weshalb es oft zu Verletzungen kommt, da im Schlammboden scharfe Metallstücke übersehen werden. Zuletzt wurden, für einige Arbeiter in den besseren Unternehmen, Schutzhelme ausgegeben. Die meisten Beschäftigten weisen arbeitsbedingte Erkrankungen auf. Technische Hilfsmittel stehen fast gar nicht zur Verfügung. Es gibt motorisch betriebene Seilwinden, mit denen man die Wracks, nachdem sie bei Springflut aufgelaufen sind, weiter ins Trockene ziehen kann. Vom Schiff getrennte, schwere Metallplatten werden zumeist von Hand transportiert, was für den Arbeiter enorme physische Belastungen bedeutet. Kinderarbeit ist offiziell nicht geduldet. Es kommt vor, dass Zwölfjährige aus von Armut bedrohten Familien in den Werften arbeiten."

Azim war das letzte Mal vor einem Jahr hier. Er kenne einen Weg zu einem Tor, wo man rein könne. Er findet ihn wieder, geht zum Tor, wo in englisch erwähnt ist, dass Kinderarbeit nicht erlaubt sei, und winkt mir zu folgen. Niemand ist da zum Fragen, also gehen wir rechts durch den Eingang rein.

Er meint, dass wir nach dem Fotografieren allenfalls schnell wegmüssten. Wir laufen zügig zum Strand und ich beginne zu fotografieren. Auf dem Gelände selber wird nicht gearbeitet, aber links und rechts. Mit grossen Seilwinden werden die Schiffe an Land gezogen.

Plötzlich kommt ein Mann, wohl der Boss der Security, und spricht mit Azim. Der Ton seiner Stimme klingt für mich nicht gerade freundlich. Azim fordert mich auf, nicht mehr zu fotografieren. Der Mann führt uns Richtung Ausgang zurück und spricht mit zwei anderen Männern. Azim hofft, dass der Security nun nicht seinen Job verliert, weil er nicht verhindert hat, dass wir reingekommen sind.

Auf der nicht enden wollenden Eisenbahnfahrt habe ich Azim gebeten, für mich einen Flug zurück nach Dhaka zu buchen. So fahren wir nun zum Flughafen, wo wir gegen halb zwei ankommen. Zu früh fürs Check-in, der Flug BS 106 der US-Bangla Airlines geht erst um 16.20 Uhr. Wir verabschieden uns voneinander, denn Azim fährt mit einem Bus nach Dhaka.

Es ist ein kurzer, angenehmer Flug nach Dhaka. Vom Fenster aus kann ich überschwemmte Gebiete ausmachen.

Nach der Landung werde ich vom Chauffeur vom Hotel Dhaka Garden Hotel abgeholt. Ich brauche Taka, die Währung von Bangladesch, weshalb wir zuerst zum Hotel Radisson Blu fahren, wo es einen ATM (Automated Teller Machine, Bankomat) hat.

Am Abend schicke ich die bisher geschriebenen Tagebuch-Eintragungen per Email an mich selber, so habe ich sie auf sicher.

 

192. und 193. Tag; 5. August 2015, Dhaka, Bangladesch

Dienstag: Nun bin ich zum dritten Mal in Dhaka und mache erst heute eine Stadtbesichtigung.

Zuerst fahren wir 1 3/4 Stunden durch die Stadt zum Hafen am Buriganga River. Wieder ein mega Verkehrspuff, Stau, Stau, Stau, aber das sei der normale Alltag.

Es hat ein Schiff nach dem anderen am Steg. Die Schiffe haben drei Decks: unten ist die 3. Klasse mit nichts, im Mitteldeck ist die 2. Klasse mit Stühlen und im Oberdeck die 1. Klasse mit Kabinen.

Danach fahren wir zum Majestic Pink Palace.

Auf dem anschliessenden Bummel durch den Shakharibazar im Hindu Viertel ist interessantes zu sehen, aber die Häuser sind in schlechtem Zustand.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Gebäude der Universität ist sehr schön und in gutem Zustand. Beim Shaheed Minar, dem „Märtyrermonument“ und Denkmal für die im Februar 1952 in Dhaka getöteten Aktivisten der bengalischen Sprachbewegung, steige ich nicht aus. Wir fahren zum Fort, welches als solches aber nie benutzt worden ist, weil die Lieblingstochter des Erbauers früh verstorben ist. Er machte dann eine Grabstätte daraus.

Das anscheinend architektonisch schöne Gebäude des Gerichts lasse ich aus, ich habe genug vom Verkehr und vom im Stau stehen. So fahren wir zurück zum Hotel wo wir um halb drei ankommen. Ich verabschiede mich von Azim, weil ich morgen kein Programm habe und mich übermorgen ein Fahrer vom Hotel zum Flughafen bringen wird. Zuerst nehme ich eine Dusche und verbringe den restlichen Nachmittag im Zimmer. Die Wäsche wird mir gebracht. Im Shop um die Ecke habe ich Scheiben-Käse gekauft. Mmmh

Mittwoch: Den letzten Tag in Dhaka gehe ich gemütlich an. Nach dem Frühstück laufe ich zuerst ziellos durch die Gegend. Ich beobachte, wie Polizisten primitive "Behausungen" auf dem Trottoir auseinander nehmen um die Leute zu vertreiben.

Ich entdecke einen Spa mit Massagen und genehmige mir eine 1h-Öl-Massage (durch einen Mann). Danach trinke ich in einem US Columbia Coffee Shop einen Chai Latte und beziehe bei einem ATM nochmals Bargeld für die Wäsche und das Abendessen.

Mit einfachsten Hilfsmitteln wird gebaut und der Wasseranschuss auf der Baustelle ist für Kinder gleichzeitig Spielplatz, Waschküche und Bad.

Am Vormittag habe ich vom Auto aus Wahlplakate gesehen, welche einen Gegen-Kandiaten mit einer Schlinge um den Hals zeigten. Ich laufe lange, um eine solche "Hängt-ihn-auf"-Aufforderung zu finden, werde aber nicht fündig. Zu Fuss komme ich schneller voran als die unzähligen Tuk-Tuks, Autos, Busse und Lastwagen.

 

194. Tag; 6. August 2015, Dhaka, Bangladesch

Ich gebe es zu, traurig bin ich nicht wegen der bevorstehenden Abreise aus Bangladesch, aber es war ja meine Entscheidung, dieses arme Land zu besuchen. Beim Frühstücken lese ich in der Zeitung eine kritische Reportage über Hygiene und Sauberkeit von Toiletten in Spitälern. Unglaublich. Man erwartet von einem Spital anderes. Bilder von einer "gruusigen" Toilette und daneben wird Geschirr gewaschen.

Am Flughafen habe ich noch 530 Taka. Ich kaufe mir ein T-Shirt für 400 Taka und Spende den Rest für eine Reha-Institution von Invaliden. Ich gehe durch die Immigration und bringe das Boarding und Body Check, das bei jedem Gate stattfindet, hinter mich und warte. Nach einer Weile kommt ein Mann mit dem Teil der Boarding Karte, welche abgetrennt worden ist, zu mir. Es sei beim Check-in vergessen worden, von mir 500 Taka Gebühren zu verlangen. So muss ich zurück zur Boarding Kontrolle. Dort erkläre ich denen, dass ich keine Taka mehr hätte; 5 USD gingen auch, meinen sie. Bei meinen Dollars finde ich 5 1-Dollar-Noten, die ich ihnen gebe. Doch nun wollen sie 8 USD. Kreditkarten nehmen sie nicht. Ich mache ein Theater. Da fragt mich einer ob ich Thai Baht hätte. Habe ich, aber nicht in passenden Noten. Ich rechne mit meinem Währungsrechner und mache den Vorschlag, 100 Thai Baht = 217 Taka und 4 USD = 382 Taka zu bezahlen, was sie akzeptieren. Ich verlange eine Quittung und gehe zum Gate zurück. Später kommen zwei Männer auf mich zu. Was wollen sie nun von mir? Aber sie entschuldigen sich für den Fehler und die gehabten Umstände für mich. Mit einem Lächeln sage ich den beiden, dass es okay sei.

Es ist ein schöner Flug, wieder mal in einem grossen Flugzeug, einer Boeng 777 für 300 Passagiere: 3 - 3 - 3. Ich sitze auf der Gangseite, aber auf einem 2er-Sitz, den ich für mich alleine habe. Zum Essen gibts Wein und zum Kaffee Cognac, welch ein Luxus!

 

Nun geht die Reise (kurz) unter Thailand weiter und danach unter Myanmar.

 

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